WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Raiffeisen Bank International weist für das 1. Halbjahr 2026 ein Konzernergebnis von 708 Millionen Euro aus, bereinigt um Russland. Gleichzeitig steigen die Kernerträge um 7% auf 3.255 Millionen Euro. Die Kundenkredite wachsen seit Jahresbeginn um 6% auf 107 Milliarden Euro. Für 2026 hält die Bank einen deutlich positiven Ausblick fest, allerdings ebenfalls ohne den Russland-Fokus.

Raiffeisen Bank International (RBI) liefert mit dem Zwischenbericht 1. Halbjahr 2026 eine Momentaufnahme, die vor allem durch zwei Entscheidungen geprägt ist: Erstens berichtet das Institut seine Kennzahlen ausdrücklich ohne Russland. Zweitens legt es den Schwerpunkt auf operative Treiber wie Kernerträge, Kreditwachstum und Kapitalstärke. Für Unternehmen und Investoren ist das nicht nur eine Bilanzfrage, sondern auch ein Signal, wie stark die Bank ihre Steuerungslogik inzwischen auf ein „isoliertes“ Risikoprofil ausrichtet – also auf eine Darstellung, die sich für Planungs- und Vergleichszwecke eignet, wenn Konzernteile wirtschaftlich nicht mehr identisch behandelbar sind.
Im Kern der Entwicklung steht das Konzernergebnis: Für das 1. Halbjahr 2026 nennt RBI 708 Millionen Euro (ohne Russland). Dazu passt, dass die Kernerträge um 7% auf 3.255 Millionen Euro zulegen. Besonders auffällig ist die Aufteilung entlang der Ergebnisquellen: Der Zinsüberschuss steigt im Vergleich zur Vorjahresbasis auf 2.187 Millionen Euro, während der Provisionsüberschuss auf 1.068 Millionen Euro kommt. Beim Betriebsergebnis weist die Bank 1.592 Millionen Euro aus; das ist der Wert, der nach Kosten und den wichtigsten operativen Ergebnisbestandteilen übrig bleibt. Auch wenn der Bericht selbst viele Tabellenwerte aufführt, bleibt die Erzählung konsistent: Wachstum kommt aus dem Kerngeschäft, nicht aus Einmaleffekten, zumindest soweit es sich aus den dargestellten Posten ableiten lässt.
Daneben zeigt der Bericht, dass das Kreditgeschäft Fahrt aufnimmt. RBI nennt Kundenkredite seit Jahresbeginn mit einem Plus von 6% auf 107 Milliarden Euro (ohne Russland). Auf Managementebene ist das relevant, weil Kreditwachstum in der Regel zwei gegenläufige Effekte gleichzeitig auslöst: mehr Zinserträge, aber auch potenziell höhere Kreditrisikovorsorge. Um diese Balance einzuordnen, liefert die Bank Kennzahlen zur Neubildungsquote: ohne Russland liegt sie im 2. Quartal bei 4 Basispunkten und im 1. Halbjahr bei 20 Basispunkten. Zusätzlich nennt der Zwischenbericht eine NPE Ratio von 1,6% sowie eine NPE Coverage Ratio von 46,9% (jeweils ohne Russland). Diese Werte deuten darauf hin, dass das Institut die Risikokosten im Griff behalten hat – zumindest im Blick auf die im Bericht ausgewiesenen Größen.
Technisch betrachtet, aber mit klarer Managementwirkung, ist auch die Kapitalbasis. RBI weist eine harte Kernkapitalquote von 15,5% (ohne Russland) aus. Für Analysten und Finanzverantwortliche ist das ein zentraler KPI, weil Kapitalquoten die „Tragfähigkeit“ von Wachstum und die Fähigkeit zur Aufnahme künftiger Belastungen beeinflussen. Dazu passt die Angabe zur Eigenmittelquote von 20,2%. Gleichzeitig erwähnt der Bericht konkrete Fortschritte bei den Kosten: Die Verwaltungsaufwendungen werden für das 1. Halbjahr 2026 mit -1.79- (in der Tabelle als negative Größe dargestellt) beziehungsweise als Größenordnung sichtbar, während das Cost/Income-Verhältnis im Verlauf leicht besser wirkt als in der Vergleichsperiode: H1 2026 bei 52,2% gegenüber 53,7% im H1 2025 (jeweils ohne Russland). In der Praxis bedeutet das: Die Bank skaliert Erträge offenbar schneller als Aufwände, was die Profitabilität stabilisieren kann – besonders in einem Umfeld, in dem Kapitalanforderungen und Risikokosten nicht einfach „wegoptimiert“ werden können.
Die Risikoarbeit und die strategische Einschränkung bleiben allerdings im Fokus. Der Bericht kündigt eine weitere Reduzierung des Russlandgeschäfts an und hält fest, dass alle Beschränkungen bestehen bleiben. Das ist weniger eine Marketinglinie als eine Governance-Aussage: Solange einzelne Geschäftsbereiche organisatorisch und bilanziell anders behandelt werden, ist die Vergleichbarkeit gegenüber früheren Berichtszeiträumen eingeschränkt. Zugleich enthält der Ausblick 2026 einen Rahmen, der ebenfalls auf „RBI ohne RU“ basiert. Dort nennt die Bank für 2026 unter anderem einen Zinsüberschuss von über 4,4 Mrd. Euro, einen Provisionsüberschuss von rund 2,2 Mrd. Euro und Verwaltungsaufwendungen von rund 3,8 Mrd. Euro. Ergänzend nennt RBI eine Cost/Income-Ratio von rund 55% sowie eine Neubildungsquote bis zu 35 Basispunkten. Solche Bandbreiten sind für Planungssicherheit wichtig, weil sie die operative Steuerung mit Risikomodellen koppeln.
Weil der Bericht mittelfristig auch Renditeziele kommuniziert, wird der Blick über das Halbjahr hinaus konkret. RBI nennt einen Konzern-Return-on-Equity von rund 9,5% für 2026 (ohne Russland) und strebt mittelfristig mindestens 13% ohne Russland an. Interessant ist dabei der Verweis auf Annahmen: Für die harte Kernkapitalquote nennt der Ausblick rund 14,3% und knüpft das an den Effekt einer Entkonsolidierung der russischen Einheit zum Kurs-Buchwertverhältnis von null. Diese Formulierung ist wichtig, weil sie zeigt, wie stark regulatorische und bilanzielle Strukturentscheidungen in den Finanzzielen „eingepreist“ sein können. Zusätzlich nennt die Bank, dass sie ohne Aufwendungen und Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit Fremdwährungskrediten in Polen kalkuliert. Damit macht der Zwischenbericht den Einfluss potenziell rechtlicher Kosten transparent – nicht als Event-Linie, sondern als Planannahme.
Für die Einordnung in den Marktkontext lohnt außerdem der Blick auf die Rolle der NPE-Kennzahlen und der Neubildungsquote: Wenn Kundenkredite wachsen und Neubildungsquoten moderat bleiben, entsteht häufig der Effekt, dass Kapitalquoten weniger stark durch Kreditrisiken „aufgezehrt“ werden. Genau diesen Zusammenhang versucht RBI in den ausgewiesenen Kennzahlen sichtbar zu machen. Und auch wenn der Bericht ein klassisches Finanzdokument ist, steckt darin für den Technologie- und Organisationsbereich der Bankenindustrie indirekt viel Substanz: Kreditwachstum ohne steigende Risikokosten erfordert in der Regel funktionierende Scoring- und Frühwarnsysteme, saubere Datenflüsse in der Risikosteuerung und eine belastbare Integration der Geschäfts- und Risikosicht. In der Unternehmenspraxis ist das oft der Unterschied zwischen „Ergebnis wächst“ und „Ergebnis wächst nachhaltig“ – und der Zwischenbericht liefert zumindest in der Darstellung die Voraussetzung dafür.
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