LONDON (IT BOLTWISE) – Sicherheitsforscher warnen vor einer neuen Welle von Banking-Trojanern: BlankBot kombiniert Fernsteuerung, Screen-Recording und Keylogging, um Kontodaten in Echtzeit abzugreifen. Parallel zeigen aktuelle Reports, dass weltweit 34 aktive Malware-Familien 1.243 Finanzinstitute in 90 Ländern ins Visier nehmen. Besonders kritisch: Viele Stämme nutzen Erpressungs- und Tarnmechanismen, während Angriffe bereits im Play Store sichtbar werden. Für Banken und Enterprises wird damit die Gefahr der Schnellkompromittierung über mobile Kanäle zum strategischen Infrastrukturproblem.

BlankBot & weitere Banking-Trojaner: 34 Familien zielen auf 1.243 Banken
BlankBot & weitere Banking-Trojaner: 34 Familien zielen auf 1.243 Banken (Foto: IT BOLTWISE)
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BlankBot steht exemplarisch für die aktuelle Reife mobiler Banking-Angriffe: Der Trojaner ist nicht nur ein „Steal“-Werkzeug, sondern verbindet mehrere Angriffsbausteine zu einer einheitlichen Cyber-Kampagne. Im Kern geht es um das Zusammenspiel aus Datendiebstahl und aktiver Fernsteuerung, wodurch Angreifer auch dann präzise agieren können, wenn Nutzer eigentlich durch App-Interaktionen oder typische Sicherheitsmechanismen geschützt sein sollten. Wie die Analyse von Sicherheitsdienstleistern zeigt, kann BlankBot Bildschirminhalte erfassen und Tastatureingaben protokollieren. Damit verschiebt sich die Bedrohung weg vom klassischen Malware-Befall hin zu prozessnahen Angriffen im Live-Banking-Flow.

Technisch fällt auf, dass solche Banking-Trojaner zunehmend mehrschichtig implementiert werden. Neben Screen-Recording und Keylogging gehört dazu, sich in legitime App-Umgebungen einzuklinken, um Berechtigungs- und Prozessgrenzen zu umgehen oder auszunutzen. Gerade das „Latenzproblem“ wird dadurch entschärft: Wenn Angreifer nicht auf langfristige C2-Sitzungen angewiesen sind, sondern Aktionen nahezu zeitgleich mit dem Nutzerverhalten durchführen, steigen Trefferquoten deutlich. Ein weiterer Punkt ist die Ausnutzung dynamischer Verschlüsselungsstrategien und Dropper-Logiken, wodurch statische Erkennung erschwert wird. Für Sicherheitsarchitekturen bedeutet das, dass reine Signaturerkennung im mobilen Kontext nicht genügt, sondern Verhaltens- und Kontextsignale stärker gewichtet werden müssen.

In den Branchenreports wird die Lage zusätzlich verschärft: Der Banking Heist Report 2026 von Zimperium beschreibt, dass derzeit 34 aktive Malware-Familien 1.243 Finanzinstitute in 90 Ländern adressieren. Diese Größenordnung ist wichtig, weil sie eine systematische Skalierung nahelegt, statt einzelner, isolierter Kampagnen. Besonders aufmerksam macht ein Fokus auf die USA, wo eine Vielzahl angegriffener Apps gemeldet wird. Ergänzend zeigen die Daten zu Android-Malware-getriggerten Transaktionen, dass die Kriminalität nicht nur zunimmt, sondern auch operativ effizienter wird. Wenn gleichzeitig mehrere Stämme zusammen einen großen Teil der Ziele abdecken, entsteht ein „Angriffsnetz“, in dem einzelne Familien austauschbar wirken und schneller neue Varianten nachgeschoben werden.

Der Markt reagiert auf diese Entwicklung zunehmend mit KI-gestützter Erkennung, allerdings mit klaren Grenzen. Experten betonen, dass Zero-Day-Fälle besonders schwer sind, weil Signaturen und bekannte Artefakte fehlen; hier können jedoch maschinelles Lernen und Verhaltensmodelle frühzeitig Indikatoren finden, etwa über ungewöhnliche Berechtigungsnutzung, UI-Interaktionsmuster oder dynamische Entschlüsselungsphasen. Wie ein Analyst aus der Sicherheitsbranche in einem aktuellen Kontextgespräch sinngemäß hervorhob, entscheidet am Ende weniger das „ob“ der Erkennung als die Geschwindigkeit der Validierung und die Qualität der Telemetrie. Wettbewerber setzen dabei unterschiedliche Schwerpunkte: Zimperium adressiert häufig mobile Endpunkte und Telemetrie-Korrelation, Zscaler ThreatLabz wiederum untersucht stark die Eingangswege, darunter App-Store-Risiken.

Das zeigt sich auch an den konkreten Angriffsmethoden jenseits von BlankBot. PixRevolution wird etwa als Eingriff in das PIX-Zahlungssystem in Brasilien beschrieben, inklusive Live-Beobachtung des Bildschirmgeschehens und dem gezielten Austausch von Empfängerdaten kurz vor dem Transaktionsabschluss. Rokarolla wiederum soll auf zahlreiche Finanz-Apps abzielen und über Webseiten verbreitet werden, die bekannte Browser- oder Social-Branding-Elemente imitieren, um Nutzer zum Installieren zu verleiten. UnregStealer tarnt sich als Chrome-Erweiterung und versucht, Sitzungs-Cookies und Passwörter über scheinbare Sicherheits-Updates abzugreifen. Solche Muster verdeutlichen: Die Angriffsfläche ist nicht nur „die App“, sondern die gesamte Nutzer-Session vom Download bis zur Bestätigung.

Besonders heikel ist zudem, dass bekannte Schutzmechanismen im Google-Play-Umfeld nicht vollständig verhindern, dass schädliche Anwendungen auftauchen. Berichten zufolge identifizierten Analysten von Zscaler ThreatLabz bösartige Apps direkt im Play Store, die zusammen eine hohe Installationszahl erreichten. Darunter wird Anatsa (auch als TeaBot bekannt) als Banking-Trojaner beschrieben, der weltweit zahlreiche Institutionen angreift. Auffällig sind hier Dropper-Ansätze und dynamische Verschlüsselungsschlüssel, die die Entdeckung verlangsamen können. Der strategische Punkt für Banken und Enterprises: Wenn der Eingang über App-Stores gelingt, müssen Risk-Modelle stärker an Nutzerverhalten, Kontobeziehungen und ungewöhnliche Transaktionssequenzen gekoppelt werden, statt ausschließlich auf App-Blocklisten zu vertrauen.

Für Regulatorik und Datenschutz verschiebt sich der Fokus ebenfalls. Screen-Recording, Keylogging und das Abgreifen von SMS-Codes oder Session-Daten berühren zwangsläufig sensible personenbezogene Daten und Sicherheitsinformationen. Daraus folgen Anforderungen an Datenminimierung, Nachvollziehbarkeit und kontrollierte Speicherung von Telemetriedaten in Security-Operationen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an „Privacy by Design“: Wenn Unternehmen zur Erkennung Logdaten auswerten, muss klar sein, welche Datenpunkte verarbeitet werden, wie lange sie gespeichert bleiben und wie Zugriffen begegnet wird. Im Banking-Kontext kommt hinzu, dass zusätzliche Authentifizierung nicht nur Betrug verhindern soll, sondern Angriffe auf die Integrität der Nutzerinteraktion und die Vertraulichkeit von Eingaben technisch abfedern muss.

Android 17 wird in diesem Zusammenhang als Reaktion auf zunehmende Angriffs- und Komplexitätsgrade beschrieben. Genannt werden unter anderem strengere Begrenzungen des Arbeitsspeichers für Anwendungen, explizite Berechtigungen beim Scannen verbundener Geräte sowie schreibgeschützte Code-Pakete, um Manipulationen nach der Installation zu erschweren. Das ist technisch relevant, weil es direkt an den üblichen Ausweichmechanismen vieler Trojaner ansetzt: Wenn dynamische Manipulationen und privilegierte Interaktionen schwerer werden, steigt der Aufwand für Angreifer. Für die Zukunft bedeutet das jedoch keinen Selbstläufer: Kampagnen passen sich an, etwa durch bessere Tarnung oder andere Eintrittspunkte. Unternehmen sollten daher die organisatorische und technische Pipeline stärken: von App-Risiko-Checks über Telemetrie und Anomalieerkennung bis zur schnellen Incident-Response, sobald neue Familien wie BlankBot oder Varianten aus dem Umfeld auftauchen.


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