BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die DIHK senkt ihre Konjunkturprognose für 2026 deutlich und rechnet nur noch mit 0,3 % Wachstum des Bruttoinlandsprodukts. Als Treiber nennt die Kammer eine Doppelkrise aus Strukturproblemen und den wirtschaftlichen Folgen des Nahostkriegs. In der Unternehmensumfrage verschlechtert sich die Stimmung auf ein Niveau zuletzt zur Corona-Pandemie, während Energie- und Rohstoffpreise für viele Betriebe das größte Risiko darstellen. Gleichzeitig stehen Investitionen unter Druck, und immer mehr Firmen planen Personal abzubauen.

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) dämpft die Erwartungen an die Entwicklung der deutschen Wirtschaft spürbar: Für dieses Jahr wird nur noch ein BIP-Wachstum von 0,3 % erwartet, nach zuvor 1,0 %. Der Rückgang ist mehr als eine Zahl in einem Prognoseblatt, denn er wirkt unmittelbar auf Planungen in Unternehmen – von Budgetzyklen bis zur Priorisierung von Projekten. DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov ordnet die Lage als Doppelkrise ein: strukturelle Schwächen treffen auf die wirtschaftlichen Folgewirkungen des Krieges im Nahen Osten. Damit verschärft sich der Druck auf Organisationen, Kosten, Energieverbräuche und operative Risiken gleichzeitig zu managen.
Technisch betrachtet verschiebt eine solche makroökonomische Eintrübung die Anforderungen an Enterprise-IT deutlich. Wenn Energie- und Rohstoffpreise als größtes Geschäftsrisiko dominieren, geraten nicht nur Produktionsprozesse, sondern auch Rechenzentren, Netzinfrastruktur und digitale Workflows in den Blick. In der Praxis heißt das: Unternehmen priorisieren oft Effizienzmaßnahmen wie bessere Auslastung von Servern, gezieltes Energie- und Last-Monitoring sowie die Konsolidierung von Anwendungen. Gleichzeitig steigt die Bedeutung skalierbarer Plattformen, die sich unter veränderten Budgets weiter betreiben lassen. Für IT-Teams wird damit die Balance wichtig zwischen kurzfristiger Kostenkontrolle und langfristiger Sicherheits- und Compliancefähigkeit.
Der Wettbewerbs- und Erwartungshorizont bleibt dabei dynamisch. Die DIHK positioniert sich noch pessimistischer als die Bundesregierung, die vor einem Monat ihre Konjunkturprognose auf 0,5 % halbiert hatte. Parallel wird am Mittwoch das Frühjahrsgutachten der „Wirtschaftsweisen“ vorgestellt; auch dort dürfte die Prognose nach unten angepasst werden. Schon dieser Ablauf zeigt, wie eng sich politische Steuerung und Unternehmensplanung gegenseitig beeinflussen: Prognosen sind nicht nur Beobachtungen, sie werden zu Signalen für Investitions- und Einstellungsentscheidungen. Im Hintergrund verschärft sich der Vergleich zwischen den Akteuren, weil Unternehmen ihre Planungssicherheit verlieren und sich zunehmend an risikoarmen Szenarien ausrichten.
Besonders markant ist laut DIHK die Stimmungslage in den Betrieben: In einer Konjunkturumfrage bewerteten die Unternehmen ihre Geschäftslage im Frühlommer auf breiter Front so negativ wie zuletzt in der Corona-Pandemie. Mehr als jedes vierte Unternehmen bezeichnet seine Lage als schlecht, nur 23 % als gut; zudem rechnet ein Drittel der Firmen in den kommenden zwölf Monaten mit schlechteren Geschäften. Für Management und IT-Entscheider bedeutet das: Projekte müssen stärker an messbare Effekte gekoppelt werden, etwa an Kosteneinsparungen, Durchlaufzeiten oder die Reduktion von Prozessrisiken. Ein „Nice-to-have“-Ansatz verliert dagegen an Relevanz, während belastbare Change- und Betriebsmodelle gewinnen.
Als Hauptursache für die Risikoeinschätzung nennt die Umfrage Energie- und Rohstoffpreise: 70 % der Unternehmen führen dies als größtes Geschäftsrisiko an. Melnikov beschreibt die Preise als „Tropfen“, die das Fass zum Überlaufen bringen – kurz nach Kriegsbeginn seien nicht nur Öl-, Gas- und Benzinpreise, sondern auch Kosten für Baumaterialien und Kunststoffe stark gestiegen. Der Kostendruck ziehe sich dadurch durch nahezu alle Wirtschaftszweige. Genau hier entstehen praktische Hebel für Unternehmen: von effizienter Materialplanung über Automatisierung in der Lieferkette bis zur besseren Steuerung von Produktions- und Logistikdaten. Technisch wird daraus ein Ansatz, bei dem Datenqualität, Echtzeit-Auswertung und robuste Betriebsführung zusammenkommen – und Sicherheitsanforderungen nicht vernachlässigt werden dürfen.
Die schlechte Stimmung spiegelt sich auch in der Finanz- und Personalplanung wider. Nur 22 % der Unternehmen planen laut DIHK, ihre Investitionsbudgets zu steigern; mehr als ein Drittel müsse sie hingegen reduzieren. Knapp ein Viertel plant Personal abzubauen. In der Unternehmensrealität verschiebt sich damit der Fokus: Investitionen wandern häufig von großen Transformationsprogrammen hin zu Modernisierungsschritten mit schneller Wirkung, etwa Monitoring, Automatisierung wiederkehrender Abläufe, Schnittstellenhärtung oder die Reduktion von IT-Aufwand. Für Security bedeutet das zusätzlich: Weniger Personal im Betrieb erfordert bessere Automatisierung in der Schutzkette, etwa bei Patch-Management, Identitäts- und Zugriffssteuerung sowie bei der Überwachung kritischer Workloads.
Die DIHK fordert die Bundesregierung deshalb zu unmittelbaren Entlastungen auf: Energie- und Arbeitskosten sowie Steuern sollen gesenkt, Bürokratie und Berichtspflichten zurückgefahren werden. Auch diese Forderung wirkt wie eine technische Randbedingung für Unternehmen, denn Berichtslasten binden Ressourcen in Fachabteilungen und IT. Besonders für regulierte Branchen oder Standorte mit hoher Dokumentationsdichte wird der Nutzen spürbar, wenn Prozesse verschlankt und Datenanforderungen harmonisiert werden. Für IT-Organisationen heißt das wiederum: Compliance- und Reporting-Pipelines sollten stärker standardisiert werden, um schnellere Anpassungen an neue Vorgaben zu ermöglichen – bei gleichzeitiger Minimierung von Datenabflüssen. Gerade Datenschutz und Informationssicherheit müssen dabei als „Design Constraint“ in den Prozess eingebaut bleiben.
In den nächsten Monaten wird entscheidend, wie sich die Prognosen der Wirtschaftsweisen sowie mögliche Reformpakete der Koalition auf die Erwartungen der Unternehmen auswirken. Die Koalition will bis zur Sommerpause ein großes Reformpaket auf den Weg bringen; ob damit tatsächlich Investitionsspielräume entstehen, hängt von Geschwindigkeit, Umsetzbarkeit und der konkreten Zielgenauigkeit ab. Für die Zukunft zeichnet sich zugleich ein klarer Technologiebedarf ab: Unternehmen werden stärker in KI-gestützte Effizienz- und Entscheidungsprozesse investieren, jedoch nur dort, wo Governance, Datensparsamkeit und Sicherheitskonzepte klar geregelt sind. Entwickelnde Teams bekommen dadurch Chancen für „Lean“-Automatisierung, die weniger Ressourcen bindet und in unsicheren Phasen stabil läuft.
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