LONDON (IT BOLTWISE) – Wissenschaftler haben die neurologischen Mechanismen entschlüsselt, die den durch Cannabis ausgelösten Heißhunger, auch bekannt als ‘Munchies’, verursachen. Diese Erkenntnisse könnten Cannabis als medizinisches Werkzeug zur Appetitanregung bei Patienten mit chronischen Erkrankungen nutzbar machen.

Die jüngsten Forschungsergebnisse zeigen, dass der durch Cannabis ausgelöste Heißhunger eine neurologische Reaktion ist, die die Motivation zum Essen erhöht, unabhängig vom tatsächlichen Kalorienbedarf des Körpers. Diese Entdeckung könnte Cannabis als medizinisches Werkzeug zur Appetitanregung bei Patienten mit chronischen Erkrankungen nutzbar machen. Die Studie wurde in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.
Cannabis enthält psychoaktive Verbindungen, insbesondere Tetrahydrocannabinol (THC), das mit dem Endocannabinoid-System des Körpers interagiert. Dieses System reguliert unter anderem Stimmung, Gedächtnis, Schmerz und Appetit. Während der Heißhunger nach Cannabiskonsum in der Popkultur häufig thematisiert wird, sind die genauen biologischen und verhaltensbezogenen Mechanismen dieses Phänomens bisher überraschend wenig erforscht.
In der Studie wurden sowohl menschliche als auch tierische Probanden untersucht, um zu verstehen, wie die Inhalation von THC-haltigem Cannabisextrakt das Essverhalten beeinflusst. Die Forscher wollten herausfinden, ob dieser Hunger vom Gehirn oder vom Verdauungstrakt ausgeht, um mögliche Behandlungen für Appetitverlust zu entwickeln.
Die klinische Studie mit 82 Freiwilligen im Alter von 21 bis 62 Jahren aus der Region Pullman, Washington, zeigte, dass inhaliertes Cannabis den Lebensmittelkonsum akut erhöht. Die Teilnehmer, die Cannabis inhalierten, aßen in den ersten 30 Minuten nach dem Konsum signifikant mehr Kohlenhydrate, Fette und Proteine als die Placebogruppe.
Interessanterweise beeinflusste Cannabis nicht die spezifischen Lebensmittelpräferenzen der Teilnehmer. Stattdessen aßen sie einfach eine größere Menge aller verfügbaren Makronährstoffe, ohne ihre proportionale Ernährung zu ändern. Auch die Dauer seit der letzten Mahlzeit hatte keinen Einfluss auf die Menge der nach dem Cannabiskonsum verzehrten Lebensmittel.
In der parallelen Tierstudie zeigten Ratten, die Cannabisdampf ausgesetzt waren, ein ähnliches Essverhalten wie die menschlichen Probanden. Auch sie aßen mehr, unabhängig von ihrem Geschlecht oder ihrem Sättigungsgefühl. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Cannabis das Belohnungssystem des Gehirns beeinflusst und die Motivation zum Essen steigert, selbst wenn kein biologischer Bedarf besteht.
Die Forscher fanden heraus, dass die durch Cannabis ausgelöste Esslust nicht durch Veränderungen der appetitregulierenden Hormone wie Ghrelin, Leptin oder Insulin verursacht wird. Stattdessen scheint Cannabis die natürlichen Appetitregulationszentren des Gehirns zu kapern, um eine starke Motivation zur Nahrungsaufnahme auszulösen.
Diese Erkenntnisse könnten therapeutisch genutzt werden, um Menschen zu helfen, die unter Appetitverlust aufgrund von Krankheiten oder Behandlungen wie Chemotherapie leiden. Die Forscher hoffen, dass zukünftige Studien die genauen neuronalen Schaltkreise im Gehirn kartieren können, die auf die Inhalation von Cannabis reagieren, um gezielte medizinische Therapien zu entwickeln.
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