LONDON (IT BOLTWISE) – Bernstein setzt ASML nach oben auf eine Top-Idee und nennt ein Kursziel von 2.500 Euro. Die zentrale Begründung: eine steigende Lithografie-Intensität durch den Wechsel in fortschrittlichere EUV-Schichten sowie daraus abgeleitete Margenpotenziale bis 2029. Gleichzeitig verweist die Analyse auf eine begrenztere Umsatzexponierung gegenüber chinesischen Wettbewerbern. Im Markt zeigt sich das Muster: Die Aktie hat in sieben Tagen bereits um 8,85 Prozent zugelegt.

ASML steht derzeit gleich bei zwei großen Investmenthäusern auf dem Prüfstand – und die Richtung der Neubewertungen fällt auffällig ähnlich aus. Goldman Sachs nimmt den niederländischen Lithografie-Spezialisten in seine europäische Conviction List auf, während Bernstein ASML als Top-Idee für das dritte Quartal 2026 bestätigt. Laut den Analysten rückt dabei weniger die kurzfristige Auftragslage in den Fokus als vielmehr die erwartete Entwicklung von Preismacht und Gewinnmargen bis zum Jahr 2029. Genau diese Kombination erklärt, warum der Titel innerhalb von sieben Tagen um 8,85 Prozent zulegt – obwohl die Aktie vom Juni-Rekordhoch weiterhin rund 15,73 Prozent entfernt notiert.
Technisch betrachtet hängt der Hebel vor allem an der EUV-Logik: Jede neue Generation anspruchsvollerer Lithografie-„Schichten“ erhöht die Stückzahl und die Komplexität der benötigten Maschinen. Bernstein nennt als Grund die steigende Lithografie-Intensität, die von 20 Prozent auf fast 30 Prozent wandert. Der Hintergrund: Der Umstieg der DRAM-Produktion auf fortschrittlichere EUV-Schichten erhöht den Maschinenbedarf pro Fertigungszyklus. Für Unternehmen in der Halbleiterkette bedeutet das konkret, dass Kapazitätsplanung und Service-Modelle für EUV-Systeme noch stärker an zukünftigen Technologiekurven ausgerichtet werden müssen – denn die zusätzliche Schicht schlägt direkt auf die Auslastung durch.
Auch die Annahmen zu den Gewinnzahlen sind in den vorliegenden Thesen eng miteinander verknüpft. Goldman Sachs erwartet, dass die Gewinnmarge von rund 41 Prozent im Geschäftsjahr 2026 auf etwa 50 Prozent bis 2029 steigt. Treiber sollen eine solide Preissetzungsmacht, operative Hebelwirkung sowie die Verschiebung hin zu teureren Maschinenplattformen sein. Für die Jahre 2027 bis 2029 prognostizieren die Analysten zudem, dass die Gewinnschätzungen je Aktie den Marktkonsens um 5 bis 18 Prozent übertreffen. Das ist vor allem dann kaufrelevant, wenn der Markt bislang eher auf normale Margenpfade gesetzt hat und damit geringere Bewertungsprämien eingepreist waren.
Damit verschiebt sich die Diskussion weg von allgemeinen Wachstumsraten hin zu einem belastbaren Blick auf Auslastung und Lieferfähigkeit. Goldman Sachs begründet den Schritt zur Conviction List unter anderem mit einer besseren Sichtbarkeit auf die Kapazitätspläne. Parallel sieht das Haus einen starken Auftragseingang sowohl im Logic- als auch im DRAM-Speichersegment. Bernstein ergänzt das mit dem Argument, der Markt unterschätze Preismacht und Margenpotenzial. Gleichzeitig relativieren beide Perspektiven Sorgen rund um chinesische Wettbewerber: Bernstein zufolge steuerte China in der ersten Hälfte 2026 nur 16 Prozent zum ASML-Umsatz bei. In der Logik der Analysten reduziert das das Risiko durch heimische Konkurrenz spürbar, während bis 2030 praktisch alle führenden Chiphersteller in DRAM und Logic auf die nächste EUV-Generation namens High-NA umsteigen sollen.
Gerade High-NA ist dabei mehr als ein Marketingbegriff, weil sich damit die Anforderungen an Optik, Prozessfenster und Systemintegration erhöhen. Dass ASML die nächste EUV-Generation bereits frühzeitig absichert, soll nach Darstellung der Analysten durch die Auslastung unterstrichen werden: Die Produktionskapazität ist bis Ende 2027 praktisch ausgebucht. Als zusätzlicher Sicherheitsanker für die Lieferkette wird zudem Zeiss genannt, der exklusive Optik-Zulieferer von ASML. Bernstein und Goldman verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass Zeiss die langfristige Fertigungskapazität ausbaut, um die steigende Nachfrage zu bedienen. Für 2026 plant ASML demnach mindestens 60 EUV-Lithografiesysteme auszuliefern.
Auch bei der Bewertung zeigt sich, warum Analystenstimmen aktuell eine starke Wirkung entfalten. Die Aktie notiert aktuell bei 1.473,00 Euro und damit 15,73 Prozent unter dem Rekordhoch von 1.748,00 Euro vom 30. Juni 2026. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 1.211,82 Euro ergibt sich dagegen ein Polster von 21,55 Prozent. In der Kursreaktion vergangener Tage wirkt damit eine Art „Narrativ-Kraft“: Die Aussicht auf steigende Margen bis 2029 wiegt für viele Investoren offenbar schwerer als der sichtbare Abstand zum Sommerhoch. Für Entscheider in der Tech-Industrie heißt das übersetzt: Wer an KI-getriebenem Kapazitätsausbau hängt, schaut zunehmend auf die Engpasskomponente – und bei hochpräziser Lithografie ist genau diese Komponente oft der Taktgeber der Wertschöpfungskette.
Für Anleger gilt gleichzeitig, was in solchen Marktberichten regelmäßig betont wird: Es handelt sich nicht um Anlageberatung, und Kurs- sowie Unternehmensangaben erfolgen ohne Gewähr. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen, und Änderungen sind jederzeit möglich. Zudem werden Beiträge laut Disclaimer teils automatisiert mit Unterstützung von KI erstellt und geprüft – auch wenn die hier beschriebenen Erwartungen im Kern aus den genannten Analystenannahmen stammen und in der Praxis durch Auslieferungspläne, Kundenmix und technologische Entwicklung bestätigt oder korrigiert werden müssen.
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