LONDON (IT BOLTWISE) – Eine kleine Studie mit 25 Teilnehmenden verbindet Nacktschlafen mit messbaren Verbesserungen bei Schlafdauer, Schlafeffizienz und REM-Phasen. Besonders auffällig ist die kürzere REM-Latenz: Von 141,8 auf 110,4 Minuten. Als Ursache nennt die Arbeit eine erleichterte Regulierung der Körpertemperatur durch weniger isolierende Kleidung. Ergänzend wird der Sommerbezug hergestellt, weil Hitzebelastung den Schlaf über die Jahreszeiten hinweg sichtbar verschiebt.

Die Diskussion um Schlafhygiene bekommt gerade eine neue, ungewöhnlich direkte Stellschraube: Kleidung ja oder nein. In der vorliegenden wissenschaftlichen Publikation wurden 25 Erwachsene untersucht, darunter 13 Männer und 12 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 39,7 Jahren. Das zentrale Ergebnis lautet, dass der Verzicht auf Kleidung die Regulierung der Körpertemperatur während der Nachtruhe deutlich erleichtert. So kann der Körper laut den Daten nicht nur schneller in eine stabile Schlafroutine finden, sondern erreicht auch messbar bessere Erholungswerte.
Technisch betrachtet setzt der Ansatz bei der thermischen Steuerung an, also dort, wo viele Menschen im Alltag an Grenzen stoßen: Die Wärmeproduktion des Körpers läuft nachts weiter, während der Abtransport über Haut und Atemluft begrenzt ist. Die Studie beschreibt deshalb eine adaptive thermische Regulierung, die sich an verschiedenen Schlafphasen orientiert. Als Referenzwerte wurden dabei Temperaturen von 30 Grad Celsius im REM-Schlaf und 33 Grad Celsius im Non-REM-Schlaf herangezogen. In der Folge stieg die Gesamtschlafzeit der Probanden von durchschnittlich 356,2 auf 383,2 Minuten; parallel verbesserte sich die Schlafeffizienz von 82,8 Prozent auf 87,3 Prozent.
Auch die Schlafarchitektur verändert sich laut den Messwerten nicht nur am Rand, sondern spürbar im Ablauf. Die nächtliche Wachzeit sank von 58,2 auf 49 Minuten. Besonders markant ist die Verkürzung der REM-Latenz: Die Zeit bis zum Erreichen der ersten Traumphase reduzierte sich von 141,8 auf 110,4 Minuten. Zusätzlich beobachteten die Forschenden einen Anstieg des REM-Anteils um bis zu 20,8 Prozent. Damit rückt ein Detail in den Fokus, das in der Praxis häufig schwer steuerbar ist: Nicht die reine Schlafdauer entscheidet allein, sondern wie schnell und wie stabil das Gehirn in die REM-Phase einsteigt.
Für die Einordnung ist der Kontext der Hitzebelastung entscheidend. Die Veröffentlichung verweist auf eine Datenanalyse zur Schlafdauer im Jahresverlauf: Demnach fiel die durchschnittliche Schlafdauer im Sommer mit 6 Stunden und 44 Minuten etwa 10 Minuten kürzer aus als im Winter. In den Monaten Juni und Juli wurden mit 6 Stunden und 42 Minuten die niedrigsten Werte gemessen; die Aufwachzeit im Juni lag zudem bei 5:54 Uhr, deutlich früher als im Januar. Genau hier passt das Nacktschlafen als thermischer Optimierungsversuch hinein, denn warme Raumluft und ein zu hoher Wärme- und Feuchtigkeitsgrad erschweren den nächtlichen Temperaturabgleich.
Doch nicht jede Kühlmaßnahme ist automatisch hilfreich. In der Studie wird auch die Technikseite aufgegriffen: In Deutschland sei die Produktion von Klimaanlagen innerhalb von fünf Jahren bis 2024 um 75,1 Prozent auf 317.000 Einheiten gestiegen, während Importe im Sektor auf 949 Millionen Euro kamen (plus 48,2 Prozent gegenüber 2019). Gleichzeitig wird vor dem unbedachten Einsatz von Ventilatoren gewarnt, weil sie den Raum nicht aktiv herunterkühlen, sondern Luft bewegen. Ab 39 Grad Celsius und bei einer Luftfeuchtigkeit von 49 Prozent können Ventilatoren laut einer JAMA-Studie gesundheitsschädlich werden, da sie den Schweißverlust um 60 Prozent erhöhen und das Risiko für Dehydrierung steigen kann. Für die Praxis bedeutet das: Abkühlung ist nicht gleich Abkühlung, entscheidend ist, wie die Luftfeuchte und der tatsächliche Wärmeentzug zusammenspielen.
Deshalb rücken eher einfache, kontrollierbare Maßnahmen in den Vordergrund. Empfohlen wird, Fenster tagsüber geschlossen zu halten und Ventilatoren nachts nur gezielt zum Abführen warmer Luft zu nutzen. Als niedrigschwellige Alternative wird sogar eine Wärmflasche genannt, die mit kaltem Wasser gefüllt oder im Kühlschrank gekühlt als Kühlelement dient. Ergänzend nennt der Text als Zielwert für die Raumtemperatur rund 18 Grad Celsius, weil viele Menschen in diesem Bereich am stabilsten schlafen. Ein weiterer Hinweis kommt aus längeren Perspektiven: Eine 15-jährige Studie der Universität Hongkong, veröffentlicht im August 2025 in Nature Climate Change, verknüpft mehr Hitzewellentage mit einem Anstieg des biologischen Alters; dabei steige das biologische Alter pro zusätzlichem Ereignisblock um neun Tage, bei Personen im Freien sogar um 33 Tage. Solche Ergebnisse unterstreichen, dass Schlafqualität zunehmend auch ein Klima- und Infrastrukturthema wird.
Wer die Ergebnisse aus der Nacktschlaf-Studie in eigene Routinen übertragen will, sollte deshalb nicht nur an Kleidung denken, sondern das Gesamtsystem betrachten: Thermik, Luftqualität und die Zeitachse der Belastung. Die Veröffentlichung ergänzt die Luftseite mit Messungen aus Schottland, wonach in über 80 Prozent der Wohnungen die CO2-Werte nachts sichere Schwellenwerte überschreiten. Zusätzlich wird auf eine dänische Studie aus 2022 verwiesen, die ab 1.800 ppm kognitive Beeinträchtigungen möglich macht, auch wenn die Mehrheit der Bewohner die Luftqualität subjektiv als gut einschätzt. Für Unternehmen, die Mitarbeitenden-Hygieneprogramme oder Betriebliches Gesundheitsmanagement ausbauen, ist das relevant, weil sich Schlafumgebung damit nicht nur als Lifestyle-Aspekt, sondern als messbare Einflussgröße auf Leistungsfähigkeit und Erholung lesen lässt.
Am Ende bleibt die zentrale Botschaft pragmatisch: Die Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen Nacktschlafen und besserer Schlafphysiologie, insbesondere bei REM-Parametern, liefert aber auch eine klare Brücke in den Alltag über Hitze und Raumklima. Gleichzeitig machen die Hinweise zu Ventilatoren und zu CO2 deutlich, dass „kühlen“ und „frische Luft“ nicht automatisch gelingen, nur weil man ein Gerät anschaltet. Wer im Sommer bessere Nächte anstrebt, sollte deshalb Thermomanagement und Luftwechsel als zusammenhängende Stellgrößen behandeln – und dabei die eigene Empfindlichkeit, Raumgegebenheiten und Feuchtebedingungen berücksichtigen.
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