LONDON (IT BOLTWISE) – Eine große Langzeitstudie verknüpft die Reaktion eines Kinderhirns auf emotionale Gesichter mit sozialen Mustern im Teenageralter. Besonders die Amygdala-Aktivität zeigte dabei einen Zusammenhang mit späteren Profilen der sozialen Einbindung. Die Richtung dieses Effekts unterscheidet sich jedoch bei Mädchen und Jungen deutlich. Zusätzlich deuten weitere Hirnareale auf Risiken wie Aggression und Mobbing-Erfahrungen hin.

Die Art, wie ein Kind emotionale Gesichter verarbeitet, könnte sich später in den Mustern seiner Freundschaften widerspiegeln. In einer aktuellen Veröffentlichung im Journal Developmental Cognitive Neuroscience wird genau diese Brücke zwischen früher Gehirnaktivität und späterer „social health“ hergestellt. Gemeint ist damit nicht nur, wie viele Freunde jemand hat, sondern ob die sozialen Beziehungen genügend Halt geben und gleichzeitig die typischen Belastungsfaktoren wie Aggression oder Mobbing im Gleichgewicht bleiben.
Technisch knüpft die Studie an das Konzept des „social brain“ an: Das Gehirn verfügt über Regionen und Netzwerke, die zusammenarbeiten, um soziale Signale zu deuten und Handlungen in sozialen Situationen zu planen. Gerade in der frühen Adoleszenz ändern sich diese Systeme stark, etwa weil Wahrnehmung, Emotionsverarbeitung und das Bewerten sozialer Reize neu justiert werden. Um diesen Entwicklungszustand messbar zu machen, nutzten die Forschenden funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRI), bei der die Verteilung des Blutflusses als Proxy dafür dient, welche Areale in einer Aufgabe besonders aktiv sind.
Für die Analysen wurden Daten von 5.832 Jugendlichen aus der Adolescent Brain Cognitive Development Study herangezogen. Die Gehirnaufnahmen entstanden, als die Teilnehmenden etwa zwischen acht und elf Jahre alt waren, während sie in der fMRI-Maschine einen visuellen Task bearbeiteten: Sie sahen bildliche Stimuli von Orten, Gesichter ohne Emotion und Gesichter mit klar erkennbaren emotionalen Ausdrücken. Zwei Jahre später, als die Jugendlichen ungefähr zehn bis dreizehn Jahre alt waren, folgten mehrere Fragebögen zu ihrem sozialen Leben. Darin wurden sowohl die Anzahl der engen Freunde als auch die Zahl der allgemeinen Freunde erfasst, außerdem wurde nach Peer-Support, körperlicher und relationaler Aggression, Bullying sowie nach Regelbruch- und positiven Peers gefragt.
Die zentrale Auswertung nutzte eine statistische Methode namens „latent profile analysis“. Damit ordnet man Individuen nicht nach einer einzelnen Kennzahl zu, sondern gruppiert nach gemeinsamen Mustern über viele Variablen hinweg. Auf Basis der Antworten ergaben sich drei soziale Profile: Ein größeres Segment (rund 53 Prozent) wurde als „selective“ beschrieben, mit kleineren Freundeskreisen, aber im Rahmen typischer Bevölkerungswerte. Etwa 34 Prozent fielen in ein „robust“ bezeichnetes Profil, das sich durch besonders viele Freunde, viele enge Kontakte und viele unterstützende Peers auszeichnete. Das kleinere, aber besonders relevante Segment (etwa 13 Prozent) erhielt die Bezeichnung „concerning“: Hier lagen die höchsten Werte für Aggression, Viktimisierung und Freundschaften mit regelbrechenden Gleichaltrigen.
Beim Vergleich der frühen Bildgebung mit den späteren Profilen zeigte sich eine klare Hauptrolle der Amygdala. Die Forschenden berichten, dass dieses Areal als einzige untersuchte Hirnregion statistisch signifikant vorhersagte, welches allgemeine soziale Profil ein Jugendlicher zwei Jahre später eher zeigen würde. Entscheidend war die Aktivität der Amygdala bei emotionalen Gesichtern im Verhältnis zu neutralen Gesichtern – und hier kommt der auffälligste Befund: Für Mädchen hing eine höhere Amygdala-Aktivität tendenziell mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zusammen, im „robust“ oder im „concerning“ Profil zu landen. Für beide Profile ist dabei „hohe Peer-Verbindung“ das verbindende Element, auch wenn sie qualitativ sehr unterschiedlich ausfallen kann: Sie reicht von unterstützenden Interaktionen bis hin zu Konflikten. Bei Jungen lief das Muster dagegen in die entgegengesetzte Richtung: Höhere Amygdala-Aktivierung ging eher mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für die stark vernetzten Profile einher und schob sie stattdessen in das isoliertere „selective“-Profil.
Über das Gesamtprofil hinaus ergänzten die Forschenden explorative Tests zu einzelnen sozialen Ergebnissen. Dabei wurden unter anderem Regionen betrachtet, die mit dem Verstehen der Gedanken anderer in Verbindung gebracht werden, etwa der superior temporal sulcus und die temporoparietal junction; niedrigere Aktivität in diesen Bereichen ging dabei mit höheren Aggressionswerten einher. Zusätzlich wurde ein Areal untersucht, das mit dem Antizipieren sozialer Bewertung assoziiert ist, die medial orbitofrontal cortex. Höhere Aktivität dort sagte mehr Erfahrungen mit Viktimisierung durch Peers voraus und wird als Hinweis darauf diskutiert, dass eine hohe neuronale Sensibilität für soziale Bewertung mit einer erhöhten Verletzlichkeit für Bullying zusammenhängen könnte. Gerade diese Kombination aus „gesamtsozialer Einbindung“ über Profile hinweg und „spezifischen Risikodimensionen“ macht die Studie für die weitere Forschung interessant, weil sie nicht bei einer einzelnen Kennzahl stehen bleibt.
Gleichzeitig ist Vorsicht bei der Interpretation angebracht. Die fMRI-Aufgabe wurde ursprünglich eher für Arbeitsgedächtnis-Tests konzipiert und bildet soziale und emotionale Verarbeitung möglicherweise nicht perfekt in allen relevanten Netzwerken ab. Auch die Fragebögen sind nicht eigens als ein durchgängiges Instrument zur Messung von „social health“ entwickelt worden, sondern erfassen mehrere Komponenten, aus denen das Konzept erst zusammengesetzt werden muss. Dazu kommt die Praxisgrenze der Bildgebung: Nur Teilnehmende, die während der Aufnahme zuverlässig still bleiben konnten, lieferten verwertbare Daten. Außerdem wurden biologische Veränderungen wie der Pubertätsbeginn nicht fortlaufend erfasst, obwohl Pubertät Gehirnentwicklung und soziale Muster stark beeinflusst und bei Mädchen und Jungen zeitlich unterschiedlich auftreten kann. Für Anwendungen im Alltag heißt das: Die Ergebnisse sind vor allem eine wissenschaftliche Annäherung an Mechanismen – noch kein Diagnoseinstrument. Trotzdem liefern die Befunde einen konkreten Ansatzpunkt für künftige Studien, die frühere Gehirnmarker, soziale Umgebung und Entwicklungsbiologie über längere Zeiträume gemeinsam betrachten.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- NIEDLICHER BEGLEITER: Eilik ist der ideale Begleiter für Kinder und Erwachsene, die Haustiere, Spiele und intelligente Roboter lieben. Mit vielen Emotionen, Bewegungen und interaktiven Funktionen.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Studie zu sozialem Gehirn: Amygdala-Aktivität sagt Freundschaftsverläufe voraus" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Studie zu sozialem Gehirn: Amygdala-Aktivität sagt Freundschaftsverläufe voraus" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Studie zu sozialem Gehirn: Amygdala-Aktivität sagt Freundschaftsverläufe voraus« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!