LONDON (IT BOLTWISE) – Sicherheitsforscher berichten von einer seit 2025 laufenden Malware-Kampagne, die Steam-Nutzer über präparierte Wallpaper tarnt. Täter missbrauchen dabei eine Wallpaper-Engine-Funktion, die eingebettete, ausführbare Inhalte ausführen kann. Nach dem Aufspielen stehlen die Schadprogramme Kontodaten, kapern laufende Sessions und laden weitere schädliche Inhalte in die Steam-Workshops hoch. Steam hat die betroffenen Wallpaper inzwischen entfernt, empfohlen werden aber vor dem erneuten Anwenden gründliche Antivirus-Scans.

Wer Steam nutzt, erwartet vor allem Unterhaltung – und unterschätzt dabei oft die Angriffsfläche rund um „harmlos“ wirkende Zusatz-Apps. Wie Branchenforscher von Kaspersky berichten, läuft seit 2025 eine anhaltende Kampagne, bei der Cyberkriminelle Schadsoftware über den Steam-Workshop verbreiten. Betroffen sind insbesondere Nutzer, die die Live-Wallpaper-Software Wallpaper Engine verwenden: Die Angreifer kapseln ausführbare Komponenten in scheinbar legitimen Wallpaper-Profilen, sodass das Muster bei vielen zunächst wie gewöhnliche Individualisierung aussieht. Für Unternehmen und IT-Verantwortliche ist das besonders relevant, weil sich die Mechanik hinter dem Angriff nicht auf „Gaming“ beschränkt, sondern auf Standardmuster moderner Schadsoftware setzt.
Technisch greift die Kampagne einen Kernpunkt des Wallpaper-Ökosystems an: Wallpaper Engine erlaubt das Ausführen einer „Application Wallpaper“-Komponente als eigenständige Windows-Datei. Je nach Installation können dabei nicht nur Layouts, sondern auch widgetartige Elemente oder sogar community-entwickelte Minianwendungen (z. B. Planer, Kalender, Monitor-Widgets) integriert werden. Genau diese Flexibilität macht das System attraktiv für Angreifer, denn ungesicherte oder nicht verifizierte Drittcode-Ausführung ist in der Praxis ein Einfallstor. Der Angriff nutzt damit im Kern eine klassische Vertrauenskette: Wenn Nutzer einer App und deren Verteilkanal vertrauen, kann Schadcode unter dem Deckmantel „Erweiterung“ ausgeführt werden.
Die Verteilung erfolgt laut Analyse in zwei Hauptvarianten. Zum einen werden Archive bereitgestellt, die neben der Wallpaper Engine-Ausführung auch einen bösartigen Payload enthalten – häufig in Form kompromittierter ausführbarer Dateien (.exe), dynamischer Bibliotheken (.dll) oder Skripte. Zum anderen werden die Komponenten wiederholt in passwortgeschützten Archiven versteckt, was die Sichtbarkeit für Nutzer und teils auch für automatisierte Preview-Checks verringert. Entscheidend ist, dass die Ausführung nicht bei „Skript starten“ beginnt, sondern beim Anwenden des Wallpapers: Sobald der Wallpaper aktiviert wird, laufen die präparierten Bestandteile automatisch an. Damit wird aus einem Download im Hintergrund ein vollwertiger Infektionspfad.
Nach dem Start übernehmen die Schadprogramme die Kontrolle über die Sitzung des Opfers. Die Täter stehlen demnach Anmeldedaten, kapern aktive Live-Sessions und übermitteln die gewonnenen Informationen an Server, die von den Angreifern gesteuert werden. Besonders kritisch ist der nächste Schritt: Sobald die Angreifer Kontrolle über ein kompromittiertes Steam-Konto erlangen, nutzen sie dieses Konto, um weitere schädliche Wallpaper in den Steam-Workshop hochzuladen. So entsteht ein Multiplikator-Effekt, der die Kampagne über Zeit stabil hält. Experten weisen bei solchen Mustern regelmäßig darauf hin, dass sich die Wirkung nicht nur auf die erste Infektion beschränkt, sondern durch „self-propagation“ die Reichweite erhöht.
Um den Ablauf nachzustellen, entwickelten die Forscher laut Bericht einen Test-Wallpaper mit einer manipulierten Komponente, die ein Spiel („NTRaholic“) vortäuscht. Im Test funktionierte Gameplay und Steuerung zunächst wie erwartet – ein typisches Vorgehen, um verdächtiges Nutzerverhalten zu vermeiden. Dennoch wird im Hintergrund eine Backdoor-Komponente („Synaptics.exe“) abgelegt, die zur DarkKomet-Malware-Familie gehört. Der bösartige Installationspfad nutzt dabei eine Tarnstruktur: Das ausführende Element trägt den Namen „._cache_GAME1.exe“, ergänzt wird es jedoch durch eine manipulierte Systembibliothek („AggregatorHost.dll“), die die eigentliche Payload enthält. Für die IT ist das ein Lehrbeispiel dafür, wie Schadsoftware häufig auf scheinbar funktionale Dateinamen und unauffällige UI-Verläufe setzt.
Der Markt- und Wettbewerbsaspekt zeigt sich auch an der Zielgruppe und dem Timing. Die kompromittierten Downloads konzentrierten sich stark auf China (im Bericht genannt: 89% der schädlichen Downloads), wobei auch Nutzer in weiteren Ländern wie Deutschland, Kanada, Russland, Singapur, Hongkong, Vietnam und Indien betroffen waren – allerdings in deutlich geringerer Zahl. Das Muster spricht für ein skalierbares Kampagnen-Design, das nicht nur von lokalen Begebenheiten abhängt, sondern von der breiten Plattformlogik profitiert. Gleichzeitig reagiert der Plattformbetreiber: Steam habe die schädlichen Wallpaper inzwischen entfernt. Sicherheitsprodukte wie Microsoft Defender oder andere Endpoint-Scanner (je nach Unternehmensstandard) können helfen, aber sie ersetzen nicht die Notwendigkeit, die Ausführungslogik solcher „Wallpaper als App“-Mechanismen kritisch zu prüfen.
Historisch ist das kein völlig neuer Ansatz, sondern eine Weiterentwicklung bekannter Angriffswege: Früher waren „Mod“- und „Plugin“-Ökosysteme auf Spieleplattformen besonders häufig Ziel von Supply-Chain-ähnlichen Manipulationen. Mit steigender Interaktivität und mehr Berechtigungen für Erweiterungen verlagerte sich die Angriffsfläche hin zu ausführbaren Assets, die Nutzer freiwillig installieren oder aktivieren. Die heute verwendeten Techniken wirken deshalb wie eine Mischung aus Social Engineering (Überzeugung durch Funktionalität), Containerisierung (Archive, teilweise passwortgeschützt) und Session-Abgriff (Credential Theft und Hijacking). Unternehmen, die solche Plattformen intern erlauben oder Mitarbeitende darauf zugreifen lassen, sollten diese Entwicklung als Warnsignal verstehen: „Non-game downloads“ sind nicht automatisch nicht sicher.
Für die Zukunft bedeutet das vor allem: Regeln müssen tiefer ansetzen als bei reinen URL- oder Dateinamen-Blocklisten. Steam-Entfernung reduziert zwar die weitere Verbreitung, aber bereits aktivierte Wallpaper können installiert oder Komponenten können im Systemkontext abgelegt worden sein. Kaspersky empfiehlt deshalb, vor dem Anwenden von Wallpapers mit eingebetteten Executables gründliche Antivirus-Scans durchzuführen. Aus Enterprise-Sicht empfiehlt sich darüber hinaus, die lokale Ausführungsberechtigung von untrusted Drittcode zu begrenzen, z. B. über Application-Control-Policies, zusätzliche Endpoint-Detections und eine konsequente Schulung der Nutzer, die sich auf „harmlos“ getarnte Inhalte verlassen. In der nächsten Stufe ist zu erwarten, dass Angreifer stärker automatisierte Signaturen, heuristische Umgehungen und dynamische Payload-Loader einsetzen, um die Erkennung bei AV und EDR weiter zu erschweren.
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