LONDON (IT BOLTWISE) – Microsoft warnt vor Angriffen, bei denen eine Hackergruppe Gast-Logins in Hotel- und Flughafennetzwerken für die Verbreitung von Malware nutzt. Über gefälschte Captive-Portal-Seiten sollen Nutzer schädliche Dateien herunterladen und anschließend werden Browser-Cookies, Passwörter und Dokumente abgegriffen. In manchen Fällen bekommen Betroffene Zugriff auf ihr Microsoft-365-Konto, inklusive E-Mail und OneDrive. Die wichtigste Empfehlung lautet: möglichst private Verbindungen nutzen und keine Update-Pop-ups über WLAN-Anmeldungen bestätigen.

Wer im Urlaub oder auf Dienstreise ins Hotel-WLAN geht, achtet meist auf Komfort: Passwort eingeben, Browser öffnen, fertig. Genau an dieser Routine setzt die aktuelle Warnung von Microsoft Threat Intelligence an. Laut Microsoft nutzt die Hackergruppe Storm-2945 Gast-Logins in Hotels und Flughäfen als Einstiegspunkt, um Geräte zu infizieren und danach Nutzerdaten abzugreifen. Der Kern des Vorgehens liegt nicht primär in „zerstörerischer“ WLAN-Sabotage, sondern im Missbrauch von Captive-Portal-Flows, die auf öffentlichen Netzen häufig ohnehin unvermeidbar sind.
Technisch interessant ist dabei, wie die Angreifer die übliche Nutzerinteraktion lenken: Die oft bereitgestellten Gast-Logins, sogenannte Captive Portals, leiten Betroffene auf Seiten um, die das Herunterladen „schädlicher“ Dateien anstoßen sollen. Microsoft beschreibt, dass im Anschluss Schadsoftware auf dem Gerät des Nutzers landet und anschließend Browser-Cookies, Passwörter sowie weitere Inhalte wie Dokumente sammelt. Entscheidend ist: Der Angriff wird dadurch „sozial“ in den Anmeldeprozess eingebettet, wodurch sich ein Teil der typischen Sicherheitsbarrieren von Endgeräten und Browsern umgehen lässt, solange die Nutzer die falschen Aufforderungen als legitime Portal-Interaktion interpretieren.
Noch direkter wird das Risiko, weil die Malware nach Microsoft-Angaben auch Verhaltens- und Inhaltsdaten ausliest: Tastatureingaben, Bildschirmfotos sowie Audio- und Videoaufnahmen, zusätzlich zur Überwachung der Zwischenablage. Das bedeutet in der Praxis, dass selbst scheinbar harmlose Schritte wie das Kopieren von Zugangsdaten in eine Browseroberfläche oder das Ausfüllen von Formularen zur Kompromittierung beitragen können. Ebenso problematisch ist die Fernsteuerung des Geräts aus Sicht der Angreifer; damit wird aus einem anfänglichen „Login-Problem“ ein fortlaufender Zugriffskanal, der sich unabhängig vom Hotelaufenthalt betreiben lässt.
In einer weiteren Variante geht die Gruppe laut Microsoft noch strukturierter vor: Wer versucht, auf ein kompromittiertes Netzwerk zuzugreifen, wird bei bestimmten Fällen auf gefälschte Anmeldeschirme umgeleitet. In diesem Moment kann es den Angaben zufolge gelingen, Zugriff auf das Microsoft-365-Konto des Nutzers zu erlangen. Für viele Betroffene ist dieser Schritt besonders schmerzhaft, weil daraus weitergehender Zugriff auf E-Mails und den Cloud-Speicher OneDrive resultieren kann. Microsoft nennt außerdem Beispiele für gefälschte Fenster, die beim Anmelden auftauchen und Nutzer zum Download von „Systemupdates“ oder „Patches“ drängen sollen.
Auch die Gestaltung der Aufforderungen wird als Angriffsmuster beschrieben: So sollen Nutzer teils dazu gebracht werden, ihren Browser „als Reaktion auf automatisierte Konnektivitätsprüfungen“ zu aktualisieren. Microsoft weist darauf hin, dass diese gefälschten Prüfungen wie typische System- oder Weboberflächen wirken können, etwa mit Texten, die Nutzer sinngemäß bestätigen lassen, dass sie es „sind“, oder sie auffordern, eine Sicherheitsprüfung abzuschließen, um auf Inhalte zuzugreifen. Wer solche Dialoge bestätigt und Dateien installiert, verschafft den Angreifern im Ergebnis einen direkten Hebel für Zugriff und Fernsteuerung – und genau deshalb wirkt das Ganze in der Endanwenderperspektive oft plausibel, obwohl es technisch eine Abzweigung in einen Betrugs- beziehungsweise Malware-Workflow ist.
Zur Einordnung verweist Microsoft darauf, dass Storm-2945 zu einem Unterableger der Gruppe „Midnight Blizzard“ gehört, die auch als APT29 und „Cozy Bear“ bekannt ist. Microsoft stellt zudem einen Bezug zum russischen Auslandsnachrichtendienst SVR her, die Einordnung bleibt damit ausdrücklich im Rahmen der Microsoft-Erklärung. Für Unternehmen und IT-Security-Teams heißt das: Es geht nicht um einen einmaligen Hotel-spezifischen Ausrutscher, sondern um Taktiken, die in der Infrastruktur öffentlicher Netze wiederverwendbar sind. Entsprechend sollten in der internen Awareness-Kampagne weniger die „Hotelnamen“, sondern der Mechanismus adressiert werden: Captive Portals sind Angriffsflächen, wenn Nutzer Updates oder Sicherheitsprogramme aus ungewöhnlichen Pop-ups annehmen.
Praktisch empfiehlt Microsoft vor allem Vorsicht: Öffentliche Gastnetze an Flughäfen und anderen Orten bleiben ebenfalls potenzielle Ziele. Wenn es geht, sollten Nutzer private Verbindungen nutzen, etwa einen persönlichen Smartphone-Hotspot, statt sich auf Gast-Logins zu verlassen. Daneben betont Microsoft die Skepsis gegenüber Pop-up-Aufforderungen: Das Herunterladen von Software-Updates, Zertifikaten, Netzwerk-Reparaturtools oder Sicherheitsprogrammen, die über Hotel-Logins oder unerwartete Fenster angestoßen werden, sollte vermieden werden. Für IT-Verantwortliche lohnt sich zudem, das Thema in Richtung „Account-Hygiene“ und „Anmeldeschutz“ zu übersetzen: Denn selbst wenn der Einstieg über ein Gast-WLAN passiert, entscheiden oft die darauf folgenden Kontrollen darüber, ob es beim einmaligen Klick bleibt oder ob sich Angreifer in Microsoft-365-Kontexte durchschlagen.
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