BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Haushalte müssen 2027 womöglich mit einer spürbar geringeren Entlastung bei den Netzentgelten rechnen. Hintergrund ist ein geplanter Rückgang des staatlichen Zuschusses zu den Übertragungsnetzkosten von 6,5 Milliarden Euro auf rund 5,5 Milliarden Euro. Da die Netzentgelte etwa ein Viertel des Strompreises ausmachen, wirkt jede Kürzung über mehrere Preisbestandteile bis an die Endabrechnung durch. Entscheidend wird, wie die konkreten Netzentgelte und die übrigen Kostenblöcke im Jahr 2027 ausfallen.

Strompreise 2027: Geringerer Zuschuss drückt Entlastung bei Netzentgelten
Strompreise 2027: Geringerer Zuschuss drückt Entlastung bei Netzentgelten (Foto: IT BOLTWISE)
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Im kommenden Jahr verschiebt sich der Strompreis in Deutschland erneut an einer Stelle, die für viele Verbraucherinnen und Verbraucher zunächst nach „juristischem Kleingedruckten“ klingt: den Netzentgelten. Der Auslöser liegt im Bundeshaushalt. Nach dem Regierungsentwurf zum Wirtschaftsplan des Klima- und Transformationsfonds (KTF) soll der Zuschuss zu den Übertragungsnetzkosten 2027 auf rund 5,5 Milliarden Euro sinken. Das ist weniger als in diesem Jahr, in dem 6,5 Milliarden Euro eingeplant waren. Die Kürzung beträgt damit fast 15 Prozent, und sie trifft genau den Preisblock, der nicht nur Netzbetreiber betrifft, sondern direkt in die Stromrechnung wandert.

Für die Preiswirkung ist die Größenordnung entscheidend: Netzentgelte machen etwa ein Viertel des Strompreises aus. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) rechnet deshalb damit, dass die Entlastung bei den Netzentgelten 2027 wegen des geringeren Volumens etwas schwächer ausfallen dürfte als 2026. Gleichzeitig betont der Verband, dass die tatsächliche Entwicklung im Einzelfall erst feststeht, wenn die konkreten Netzentgelte berechnet wurden und die übrigen Preisbestandteile ebenfalls vorliegen. Das ist technisch und buchhalterisch wichtig: Die Zuschüsse wirken zwar preisdämpfend, doch die Höhe der Netzentgelte entsteht aus mehreren Kostentreibern wie Investitions- und Betriebskosten sowie Parametern rund um das Engpassmanagement.

Wie sich das in Cent pro Kilowattstunde übersetzt, hat ein Vergleichsportal über eine einfache, gut nachvollziehbare Rechenlogik verdeutlicht. Ausgangspunkt ist der Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro für 2026: Dadurch seien die durchschnittlichen Niederspannungsnetzentgelte für Haushalte um rund 1,7 Cent pro Kilowattstunde netto gesunken. Fällt beim Zuschuss 2027 eine Milliarde Euro weg, erwartet das Portal eine Erhöhung um etwa 0,25 Cent netto pro Kilowattstunde. Auf den ersten Blick wirkt das klein, aber es liegt bereits im Bereich der Veränderungen, die Haushaltsbudgets sichtbar machen können. In der Modellrechnung entspricht das etwa einem Anstieg der durchschnittlichen Stromnetzgebühren für Haushalte um rund 3 Prozent und führt dazu, dass die durchschnittlichen Strompreise voraussichtlich um rund 1 Prozent ansteigen.

Diese Differenz lässt sich auch über Beispielhaushalte greifen. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit 4.000 kWh Jahresverbrauch lägen die Mehrkosten demnach bei rund 12 Euro. Paare mit 2.800 kWh müssten mit etwa 8 Euro mehr rechnen, während bei einem Single-Haushalt mit 1.500 kWh rund 5 Euro mehr anfallen würden. Gleichzeitig weisen Marktakteure darauf hin, dass die Rechnung regional abweichen kann. So machte ein Energieexperte eines Vergleichsportals deutlich, dass Wohnortunterschiede eine Rolle spielen: Netze, in denen selbst viel Strom erzeugt wird, sind weniger von den übertragungsgetriebenen Zuschusseffekten abhängig. Dort kommt weniger Mehrbelastung an, weil die lokale Erzeugung die Transportströme und damit die Verknüpfung zum Übertragungssegment verändert.

Technisch betrachtet sind Netzentgelte die Summe dafür, dass Strom fließt: Netzbetreiber finanzieren damit vor allem Betrieb, Wartung und Netzausbau. Dass die Entgelte in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind, hängt vor allem mit den hohen Kosten für den Ausbau zusammen. Im Zuge der Energiewende werden tausende Kilometer neuer Stromleitungen benötigt, damit Windstrom aus Regionen mit hoher Produktion in große Verbrauchszentren transportiert werden kann. Gerade diese Verknüpfung macht die Kostenentwicklung langfristig: Einmal ausgerollte Infrastruktur wirkt über Jahrzehnte, während sich Kostenmechanismen und politische Rahmensetzungen fortlaufend ändern. Für Unternehmen bleibt zudem relevant, dass der Effekt des staatlichen Zuschusses nicht pauschal auf alle Gruppen gleich ist. BDEW-Angaben zufolge wirkt die Entlastung zunächst in den Übertragungsnetzen und wird anschließend über nachgelagerte Verteilnetze weitergegeben; wie stark das geschieht, hängt regionalspezifisch davon ab, und auch Kapitalkosten für den Netzausbau sowie Faktoren des Engpassmanagements spielen hinein.

Die Debatte um die Zuschüsse ist allerdings nicht die einzige Stellschraube. Mehr als die reinen Netzentgelte entfallen auf Steuern, Abgaben und Umlagen, die im Durchschnitt zusammen rund 34 Prozent des Strompreises ausmachen. Für eine direkt preissenkende Wirkung nennt der BDEW eine mögliche Senkung der Stromsteuer für alle Verbraucher auf das europäische Mindestmaß von 0,1 Cent pro Kilowattstunde. Aktuell liegt sie bei 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Forderungen nach einer Senkung existieren seit längerem, doch im Kontext der sinkenden Übertragungszuschüsse bekommt die Frage neue Dringlichkeit: Wenn bei den Netzentgelten weniger Entlastung ankommt, kann eine Veränderung bei Steuern und Abgaben den Gesamteffekt entweder abfangen oder verstärken.

Auch für die zeitliche Planung ist das Thema klar getaktet. Erste Informationen zu 2027 sollen über vorläufige Netzentgelte bereitgestellt werden: Laut Angaben einer Sprecherin eines Übertragungsnetzbetreibers sollten die vorläufigen Netzentgelte für 2027 am 1. Oktober veröffentlicht werden. Gleichzeitig verwies die Unternehmensseite darauf, dass eine belastbare Prognose zur Höhe der Netzentgelte derzeit nicht möglich sei, weil viele Faktoren hineinspielen. In der Industrie wächst währenddessen die Sorge, dass staatliche Eingriffe nicht stabil genug sind. Kritisch äußerte sich die Wirtschaftsvereinigung Stahl: Der geplante Einschnitt stelle eine gerade wieder zurückgenommene Entlastung erneut infrage. Für die Stahlindustrie drohten dadurch zusätzliche Netzkosten von rund 50 Millionen Euro pro Jahr, also ein Anstieg um rund 20 Prozent. Aus der Branche wird zudem die Forderung nach verlässlicher Verstetigung formuliert: Wenn der Zuschuss nur temporär wirkt, verschiebt sich das Risiko von politischen Planungen in Richtung Investitions- und Kalkulationsentscheidungen der energieintensiven Betriebe.

Unterm Strich zeigt sich, wie eng Haushalts- und Industriepreise mittlerweile miteinander gekoppelt sind – zumindest über die gleichen Netz- und Kostentreiber. Die geplante Kürzung des Übertragungszuschusses wirkt nicht isoliert, sondern in einem Preisumfeld, in dem Netzausbau, Kapitalkosten, Engpassmanagement und Steueranteile parallel entscheiden. Für die Stromkunden bedeutet das vor allem eins: Die nächste Abrechnungsrunde wird noch genauer darauf schauen müssen, wie sich die einzelnen Kostenblöcke im Jahr 2027 zusammensetzen. Für Unternehmen ist die technische und finanzielle Planbarkeit der Netzentgelte damit nicht nur eine Frage der Energiepolitik, sondern auch der betrieblichen Resilienz gegenüber Preisschwankungen.


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