GÖTEBORG / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie aus Schweden zeigt, dass der unangenehme Blickkontakt nicht die Ursache für die langsamere Emotionserkennung bei Menschen mit autistischen Merkmalen ist. Stattdessen spielen andere kognitive Mechanismen eine Rolle, die unabhängig von der Blickvermeidung sind.

Die jüngste Forschung aus Schweden, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Emotion, beleuchtet die Beziehung zwischen autistischen Merkmalen und der Fähigkeit, Emotionen zu erkennen. Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass der unangenehme Blickkontakt bei Menschen mit Autismus die Ursache für Schwierigkeiten bei der Emotionserkennung ist, zeigt die Studie, dass dies nicht der Fall ist. Vielmehr sind es andere kognitive Mechanismen, die diese Verzögerungen verursachen.
Autismus wird zunehmend als Spektrum von Merkmalen betrachtet, die in der allgemeinen Bevölkerung variieren können. Diese Perspektive legt nahe, dass die Unterschiede zwischen Menschen mit einer Autismusdiagnose und neurotypischen Personen oft graduell sind. Zu den häufigsten Merkmalen gehört die Vermeidung von Blickkontakt, die bei Menschen mit höheren autistischen Merkmalen häufiger auftritt.
Die Studie, geleitet von Sara Landberg von der Universität Göteborg, untersuchte 187 Erwachsene aus englischsprachigen Ländern. Die Teilnehmer füllten Fragebögen aus, die ihre autistischen Merkmale, Alexithymie und Gesichtserkennungsfähigkeiten bewerteten. Zusätzlich wurde ein Emotionserkennungstest durchgeführt, um die Genauigkeit und Geschwindigkeit der Emotionserkennung zu messen.
Interessanterweise zeigte die Analyse, dass der unangenehme Blickkontakt nicht die Reaktionszeit bei der Emotionserkennung beeinflusste. Dies deutet darauf hin, dass die langsamere Verarbeitung bei Menschen mit autistischen Merkmalen auf andere kognitive Prozesse zurückzuführen ist. Die Studie hebt auch hervor, dass Menschen mit Alexithymie, die Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Emotionen zu erkennen, ebenfalls Blickkontakt vermeiden, jedoch aus anderen Gründen als Menschen mit autistischen Merkmalen.
Diese Erkenntnisse werfen ein neues Licht auf die Annahme, dass Training zur Verbesserung des Blickkontakts automatisch die Emotionserkennung verbessern würde. Stattdessen könnte es effektiver sein, sich auf die spezifischen kognitiven Mechanismen zu konzentrieren, die bei der Verarbeitung von Emotionen eine Rolle spielen. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, individuelle Strategien zu entwickeln, die auf die spezifischen Merkmale und Bedürfnisse der betroffenen Personen zugeschnitten sind.
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