KÖLN / LONDON (IT BOLTWISE) – Scherzer & Co. AG hat das erste Halbjahr 2026 nach vorläufigen Zahlen mit einem höheren Gewinn abgeschlossen. Das EBIT steigt auf 4,4 Mio. Euro nach 3,2 Mio. Euro im Vorjahr, während das EBT auf 5,7 Mio. Euro (3,1 Mio. Euro) klettert. Besonders treiben vereinnahmte Dividenden, realisierte Kursgewinne und Zuschreibungen auf den Wertpapierbestand das Ergebnis. Zugleich liegt der Net Asset Value zum 31. Juli 2026 bei 3,50 Euro je Aktie und damit 4,7% über dem Jahresultimowert 2025 (3,39 Euro).

Das erste Halbjahr 2026 zeichnet bei Scherzer & Co. AG vor allem ein Bild aus Ergebnishebeln aus dem Portfoliogeschäft: Nach vorläufigen Zahlen liegt das EBIT bei 4,4 Mio. Euro nach 3,2 Mio. Euro im Vorjahr. Noch deutlicher fällt der Sprung auf der Ebene des Ergebnisses vor Steuern aus, denn das EBT steigt auf 5,7 Mio. Euro nach 3,1 Mio. Euro. Für Anleger ist das nicht nur eine Frage der absoluten Gewinnhöhe, sondern auch der Qualität der Treiber: Wie die Gesellschaft die Ergebnisbestandteile aufgliedert, zeigt, dass laufende Erträge, Kapitalmarktbewegungen und Bewertungseffekte zusammenwirken.
Bei der Ergebniszusammensetzung nennt das Unternehmen vereinnahmte Dividenden in Höhe von 3,7 Mio. Euro als wesentlichen Anteil, ergänzt um realisierte Kursgewinne von 2,7 Mio. Euro. Dazu kommen Zuschreibungen auf den Wertpapierbestand von 2,4 Mio. Euro sowie Erlöse aus Nachbesserungen (Generali Deutschland) in Höhe von 2,0 Mio. Euro. Auch der Zinssaldo liefert einen positiven Beitrag: Mit 1,3 Mio. Euro resultiert er im Wesentlichen aus Zinsen auf Nachbesserungen. Gleichzeitig bleibt ein klar negativer Effekt erkennbar, denn das Ergebnis aus Stillhaltergeschäften liegt bei -1,1 Mio. Euro. Unterm Strich wird das Ergebnis also nicht eindimensional „hochgerechnet“, sondern aus mehreren Komponenten speist sich die Performance, wobei der Wertpapierbereich und Nachbesserungsmechanismen sichtbar dominieren.
Technisch-finanzielle Kenngrößen prägen im nächsten Schritt die Einordnung: Der Net Asset Value (NAV) wird als Tageswert der Portfoliopositionen unter Berücksichtigung der Verbindlichkeiten bestimmt. Zum 31. Juli 2026 beträgt der NAV 3,50 Euro je Aktie; Nachbesserungsrechte und gegebenenfalls anfallende Steuern werden in der Portfoliobewertung dabei nicht berücksichtigt. Im Vergleich zum Jahresultimowert 2025 von 3,39 Euro je Aktie unter Einbezug der Dividendenausschüttung von 0,05 Euro je Aktie entspricht das einem Plus von 4,7% im laufenden Geschäftsjahr 2026. Interessant ist dabei der Bewertungsrahmen: Wenn bestimmte Nachbesserungsbestandteile explizit aus der NAV-Berechnung herausfallen, verschiebt sich die „Brücke“ zwischen Buchwert und späterer Realisierung – ein zentraler Punkt für die Interpretation künftiger Halbjahres- und Jahresberichte.
Operativ wird zudem sichtbar, warum das Management von Scherzer & Co. AG häufig stark auf Sondersituationen und Corporate Actions schaut: Die zehn größten Aktienpositionen zum 31. Juli 2026 werden geordnet nach Kurswerten genannt, darunter Rocket Internet SE, Allerthal-Werke AG, Weleda AG PS, 1& 1 AG, RM Rheiner Management AG, Horus AG, Data Modul AG, Redcare Pharmacy N.V., K+S AG sowie eine Position für Erstellung billiger Wohnhäuser in Winterthur. Ergänzend nennt das Unternehmen ein Nachbesserungsvolumen von rund 123,6 Mio. Euro, dessen Berechnung auf dem Produkt aus Anzahl der Aktien und dem zunächst vereinnahmten Abfindungspreis im Rahmen einer Strukturmaßnahme basiert (zum Beispiel Squeeze-out oder Beherrschungsvertrag). Entscheidend ist dabei die zeitliche und rechtliche Komponente: Die Höhe des Abfindungspreises wird im Spruchverfahren regelmäßig auf ihre Angemessenheit überprüft, während die Gesellschaft zum jetzigen Zeitpunkt ausdrücklich keine verlässlichen Aussagen dazu machen kann, ob und wann es zu Nachbesserungen aus den laufenden Spruchverfahren kommen wird.
In der Ergebnisrechnung spiegelt sich dieser Bewertungs- und Timing-Effekt auch an anderer Stelle wider. Die Gesellschaft führt stichtagsbedingte Abschreibungen auf Wertpapiere in Höhe von 4,3 Mio. Euro aus und nennt zudem einen betrieblichen Aufwand von 1,0 Mio. Euro. Diese Positionen markieren, dass neben positiven Effekten auch Druck aus Marktwertanpassungen entsteht. Für die Praxis heißt das: Wer das erste Halbjahr 2026 nur als „Gewinnanstieg“ liest, greift zu kurz; ebenso relevant sind Abschreibungen, Stillhalter-Ergebnis und die Frage, wie stark Zins- und Nachbesserungseffekte das Bild prägen. Genau hier liegt auch der strategische Kern des Beteiligungsansatzes: Sicherheits- und chancenorientierte Investments werden so kombiniert, dass ein „natürlicher Floor“ bei angekündigten oder laufenden Strukturmaßnahmen oder eine hohe Bilanz- und Ergebnisqualität bei Value-Werten stabilisieren kann.
Für den weiteren Verlauf ist außerdem der nächste Informationsschritt terminlich eingeordnet: Der ausführliche Zwischenbericht erscheint voraussichtlich Ende August 2026. Bis dahin bleibt die Datenlage bei den vorläufigen Kennzahlen und der veröffentlichten Ergebnis- und Bewertungslogik. Wer die Aktie im Kontext des Scale-Segments bzw. des Freiverkehrs beobachtet, wird diese Veröffentlichung deshalb als entscheidenden Abgleich sehen: Im Zwischenbericht lassen sich typischerweise die konkreten Veränderungen im Portfolio, die Zusammensetzung der Ertragsbestandteile sowie die Entwicklung rund um das Nachbesserungsrechteportfolio detaillierter nachvollziehen. Unterm Strich zeigt das erste Halbjahr 2026, wie stark das Zusammenspiel aus Dividendenerlösen, realisierten Kursgewinnen, Wertpapier-Zuschreibungen und Nachbesserungseffekten die Kennzahlen von Scherzer & Co. AG prägt.
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