MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Siemens berichtet über ein starkes Quartal mit steigenden Kennzahlen in beiden digitalen Kernbereichen. Der Auftragseingang klettert um 13 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro, getragen vor allem von Smart Infrastructure und dem Ausbau von KI-Rechenzentren. Der Umsatz steigt um sieben Prozent auf rund 20,8 Milliarden Euro, während das Industrieergebnis um ein Viertel auf 3,5 Milliarden Euro zulegt. Für 2025/26 erhöht der Konzern die Prognose beim Ergebnis je Aktie auf 11,20 bis 11,50 Euro.

Siemens startet das Geschäftsjahr mit einer Mischung aus Auftragssog und spürbarer Ergebnisqualität: Der Auftragseingang steigt um 13 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro, und zwar ausgerechnet dort, wo der Konzern seine digitale Schwerpunktarchitektur ausrollen will. Im Zentrum steht Smart Infrastructure, das Unternehmen nennt als Treiber die hohe Nachfrage im Zusammenhang mit dem massiven Ausbau von KI-Rechenzentren. Für Entscheider in der Industrie ist das mehr als eine Schlagzeile, weil die Projektlogik rund um Rechenzentren meist starke Vorlaufzeiten, hohe Ausschreibungsvolumina und langfristige Servicebausteine mit sich bringt.
Technisch lässt sich der Zusammenhang gut nachvollziehen: In modernen Rechenzentrumsumgebungen werden Stromverteilung, Kühlung, Energiemanagement und Automatisierung zunehmend als integrierte Systeme geplant, betrieben und weiteroptimiert. Genau dort greifen Konzepte, die Siemens unter Smart Infrastructure bündelt. Wenn der Ausbau von KI-Infrastruktur in mehreren Bauphasen gleichzeitig läuft, wirkt das typischerweise über mehrere Quartale in die Auftragseingänge hinein. Dass der Konzern dabei deutlich über Analystenerwartungen bleibt, signalisiert, dass nicht nur der Trend zur Digitalisierung weiterläuft, sondern auch die konkreten Volumina in den Absatzkanälen anziehen.
Auch auf der Umsatzseite liefert Siemens eine klare Richtung: Der Umsatz steigt um sieben Prozent auf rund 20,8 Milliarden Euro; bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte liegt das vergleichbare Wachstum bei acht Prozent. Im Industriegeschäft zeigt sich die Ergebnisdynamik besonders deutlich: Das Ergebnis im Industriegeschäft legt um ein Viertel auf 3,5 Milliarden Euro zu. Hier nennt Siemens neben dem operativen Rückenwind auch Zollrückerstattungen in den USA, vor allem bei der Medizintechniktochter Siemens Healthineers. Für die Einordnung heißt das: Ein Teil der Marge profitiert von Sondereffekten, während der operative Kern trotzdem sichtbar verbessert erscheint.
Unter dem Strich verdient Siemens mit 2,6 Milliarden Euro 15 Prozent mehr als im Vorjahresvergleich, ebenfalls besser als erwartet. Genau dieser Sprung beim Gewinn ist ein Signal für die Kapitalmarktlogik: Wenn das Unternehmen nicht nur mehr verkauft, sondern gleichzeitig effizienter in Gewinn umsetzt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Guidance auch bei der Ergebniskennziffer belastbar bleibt. Besonders relevant ist in diesem Kontext, dass Siemens die Ergebnisprognose für 2025/26 (bezogen auf Ende September) anhebt. Erwartet wird nun ein Ergebnis je Aktie von 11,20 bis 11,50 Euro nach bestimmten Kaufpreiseffekten, zuvor waren 10,70 bis 11,10 Euro in Aussicht gestellt.
Der zweite Teil der Kommunikation betrifft die Umsatzrichtung: Der Umsatzausblick wird bekräftigt, Siemens erwartet weiter ein vergleichbares Wachstum von sechs bis acht Prozent. Auffällig ist dabei, dass der Konzern zuletzt bereits davon ausging, das obere Ende der Spanne zu erreichen; mit der aktuellen Entwicklung wirkt diese Erwartung nun noch plausibler. Für Smart Infrastructure hebt Siemens zudem die Erwartungen für Umsatz und Marge an. Das ist strategisch wichtig, weil der Markt hier oft auf die Kombination aus Nachfrage (Orders) und nachhaltiger Profitabilität achtet. Ein Auftragseingang kann zwar zyklisch hoch ausfallen, die Marge entscheidet jedoch über die Bewertungslogik.
Industrie- und IT-Verantwortliche sollten das Ergebnis außerdem als Indikator dafür lesen, wie stark die „KI-Rechenzentrum“-Investitionswelle bereits in die klassische Automatisierungs- und Infrastrukturwelt hineinwirkt. Siemens positioniert sich dabei nicht nur als Zulieferer für einzelne Komponenten, sondern als Integrator für Systeme, die in Betrieb, Erweiterung und Optimierung gedacht sind. Daneben bleibt Digital Industries als zweiter Pfeiler relevant, weil die Industrieautomatisierung und das Software-Geschäft dort zusammenlaufen. Gerade im Mittelstand und in Konzernen mit heterogenen Produktionslandschaften kann die Nachfrage für Automatisierungslösungen zusätzlich steigen, wenn Rechenleistung und Datenflüsse in der IT-Realität wachsen.
Für 2025/26 bedeutet die Anhebung der Guidance vor allem eines: Das Management geht davon aus, dass die Kombination aus guter Auftragslage, stabiler Umsatzentwicklung und einem verbesserten Ergebnisprofil nicht nur kurzfristig trägt. Zwar können einzelne Faktoren wie Rückerstattungen in den USA oder der Timing-Effekt von Großprojekten die kurzfristigen Zahlen verzerren, aber die Richtung ist konsistent. Für Anleger und Partnerfirmen heißt das, dass sich die Planungsannahmen zur Nachfrage in Smart Infrastructure weiter konkretisieren lassen. Gleichzeitig bleibt die zentrale Frage, wie schnell neue Rechenzentrumsprojekte und Automatisierungsprogramme skalieren, wenn die Investitionszyklen einmal ans Laufen kommen.
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