LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue FakeGit-Kampagne tarnt fast 7.600 GitHub-Repositories als „KI Skills“ und MCP-Server und installiert darüber den Malware-Loader SmartLoader. Besonders brisant: Mit „AgentBaiting“ können Angreifer KI-Agenten sogar ohne direkten Klickpfad in die Falle locken. Das Vorgehen kombiniert kopierte Projekte, täuschend echte READMEs und manipulierte ZIP-Downloads zu einer Kette, die anschließend StealC nachlädt. Security-Teams sollen deshalb vertrauenswürdige Kataloge aufbauen und agentische Workflows vor Rollout in einer Sandbox prüfen.

FakeGit-Kampagne missbraucht 7.600 GitHub-Repositories für SmartLoader
FakeGit-Kampagne missbraucht 7.600 GitHub-Repositories für SmartLoader (Foto: IT BOLTWISE)
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Eine Cybersecurity-Ermittlung zeigt, wie schnell sich typische Social-Engineeringmuster in eine agentenfähige Angriffskette verwandeln lassen: Unter dem Codenamen „FakeGit“ haben Forscher nahezu 7.600 schädliche GitHub-Repositories identifiziert. Mehr als 800 davon geben sich als „AI Skills“ oder als Model Context Protocol (MCP)-Server aus. Das Ziel ist nicht der direkte Systembruch über bekannte Exploit-Ketten, sondern der Missbrauch des Vertrauens, das Nutzer und zunehmend auch KI-Agenten bei öffentlich auffindbaren Artefakten annehmen. Laut dem Bericht wurden die Kampagnen so angelegt, dass SmartLoader per Download ausgeführt wird und danach weitere Payloads wie StealC nachgelagert werden.

Technisch nutzt FakeGit dabei eine mehrstufige Ausführungs- und Vertrauenskette. Die manipulierten Repositories setzen auf kopierte Projekte, Lookalike-Profile und „convincing READMEs“, die den Eindruck normaler Installation und Einrichtung vermitteln. Zentral ist ein ZIP-Archiv, das beim Download in eine LuaJIT-Loader-Kette überleitet. Auf dieser Stufe wird ein obfusziertes Lua-Skript ausgeführt, das SmartLoader ablegt. Von dort aus wird anschließend StealC implementiert, ein Information Stealer, der laut Beschreibung ein breites Spektrum an Daten aus kompromittierten Systemen erfasst. Damit ist das Risiko eng mit dem typischen Paket-/Release-Verhalten rund um GitHub Asset-Downloads verbunden.

Der Kontext zeigt, warum die Branche den Fokus bislang besonders auf trojanisierte MCP-Server gerichtet hat: Bereits in diesem Jahr wurden ähnliche Muster zum Verteilen von SmartLoader und StealC von anderen Akteuren wie Straiker AI sowie Derp.ca gemeldet. FakeGit reiht sich also nicht als völlig neues Muster ein, sondern als skalierende Ausprägung einer bereits beobachteten Klassenlücke. Neu ist vor allem der Begriff „AgentBaiting“: Ein KI-Agent, der nach einem Skill oder MCP-Server sucht, kann in ein bogus Repository laufen, das dann als legitime Dokumentation interpretiert wird. Statt dass ein Mensch einen Link anklickt, „führt“ der Agent die Anleitung weiter und übersetzt dabei den Angriffsplan in automatisches Handeln.

Dass das funktioniert, belegen die Tests der Forscher anhand konkreter Modell-Workflows. Laut dem Bericht waren Anthropic Claude Code, Google Gemini und OpenAI ChatGPT für diese Trickery-Variante anfällig. Das Entscheidende ist nicht nur die Fähigkeit, Inhalte zu lesen, sondern wie agentische Systeme ihre Tool-Entdeckung mit Informationsbeschaffung verknüpfen: Bei geeignetem Such- und Aufgabenprompt können die Modelle Repositorys ausgeben, die wie echte Installationsquellen wirken, ohne dass der Angreifer einen direkten, bösartigen Link übergeben muss. In der Praxis heißt das: Ein ursprünglich für die Social-Engineering-Falle gegenüber Menschen gebautes Setup kann gleichzeitig gegen KI-Agentsummons, -agenten und -Plugins wirken.

Auch die Skalierung macht FakeGit für Unternehmen gefährlich. Von rund 6.600 Profilen entstanden insgesamt etwa 7.600 bösartige Repositories; davon waren gut 800 als Skills oder MCP-Server für verschiedene Einzel- und Enterprise-Nutzungen getarnt. Die Tarnung erstreckte sich von Integrationen wie Gmail und WhatsApp bis hin zu Werkzeugen im Entwicklungs- und Datenkontext, etwa Databricks, Jenkins und Docker-Umfeldern. Bis Juli 2026 soll die Operation über GitHub-Release-Assets in ungefähr 200 Kampagnenrepositories mehr als 14 Millionen Downloads erreicht haben. Solche Downloadzahlen deuten weniger auf „Zufall“, sondern auf passgenaue Namenswahl und Distribution in einem bereits nach KI-Fähigkeiten suchenden Markt.

Aus Marktsicht verstärkt das die ohnehin wachsende Angriffsfläche: Wenn bösartige Skills oder MCP-Server in öffentlichen Registern auftauchen, entsteht eine falsche Legitimitätsannahme. FakeGit soll seine Listings über Plattformen wie LobeHub, Glama, MCP.so und MCP Market verbreitet haben; laut Bericht wurden dabei mehr als 600 Kampagnenlisten in öffentlichen Skill- und MCP-Registries markiert. Die Einordnung ist klar: Je besser der Agenten-Discovery-Mechanismus in den normalen Arbeitsfluss integriert ist, desto höher ist der Anteil „automatischer“ Installationspfade. Damit verschiebt sich das Sicherheitsproblem von „Endpoint ist gepatcht“ hin zu „Agent-Discovery und Vertrauenskette sind abgesichert“.

Security-Teams sollten die Abwehr deshalb als Unterbrechung der Kette denken. Erstens empfiehlt sich, einen Katalog geprüftem Skills, MCP-Servern und Agent-Plugins aufzubauen und neue Fähigkeiten vor einer breiten Bereitstellung in einer Sandbox zu testen. Zweitens sollte die Glaubwürdigkeit nicht nur über den Namen, sondern über Publisher-Identität und Projektkonsistenz verifiziert werden; Lookalikes und kopierte Workflows sind gerade deshalb wirksam, weil sie in gängigen Dokumentationsroutinen plausibel wirken. Drittens braucht es Monitoring für agentische Pfade: Wenn ein Agent den README-Text in Installationsschritte übersetzt und dabei Artefakte aus Release-Assets anstößt, muss das als risikoreicher Verhaltensindikator sichtbar werden.

Für die Zukunft ist „AgentBaiting“ ein Warnsignal, dass KI-gestütztes Suchen und Nutzen künftig genauso steuerbar sein muss wie klassisches Software-Supply-Chain-Management. Der nächste Entwicklungsschritt dürfte weniger in neuen Malware-Familien liegen, sondern in verbesserten Prompt- und Indexierungsmechanismen, die bösartige Repositories noch schneller in relevanten Suchkontexten platzieren. Gleichzeitig entsteht eine klare Chance für Entwicklerorganisationen: Wer Discovery-Prozesse instrumentiert, Signaturen, Publisher-Checks und Ausführungsgrenzen konsequent einzieht, kann agentische Automatisierung sicherer gestalten. Entscheidend wird sein, dass die „letzte Meile“ – vom Agentenfund zur Ausführung – nicht automatisch vertraut, sondern kontrolliert wird.


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