VATICAN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Sicherheitslücke in der Gebets-App „Click to Pray“ hat laut Ermittlungen Angreifern Zugriff auf Daten von rund 700.000 Nutzer: innen ermöglicht. Die Ursache wird als Fehler in der Zugriffskontrolle beschrieben, bei dem sich Datensätze über eine numerische Nutzer-ID abrufen ließen. Zusätzlich gab es Probleme im Registrierungs- und E-Mail-Workflow, die das Ausspielen von Phishing-Kampagnen begünstigen. Auch nach der Meldung an die Betreiber dauerte es offenbar Monate, bis der Vorfall öffentlich wurde.

Die Gebets-App „Click to Pray“ steht wegen einer Sicherheitslücke im Fokus, die Angreifern offenbar Zugriff auf personenbezogene Daten zahlreicher Nutzer: innen verschafft hat. Im Zentrum der Berichterstattung steht dabei eine Plattform-Schwachstelle, die laut den Angaben im Umfeld der Entdeckung in den vergangenen Monaten den Abruf von Daten für Konten Dritter über eine Schnittstelle der App erlaubte. Betroffen seien demnach rund 700.000 Nutzer: innen; genannt werden dabei sowohl Inhalte aus dem Nutzerprofil als auch Metadaten zur Rolle in der App.
Technisch wird die Ursache als Insecure Direct Object Reference (IDOR) eingeordnet. Bei solchen Fehlern implementieren Anwendungen die Zugriffskontrolle zwar scheinbar „logisch“, prüfen jedoch nicht konsequent, ob eine anfragende Instanz tatsächlich berechtigt ist, auf ein konkretes Objekt zuzugreifen. Im vorliegenden Fall soll sich der Zugriff auf Datensätze beliebiger Konten anhand einer numerischen Nutzer: innen-ID realisieren lassen, ohne dass zusätzliche, an die Berechtigung gebundene Rechte erforderlich waren. Genau diese Kombination – vorhersagbare Objektkennungen plus fehlende Autorisierung auf Applikationsebene – gilt in Sicherheitskreisen als typischer Weg, um aus einer scheinbar harmlosen API-Funktion eine Datenabfluss-Strecke zu machen.
Die gestohlenen oder auslesbaren Informationen sind für Angreifer besonders praktisch, weil sie sich direkt für zielgerichteten Social Engineering-Einsatz nutzen lassen. Genannt werden beispielsweise E-Mail-Adresse, Vor- und Nachname, Geburtsdatum sowie die Rolle der Nutzer: innen in der App. Solche Merkmale helfen, Phishing-Nachrichten plausibel zu personalisieren, etwa indem Absender Betreffzeilen, Anreden oder Inhalte an typische Muster anpassen, die zu den Profilen passen. Laut der beschriebenen Bewertung ist zudem ein Teil der Nutzerbasis eher älter und weniger vertraut mit digitalen Sicherheitsdetails – ein Faktor, der die Wirksamkeit von Betrugsversuchen in der Praxis spürbar erhöhen kann.
Nicht nur die IDOR-Lücke, sondern auch zwei weitere Mängel im Authentifizierungs- und Registrierungsprozess werden als problematisch beschrieben. Beim Registrierungsablauf soll der Bestätigungscode für die E-Mail-Verifizierung direkt über eine Serverantwort ausgegeben worden sein. Dadurch sei eine Verifizierung auch dann möglich gewesen, wenn die anzugebende E-Mail-Adresse selbst nicht kontrolliert wird. Zusätzlich wird ein Fehler in der E-Mail-Zustellung erwähnt: Die App habe offenbar E-Mails fehlerhaft authentifiziert, sodass gängige E-Mail-Programme die Nachrichten eher als potenziell gefälscht einstuften. Für Empfänger: innen ist das gleich doppelt relevant: Sie erhalten weniger Vertrauen in legitime Benachrichtigungen, und Angreifer gewinnen gleichzeitig ein „Deck“ für nachgeahmte Nachrichten, die sich dadurch kaum unterscheiden lassen.
Die Zeitachse der Entdeckung zeigt außerdem, wie lange Sicherheitsprobleme in der Realität zwischen Meldung und Bearbeitung liegen können. Dem Bericht zufolge wurde die Schwachstelle zunächst an die Betreiber gemeldet, danach sei jedoch monatelang offenbar keine sichtbare Reaktion erfolgt. Erst im Juli 2026 sei die Recherche öffentlich über ein Portal zur Sicherheitsberichterstattung veröffentlicht worden. Auch eine Presseanfrage an das Gebetsnetzwerk sei demnach unbeantwortet geblieben, während parallel bereits die betroffene Schnittstelle stillschweigend behoben worden sein soll.
Für Unternehmen und App-Teams ist der Fall vor allem als Reminder für die praktische Umsetzung von Zugriffskontrollen zu verstehen. IDOR-Schwächen entstehen häufig dort, wo Entwicklerinnen und Entwickler sich zu sehr auf „korrekte Eingaben“ verlassen oder Autorisierungsschritte nur teilweise implementieren – etwa wenn eine API zwar Daten liefert, aber keine serverseitige Prüfung der Berechtigung für jede einzelne Anfrage durchführt. In der Enterprise-Praxis lässt sich das Risiko typischerweise mit klaren Autorisierungsregeln pro Endpunkt, konsequentem Server-Side-Authorization-Checking und Tests gegen Objekt-ID-Manipulation adressieren. Daneben zeigt der App-Vorfall, wie wichtig eine saubere Zustell- und Authentifizierungsstrategie bei E-Mail-Workflows ist, weil bereits die Zustellbarkeit und Einstufung durch Mail-Clients darüber entscheidet, ob Sicherheitsmechanismen im Alltag wirken oder Angriffsflächen für Betrug öffnen.
Aus Sicht des weiteren Risikomanagements bleibt allerdings eine offene Frage, wie stark Konten bereits vor der stillschweigenden Korrektur missbraucht oder gezielt für Kampagnen vorbereitet wurden. Wenn E-Mail-Adressen und Profilattribute auslesbar sind, kann sich der Schaden im Extremfall über verschiedene Kampagnenformen verteilen, selbst nachdem die Lücke geschlossen ist. Für Nutzer: innen bedeutet das in der Regel, dass verdächtige Nachrichten noch strenger zu prüfen sind und dass Sicherheits- und E-Mail-Einstellungen regelmäßig überprüft werden sollten. Für die Betreiber wiederum ist entscheidend, dass neben dem „Fix“ auch die gesamte Kette aus Registrierung, Verifizierung, Autorisierung und Zustellung durchgehend auditierbar gemacht wird – denn mehrere kleine Brüche im Prozess können zusammen genau die Art von Angriff ermöglichen, die hier beschrieben wird.
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