ATHENS / LONDON (IT BOLTWISE) – Omilia hat eine Series-B-Runde über 67 Mio. USD abgeschlossen, um eine KI-gestützte Plattform für den Kundensupport weiter zu skalieren. Das Unternehmen argumentiert dabei gegen einen „Alles-auf-KI“-Ansatz und will große Sprachmodelle vor allem dann einsetzen, wenn sie sich für den konkreten Call- oder Chat-Typ wirklich lohnen. Im Mittelpunkt stehen selbstlernende Agenten, die über verschiedene Kontaktpunkte hinweg arbeiten. Unter den Kunden sind unter anderem Capital One, Discover, RBC und auch Taco Bell, wobei es in einem Einzelfall um einen angeblichen Fehler im Bestellsystem ging.

Omilia sichert sich 67 Mio. USD: KI für Kundensupport mit Fokus auf ROI
Omilia sichert sich 67 Mio. USD: KI für Kundensupport mit Fokus auf ROI (Foto: IT BOLTWISE)
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Omilia setzt mit seiner Finanzierung nicht nur auf mehr KI-Leistung, sondern vor allem auf bessere KI-Ökonomie im Kontaktcenter. Die athener Firma hat dafür eine Series-B-Runde über 67 Mio. USD aufgelegt, angeführt von Expedition Growth Capital. Damit will der Anbieter seine „self-learning agents“ ausbauen, die nicht an einer einzigen Schnittstelle hängen bleiben, sondern Kundengespräche und Folgeprozesse über mehrere Kontaktpunkte hinweg bearbeiten. Für Unternehmen ist das eine spürbare Verschiebung: Weg von der Frage „Wie viel generative KI kann ich einbauen?“, hin zur Frage „Wo entsteht messbarer Mehrwert pro Anfrage und pro Kanal?“

Der strategische Kern ist zugleich ein technischer und organisatorischer Standpunkt. Laut CEO Dimitris Vassos ist in einem großen Teil eingehender Support-Anfragen bereits „Basic Information“ enthalten, etwa wenn es um Kontostände oder einfache Statusinformationen geht. In solchen Fällen sei der Einsatz großer Sprachmodelle laut Vassos häufig überdimensioniert und damit ineffizient. Das Unternehmen formuliert das Bild gern kontrastreich: Wer einen „Bazooka“-Ansatz verfolgt, greift nach seiner Darstellung möglicherweise am falschen Einsatzort und braucht stattdessen je nach Entfernung und Situation unterschiedliche Werkzeuge. In der Praxis bedeutet das: Automatisierung wird nicht allein über ein einziges Modell oder einen einzigen Chatbot-Typ gedacht, sondern über den Mix aus Zuständigkeiten, Eingabearten und der passenden Automatisierungsstufe für Voice, Chat oder Messaging.

Omilia zeigt außerdem, dass die Skalierung nicht zwangsläufig über dauerhafte Kapitalzufuhr funktionieren muss, zumindest laut der eigenen Argumentation. Vassos verweist darauf, dass das Unternehmen seine annual recurring revenue seit der letzten Finanzierungsrunde um den Faktor 10 gesteigert hat – auf 60 Mio. USD. Gleichzeitig betont er, dass Omilia über „great unit economics“ für sich und die Kunden verfügt. Dieses Narrativ zielt inhaltlich auf genau die Bereiche, die bei KI-Deployments oft zu Reibungsverlusten führen: Kosten pro gelöster Anfrage, die tatsächliche Automatisierungsquote und die Frage, wie sauber sich Eskalation und Rückübernahme an Agenten in die Workflows integrieren lassen. Wenn die Einheitseffizienz stimmt, lässt sich ein Kontaktcenter-System eher als wiederholbarer Betriebsmotor anstatt als „Pilotprojekt mit Lernphase“ verkaufen.

Einblicke liefert auch die Kunden- und Use-Case-Landschaft. Omilias Referenzen reichen laut Quelle von Capital One und Discover bis zu RBC, DWP und PSEG. Daneben nennt das Unternehmen Quick-Service-Restaurants mit sprachbasierter Bestellung als Schwerpunkt; Taco Bell sei bereits Kunde, und die Lösung soll in mehr als 1.000 Auslets eingesetzt worden sein. Vassos sagt außerdem, man stehe in Gesprächen mit zwei weiteren Quick-Service-Restaurants in den USA. Genau hier wird die technische Komplexität sichtbar: Voice-Bestellungen erfordern robuste Erkennung, eine kontrollierte Übergabe in Systeme wie Kassensoftware und eine sichere Ergebnisrückmeldung. Gerade bei hoher Auslastung müssen KI-Automatisierung und bestehende Order-Logik so zusammenspielen, dass Anfragen nicht „durchrutschen“ oder Fehlzustände erzeugen.

Beim Stichwort Zuverlässigkeit taucht jedoch auch ein Fall auf, der zeigt, wie schnell KI-Einsätze politisch und operativ werden können. Im Zusammenhang mit Taco Bell hieß es laut Quelle, ein Problem im Bestellsystem habe angeblich dazu geführt, dass ein Kunde 18.000 Tassen Wasser bestellen konnte. Vassos widerspricht: Omilia halte fest, dass dieses Ereignis nach eigenen Angaben nicht stattgefunden habe, und die eigenen Logs hätten nichts Derartiges gezeigt. Gleichzeitig sagt die Quelle, man habe Taco Bell kontaktiert, um die Lage zu klären, und aktualisiere die Darstellung, falls eine Rückmeldung eingeht. Für Entscheider ist das vor allem ein Reminder: Auch wenn die KI-Logik intern konsistent ist, hängt die Gesamtqualität bei solchen Setups stark davon ab, wie Systeme und Datenflüsse end-to-end integriert sind.

Mit dem frischen Kapital will Omilia den nächsten Wachstumsschritt vor allem über Marktabdeckung und Vertrieb absichern. Geplant ist die Eröffnung eines neuen Büros in den USA, einem Markt, der laut Quelle einen bedeutenden Anteil am Umsatz liefert. Ergänzend soll das Go-to-Market-Team verstärkt werden; zudem werden ein Chief Revenue Officer, ein Chief Marketing Officer und ein VP für Revenue Operations eingestellt. Aktuell beschäftigt das Unternehmen rund 500 Mitarbeitende, Ziel ist laut Quelle ein Anstieg auf 600 bis Ende des Jahres. Das unterstreicht, dass Omilia den Ansatz als wiederholbares Produkt begreift: KI-Technologie allein reicht selten, wenn Lizenzen, Implementierungen, Trainingsaufwände und Performance Reporting als Paket ausgerollt werden müssen.

In Summe spiegelt die Finanzierungsrunde einen größeren Trend im Kundensupport wider. Viele Startups versuchen, Kontaktanfragen mit generativer KI zu „überdecken“, doch die Quelle stellt dem eine differenzierte Sicht entgegen: Nicht jede Anfrage braucht ein großes Sprachmodell, und nicht jede Automatisierung ist gleich wirtschaftlich. Wettbewerb entsteht damit weniger über reine Modellgröße als über die Fähigkeit, verschiedene Eingabetypen zuverlässig zu verarbeiten, passende Toolchains für komplexere Fälle zu orchestrieren und gleichzeitig die Kosten pro gelöster Anfrage zu kontrollieren. Wenn Omilias Fokus auf ROI und Einheitseffizienz tatsächlich im Betrieb trägt, könnte das die Standardfrage für künftige Evaluierungen im Kontaktcenter prägen: Welche Automatisierung senkt wirklich Zeit und Kosten bei gleichbleibender oder besserer Kundenerfahrung – und wo lohnt sich nur „leichte“ Automatisierung statt generativer Tiefe?


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