LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Robotik-Startup aus San Francisco wird mit einer Sammelklage konfrontiert. Ehemalige Vertragskräfte werfen dem Unternehmen Botco vor, angeblich Überstunden nicht vergütet, Auslagen nicht erstattet und bei Kündigungen keine Zahlungen geleistet zu haben. Die Klage zielt auf die Einrichtung eines Rückzahlungsfonds für Betroffene. Parallel steht das Unternehmen bereits in der Kritik wegen eines weiteren Vorfalls rund um ein gemietetes Apartment als Testumgebung.

Das Umfeld für Robotik-Startups ist in den vergangenen Jahren nicht nur technisch anspruchsvoller geworden, sondern auch organisatorisch und rechtlich riskanter. Im Fall des in San Francisco ansässigen Unternehmens Botco, das auch als „Bot Company“ auftritt, verdichten sich die Belastungen: Nach einer lokalen Kontroverse um die Nutzung eines Airbnb als scheinbare Testumgebung steht nun eine Sammelklage im Raum, die ehemalige Vertragskräfte betrifft. Die Klage wurde ursprünglich im April vor dem San Francisco Superior Court eingereicht und erhielt am 29. Juni den Status als Sammelklage, nachdem weitere ehemalige Botco-Arbeitnehmer einer neuen Beschwerde beigetreten waren.
Im Kern geht es um arbeitsbezogene Ansprüche, die in der Klageschrift als nicht erfüllt dargestellt werden. Ehemalige Vertragspartner sollen demnach mutmaßlich keine (oder nicht vollständig) vergüteten Überstunden erhalten haben, außerdem angeblich keine Erstattungen für Ausgaben und zudem Forderungen nach angeblich fehlender Bereitstellung von arbeitsfreien Pausen. Auch bei Beendigungen wird mutmaßlich ein Anspruch auf termination pay geltend gemacht. Laut der Klageschrift richtet sich die Sammelklage gegen Botco selbst sowie gegen mehrere vertraglich eingebundene Agenturen; als Kläger werden dort vier ehemalige Personen genannt, während für Kalifornien von „hunderten“ Betroffenen ausgegangen wird.
Für die juristische und betriebliche Einordnung ist dabei entscheidend, wie die Schätzung der potenziellen Klassenmitglieder zustande kommt. Laut Klage wird die Zahl „substanziell“ größer, wenn man Fluktuation in den vergangenen vier Jahren einbezieht. Zugleich gibt es laut dem Text der Klage keine festgelegte Schadenssumme, was in der Praxis bedeutet, dass zunächst ein Mechanismus zur Ermittlung und Auszahlung im Vordergrund steht. Statt einer einzelnen pauschalen Gesamtsumme beschreibt die Klage das Ziel, einen Recovery Fund aufzubauen, aus dem Kläger möglicherweise Rückzahlungen, restitution sowie weitere potenziell geschuldete Schäden erhalten sollen.
Die neue arbeitsrechtliche Auseinandersetzung fällt zeitlich eng mit einem zweiten Verfahren zusammen, das bereits zuvor für Aufmerksamkeit sorgte. In einer anderen San-Francisco-Klage wird dem Unternehmen vorgeworfen, mehr als 12.000 US-Dollar Schaden verursacht zu haben, nachdem angeblich ein Airbnb als eine Art „Make-shift“ Robotik-Testlabor genutzt worden sei. Laut Aussagen des Mieters Sean Donovan, wie sie in dem berichteten Text wiedergegeben werden, habe er umfangreiche Verkabelung in seinem Portola-Heim gesehen und sogar eine Art „Roomba mit treads“ auf dem Esstisch wahrgenommen. Zusätzlich wird in dem Zusammenhang behauptet, es seien Möbel und Familienerbstücke beschädigt worden und es seien auch persönliche Gegenstände aus einem verschlossenen Schrank entnommen worden.
Technisch betrachtet zeigt gerade diese zweite Geschichte, wie schnell sich „Prototyping“ im Alltag von Robotikprojekten in Grauzonen bewegen kann. Wenn mobile Systeme oder Testaufbauten wiederholt in privaten Umgebungen betrieben werden, entstehen Risiken durch Stromversorgung, mechanische Bewegungen und unklare Sicherheitszustände. Berichtet wird zudem, dass Ring-Kameraaufzeichnungen Dutzende Ein- und Ausgänge im Verlauf einer wochenlangen Mietdauer dokumentierten und dass in einem Video Hinweise auf Schichtarbeit erkennbar gewesen sein sollen. In dem Text heißt es außerdem, dass drei mit Botco verbundenen Personen in dem Verfahren vorgeladen wurden, Donovan die Klage jedoch am 8. Juli zurückzog, bevor es zu Aussagen kommen konnte.
Auch personell hängt die Brisanz an der Unternehmenshistorie. Botco gilt als neueste Venture von Kyle Vogt, dem früheren CEO von Cruise, einem Robotaxi-Startup, das als gescheitert beschrieben wird. Die aktuelle Ausrichtung des Unternehmens wird in dem berichteten Material über die eigene Website skizziert: Botco will Roboter entwickeln, die Haushaltsarbeiten übernehmen sollen. Startphase und Timing wirken dabei widersprüchlich: Laut dem berichteten Text behauptet die Sammelklage, Botco habe bereits zwei Jahre vor der vom Gründer angeführten Unternehmensgründung Vertragsarbeit angefragt, was Fragen nach der tatsächlichen Organisations- und Beschäftigungslage aufwirft.
Für die Branche ist das mehr als nur ein Einzelfall. Robotik-Startups sind auf spezialisierte Arbeitskraft angewiesen, häufig in Mischformen aus Festanstellung, Vertragsarbeit und Agenturvermittlung; genau hier entscheiden saubere Prozesse über Lohnabrechnung, Pausenregelungen und Beendigungsmodalitäten. Gleichzeitig zeigt die Parallelität aus Arbeitsrecht und Haftungsfragen im Testbetrieb, dass nicht nur die Navigation im Raum, sondern auch die Governance im Unternehmen über Erfolg und Krisenresilienz mitbestimmt. Dass sowohl Botco als auch die Rechtsvertretungen der beteiligten Agenturen sowie die Anwälte der Kläger nach dem Text nicht auf Anfragen reagierten, lässt die tatsächlichen Sachverhalte offen – klar ist jedoch, dass das rechtliche Verfahren erst einmal die nächste operative Hürde sein dürfte.
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