BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die DIHK rechnet für dieses Jahr nur noch mit 0,3 Prozent Wachstum. In der aktuellen Konjunkturumfrage bewerten deutlich mehr Unternehmen die Lage als schlecht und erwarten zudem seltener Besserung. Als Belastungen nennt die Kammer unter anderem hohe Energie- und Rohstoffpreise, steigende Arbeitskosten sowie anhaltende Bürokratie. Für die Tech- und Softwareindustrie wird damit besonders sichtbar, wie stark Investitionszyklen vom realen Nachfrageumfeld abhängen.

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) dämpft die Erwartungen an die deutsche Wirtschaft spürbar: Für das laufende Jahr wird das Wachstum nur noch mit 0,3 Prozent veranschlagt. Die Zahl ist nicht nur eine Kennziffer für Statistiker, sondern ein Signal für Planungs- und Investitionshorizonte in Werkhallen, Handelsfilialen und auch in IT-Abteilungen. Wenn Konjunkturhoffnungen schrumpfen, wandern Budgets häufig von großen Vorhaben hin zu „Run“-Aktivitäten wie Stabilität, Sicherheit und Kostenkontrolle. Genau an dieser Schnittstelle trifft die Nachricht das Technologieumfeld vieler Unternehmen.
Besonders deutlich wird der Stimmungsumschwung in den Ergebnissen der DIHK-Konjunkturumfrage. 26 Prozent der befragten Betriebe bewerten ihre wirtschaftliche Lage als schlecht – ein Niveau, das zuletzt während der Corona-Pandemie erreicht wurde. Zugleich verschlechtern sich die Aussichten: Nur 13 Prozent erwarten in den kommenden zwölf Monaten bessere Geschäfte, während rund ein Drittel einen Rückgang erwartet. Seit Jahresbeginn stieg der Anteil pessimistischer Firmen dem Bericht zufolge um acht Prozentpunkte. Für die IT-Realität bedeutet das oft: Projekte mit direktem Nutzen werden stärker priorisiert, während ambitionierte Transformationspläne aufgeschoben werden.
Helena Melnikov, Hauptgeschäftsführerin der DIHK, verknüpft die Abkühlung mit internationalen Unsicherheiten und verweist auf den Krieg im Nahen Osten als zusätzlichen Belastungsfaktor für eine ohnehin schwache Lage. Diese Argumentation ist auch aus technologischer Perspektive nachvollziehbar: Lieferketten- und Marktvolatilität schlagen schneller als gedacht auf Beschaffung, Produktion und Nachfrage durch. Besonders harte Bremsen sieht die Kammer zudem bei Energie- und Rohstoffpreisen, die für viele Unternehmen „der Tropfen“ sind, der das Fass zum Überlaufen bringt. Wenn 70 Prozent der Betriebe diese Preise als größtes Geschäftsrisiko nennen, wird verständlich, warum Effizienz-Programme in Energieverbrauch und operativen Kosten in den Vordergrund rücken.
Technisch betrachtet zeigt sich hier ein wiederkehrendes Muster aus früheren Krisenphasen: In unsicheren Märkten steigt die Bedeutung datengetriebener Steuerung, weil man Unsicherheit nicht nur „wegplanen“, sondern systematisch messen muss. Unternehmen brauchen dafür verlässliche Schnittstellen zwischen ERP, Produktions- und Logistikdaten, sowie Analytik zur Prognose von Durchlaufzeiten, Beschaffungsrisiken und Energiekosten. Im Unterschied zu rein reaktiven Reporting-Ansätzen setzen erfolgreiche Programme stärker auf KI-gestützte Vorhersagemodelle für Nachfrage und Kostenstreuung, allerdings meist mit klaren Sicherheits- und Compliance-Anforderungen. Gleichzeitig gilt: Ohne robuste Identity- und Rollenmodelle wird „schnelles Optimieren“ schnell zu Sicherheitsrisiko, gerade wenn Datenzugriffe erweitert werden.
Der Markt kontert solche Phasen typischerweise mit zwei konkurrierenden Strategien: Entweder werden Investitionen in neue Systeme reduziert, oder man wählt gezielt „Use-Cases“, die kurzfristig messbare Effekte liefern. Genau deshalb lohnt der Blick auf parallele Einschätzungen anderer Institutionen wie Bundesbank und ifo-Institut, deren Konjunkturbewertungen in ähnlichen Zeitfenstern häufig als Referenz dienen. Branchenexperten berichten zudem, dass Energiepreisschocks und Kosteninflation die Entscheidung beeinflussen, ob Unternehmen in Cloud-Ressourcen, Automatisierung oder moderne Softwarearchitekturen investieren. Die DIHK-Nachricht verschiebt damit indirekt die Wettbewerbsdynamik zwischen Anbietern von Industrie-Software, Energiemanagement-Plattformen und Migrationsdienstleistern.
Mit Blick auf den Arbeits- und Kostenblock nennt die DIHK neben Energiepreisen auch hohe Arbeitskosten, Bürokratie und Steuern als Belastungen. In der Unternehmenssoftware bedeutet das: Reduktion von Durchlaufzeiten und Automatisierung von Prozessen ist nicht nur „Komfort“, sondern ein Mittel, um Personalkapazitäten anders zu allokieren. Gleichzeitig steigt die regulatorische Aufmerksamkeit, weil Unternehmen in Konsolidierungsphasen oft mehr Datenflüsse neu organisieren. Datenschutz und Informationssicherheit werden dann zu zentralen Gatekeepern für schnelle Änderungen, etwa bei der Integration von Lieferantenportalen, Service-Management oder Predictive-Maintenance-Szenarien. Wer diese Governance vernachlässigt, zahlt später doppelt – mit Zeitverlust und erhöhtem Risiko für Audits.
Die historische Einordnung macht die Tragweite greifbar: Seit der Finanzkrise 2008/2009 und nochmals während der Corona-Wellen haben Konjunkturbrüche immer wieder gezeigt, dass Digitalisierung zwar nicht „abschaltet“, aber anders priorisiert wird. Damals wie heute trennt man stärker zwischen Projekten, die in der Krise unmittelbar Wert liefern, und solchen, die erst bei stabiler Nachfrage skalieren. Für IT-Teams bedeutet das eine Verschiebung hin zu standardisierten Integrationen, wiederverwendbaren Datenpipelines und kontrollierter Modellwartung. Gerade bei KI-Entwicklung zählt zudem das Betriebskonzept: Monitoring, Datenqualität und nachvollziehbare Entscheidungen (etwa durch Audit-Trails) werden in härteren Budgetphasen eher akzeptiert, weil sie Risiken messbar reduzieren.
Aus dem DIHK-Ausblick folgt eine konkrete Folgerung für die Tech-Branche: Sales- und Implementierungszyklen werden wahrscheinlich länger, aber Budgets für Resilienz bleiben relevant. Unternehmen investieren eher in Maßnahmen, die Energieeffizienz, Bestandsoptimierung und Sicherheitsfähigkeit verbessern, statt in „große“ Transformationen ohne klaren Business Case. Anbieter von Enterprise-Software sollten deshalb stärker modular denken: kurze Pilotphasen, klare KPIs und ein Architekturansatz, der von On-Premise bis Cloud konsistent ausrollbar ist. In Zukunft dürfte der stärkere Wettbewerb um Effizienz- und Risikomanagement-Funktionen dazu führen, dass sich Schnittstellenstandards und Plattformstrategien weiter festigen – mit spürbaren Chancen für Entwickler, die robuste Integrations- und Security-Patterns liefern.
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