FRANKFURT AM MAIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Bafin verschärft die Aufsicht bei der Geldwäscheprävention und beanstandet bei der Helaba unter anderem Lücken bei der Kundenidentifizierung, veraltete Datenbestände sowie eine unzureichende Transaktionsüberwachung. Für Banken bedeutet das nicht nur zusätzliche Projektarbeit, sondern auch höheren Druck auf Compliance- und IT-Teams. Parallel läuft mit DORA ab Januar 2025 ein neues Regime für die IKT-Governance, das die Personalsuche in den riskanten Schnittstellen beschleunigt. Zusätzlich rückt ESMA die persönliche Verantwortung von Vorständen bei IT-Ausfällen und mangelhafter Umsetzung in den Fokus.

Bafin rügt Helaba: Geldwäsche-Lücken treffen zugleich DORA- und KI-Pflichten
Bafin rügt Helaba: Geldwäsche-Lücken treffen zugleich DORA- und KI-Pflichten (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Nachricht, dass die Bafin die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) wegen Mängeln in der Geldwäscheprävention rügt, wirkt auf den ersten Blick wie ein klassischer Aufsichtsbeschluss. In der Praxis entfaltet sie aber eine deutlich größere Hebelwirkung: Sie zeigt, wie eng heute Geldwäsche-Compliance, Datenqualität, IT-Betrieb und Governance miteinander verzahnt sind. Im genannten Fall geht es konkret um lückenhafte Kundenidentifizierung, veraltete Datenbestände und eine unzureichende Transaktionsüberwachung. Dazu kommt, dass bereits Ende 2025 ein Bußgeld von 20.000 Euro verhängt wurde. Für Frankfurt am Main ist das ein Signal für eine anhaltende Prüfwelle, nicht nur für Einzelfälle.

Technisch betrachtet liegt der Kern des Problems häufig weniger in einzelnen “Regelwerken”, sondern in der Pipeline zwischen Datenaufnahme, Datenhaltung und Entscheidungslogik. Wenn Kundenstammdaten aus Altsystemen nur begrenzt synchronisiert werden oder historische Datensätze nicht rechtzeitig aktualisiert sind, sinkt die Trefferqualität im Screening. Ebenso kritisch ist die Transaktionsüberwachung: Ohne robuste Ereignis-Taxonomie, klare Schwellwerte und eine nachvollziehbare Modell- bzw. Regelhistorie wird aus “Überwachung” schnell “Reaktionsfähigkeit nach Gefühl”. Gerade Banken mit heterogenen Kernbankensystemen und mehreren Datenquellen stoßen hier an Grenzen, weil Governance-Fragen in der Umsetzung von Datenflüssen sofort in der Fachabteilung landen.

Der regulatorische Rahmen verschiebt sich parallel zu diesen operativen Themen. Seit Januar 2025 gilt die DORA-Verordnung (Digital Operational Resilience Act), die Finanzunternehmen auf neue HR- und Kontrollprozesse zwingt. Dazu zählen Fit-&-Proper-Prüfungen für IKT-Personal sowie laufende Screenings von Mitarbeitenden und externen Dienstleistern. Das wirkt wie ein Verstärker für die bereits harte Geldwäscheaufsicht: Wer DORA ernst nimmt, muss personelle Rollen, Verantwortungslinien und dokumentierte Prüfpfade nachweisbar machen. Laut Input wird zudem ein aktueller ESMA-Bericht als Referenz genannt, der die persönliche Haftung von Vorständen bei IT-Ausfällen und bei mangelhafter DORA-Umsetzung betont; bereits mehr als 3.300 IKT-Vorfälle seien gemeldet worden, wobei Erstmeldungen innerhalb von 24 Stunden erfolgen müssen.

Für den Markt bedeutet das einen spürbaren Wettbewerb um die gleichen Profile: Compliance-Teams brauchen Risikoexperten, die sowohl regulatorische Anforderungen als auch technische Kontrollen verstehen. Im Input wird deshalb explizit auf die hohe Nachfrage nach (Senior) Managern für Kapitalmarkt-Compliance und Crypto Assets verwiesen, ergänzt um Spezialisten für das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) in internationalen Beratungskonstellationen sowie Investmentbanken. Wettbewerber wie Deutsche Bank oder Commerzbank dürften aus ähnlichen Gründen ebenfalls verstärkt nach Fachkräften suchen, weil die Anforderungen über Geldwäsche hinausreichen: Ob Meldewege, Monitoring-Workflows oder Entscheidungsdokumentation, überall wird “Nachvollziehbarkeit” zur Zahlungsbereitschaft der Organisation. Damit wächst die Bedeutung von Migrations- und Kontrollprojekten im Mittelstand wie in der Enterprise-Bank.

Daneben entsteht eine zweite, unerwartet starke Sogwirkung: Die Rüstungsindustrie entwickelt sich zum Jobmotor, weil Exportkontrolle, Industriespionage-Prävention und Dual-Use-Risiken laufend zusätzliche juristische und compliance-nahe Kapazitäten benötigen. Im Input werden konkrete Wachstumszahlen genannt: Rheinmetall will 2026 weltweit 5.000 neue Mitarbeitende einstellen, Hensoldt schafft rund 1.600 Stellen (davon 60 in Führungspositionen). KNDS sucht unter anderem Compliance-Personal in München; auch OroraTech meldet Vakanzen für Senior Compliance Manager mit Schwerpunkt Export Control. Der technische Hintergrund dahinter ist derweil klar: Compliance entscheidet häufig über Datenzugriff, Klassifizierung von Gütern und die korrekte Einordnung von Technologie in Genehmigungsketten.

Damit verschiebt sich auch die Form der “Risikoarbeit”. Politische Warnungen vor Dual-Use-Risiken, etwa bei Kooperationen mit Akteuren aus China oder Russland, werden im Input als Bezugspunkt genannt – besonders im Umfeld von Drohnen, KI und Hyperschalltechnologie. Für Unternehmen heißt das: Compliance-Abteilungen müssen prüfen, ob zivile Forschung oder Entwicklung in Richtung militärischer Nutzung umgelenkt werden kann. Die Aufgabe ist dabei nicht nur juristisch, sondern operational: Wer Daten und Entwicklungsartefakte klassifiziert, muss anschließend auch kontrollieren, wie sie in Lieferketten, Dienstleisterportfolios und IT-Workflows weiterverarbeitet werden. Fehler bei der Güterprüfung können teuer werden, weil falsche Einstufungen in Exportgenehmigungen, Verträgen oder Monitoring-Prozessen schnell in rechtliche Konsequenzen führen.

Ein weiterer Hebel kommt aus dem Umgang mit Künstlicher Intelligenz selbst. Während DORA primär die IKT-Resilienz adressiert, drängt die Kombination mit neuen Pflichten rund um KI-Entwicklung und -Governance die Unternehmen zu strukturierter Planung: Rollen für Modellrisiken, Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen und Sicherheitskontrollen rücken in den Vordergrund. Im Input wird zudem ein “Überblick” zu EU AI Act-Fristen und Risikoklassen erwähnt; unabhängig von der konkreten Ausgestaltung führt die Zielrichtung praktisch zu ähnlichen Anforderungen wie bei Geldwäsche: Datenflüsse müssen sauber sein, Dokumentation muss regulatorischen Audits standhalten, und technische Kontrollen müssen auch in der Betriebspraxis funktionieren. Der Fachkräftemarkt reagiert entsprechend, weil diese Übersetzung zwischen Recht und Technik schwer automatisierbar ist.

Für die nächsten 12 bis 24 Monate ist die wahrscheinlichste Entwicklung, dass Unternehmen ihre Compliance-Architektur stärker “eventgetrieben” aufsetzen: nicht nur Regeln bereithalten, sondern Überwachung, Alarmierung, Prüfung und Eskalation so gestalten, dass Erstmeldungen innerhalb von 24 Stunden möglich werden und Prüfpfade revisionssicher bleiben. Ebenso dürften DORA-nahe HR-Prozesse mit bestehenden Compliance-Trainings verzahnt werden, damit Fit-&-Proper-Prüfungen nicht als Einmalprojekt enden. Gleichzeitig wird die Verfügbarkeit von Talenten zum Engpass: Wer sowohl Kapitalmarkt- als auch Export- und IT-Resilienz-Themen abdecken kann, hat deutliche Vorteile in der Organisation. Unternehmen sollten daher jetzt Rollenprofile, Daten- und Kontrollverantwortung sowie Prüfzyklen synchronisieren, um nicht nur Bußgelder zu vermeiden, sondern auch Projektlaufzeiten zu verkürzen.


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