LONDON (IT BOLTWISE) – Der DAX setzt seine Rally fort und schließt bei 26.319 Punkten auf einem neuen Rekordniveau. Ausschlaggebend waren überraschend schwache US-Arbeitsmarktdaten für Juli, die die Zinsfantasie dämpfen. Gleichzeitig profitieren zinssensitive Aktien in den USA, während sich der Markt auf eine weniger straffe Geldpolitik einstellt. In Deutschland liefern robuste Konjunktursignale zudem Rückenwind, darunter ein Exportrekord im Juni.

Der DAX hat zum Wochenfinale erneut einen Rekord gesetzt und dabei das übliche Zusammenspiel aus US-Makrodaten und deutscher Unternehmensrealität noch einmal sichtbar gemacht. Am Ende des Handelstages lag der Index bei 26.319 Punkten, ein Tagesplus von 0,69 Prozent. Im Tagesverlauf schaffte er sogar 26.445 Punkte und bestätigte damit, dass die Kaufbereitschaft nicht nur punktuell, sondern breit getragen war. Damit bleibt auch die jüngste Dynamik bestehen: Erst am Mittwoch hatte der Leitindex zwischenzeitlich mit 26.403 Punkten den dritten Rekordstand in Folge markiert, nach dem gestrigen leichten Plus bei 26.140 Punkten.
Technisch betrachtet läuft die Marktlogik derzeit über die Zinserwartungen, weil neue Rendite-Impulse häufig zuerst in Bewertungsmodelle hineinspielen. Die Impulsgeber kamen aus den USA: Für Juli ist die Beschäftigtenzahl außerhalb der Landwirtschaft unerwartet gesunken (minus 23.000), während Ökonomen im Schnitt mit plus 80.000 zusätzlichen Stellen gerechnet hatten. Zusätzlich wurden die Zahlen der beiden Vormonate insgesamt um 103.000 Stellen nach unten revidiert. Für die Fed ist nicht nur die Job-Zahl wichtig, sondern vor allem die Lohnkomponente: Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen nur um 0,1 Prozent statt wie erwartet um 0,3 Prozent. Zwar fiel auch die Arbeitslosenquote im Monatsvergleich von 4,2 auf 4,1 Prozent, doch in der Summe wirkt der Lohn- und Beschäftigungstrend dämpfend auf die Inflationsstory.
In dieser Konstellation verschiebt sich die zeitliche Erwartung an eine geldpolitische Straffung spürbar. Der Artikel der Vorlage bringt es auf den Punkt, indem er beschreibt, dass Anleger nun auf stabil bleibende Zinsen setzen und damit eine weitere Straffung in die Ferne rücken. Entsprechend springt auch die Wall Street an: Die großen US-Aktienindizes lagen am Mittag Ortszeit im Plus und nur knapp unter ihren bisherigen Rekordwerten. Besonders auffällig ist dabei die Nasdaq mit einem Zuwachs von 1,2 Prozent, also einem Index, der traditionell stärker auf Diskontierungseffekte reagiert. Parallel gab der Dollar um rund 0,3 Prozent nach, was zur Beobachtung passt, dass die Zinserwartungen nicht mehr so stark nach oben gezogen werden.
Dass Makrodaten nicht im luftleeren Raum wirken, zeigt der Blick auf weitere Risiko- und Preistreiber. Neben geopolitischen Themen rückt auch Energie in den Fokus: Der Ölpreis legte zuletzt etwas zu in Richtung 83 US-Dollar je Fass, blieb aber deutlich unter den Hochständen bei rund 100 Dollar. Gleichzeitig wird im Umfeld die Eskalationsdynamik im Nahen Osten als Faktoren genannt, die eine Friedenslösung erschweren könnten. In der Vorlage heißt es außerdem, US-Präsident Donald Trump gehe eigenen Angaben zufolge weiter davon aus, dass der Iran-Krieg „ziemlich bald“ ende und eine Einigung zur Öffnung der Straße von Hormus bevorstehen könnte. Für Märkte ist das relevant, weil schon die Aussicht auf Versorgungsrisiken oder Transportunterbrechungen häufig schnelle Risikoprämien in den Öl- und Inflationspfad einschreibt.
Auch in Deutschland war der Handel nicht nur eine Wette auf fallende Zinsen, sondern erhielt zusätzlich Fundamentaldaten. Aus den heimischen Konjunktursignalen sticht die Industrieproduktion hervor: Im Juni legte die Gesamtproduktion im Monatsvergleich zum dritten Mal in Folge an, wenn auch nur leicht. Besonders bemerkenswert ist, dass ausgerechnet die krisengebeutelte Autoindustrie ein Lebenszeichen sendete; ein großer Teil des Zuwachses stamme aus Zuwächsen in der Autobranche. Noch stärker wirkt der Außenhandel als makroökonomische Stütze: Die deutschen Exporte stiegen im Juni auf einen Rekordwert von knapp 140 Milliarden Euro, es ist sogar der fünfte Anstieg in Folge. „Mit Ausnahme des Januars legten die Exporte im laufenden Jahr zu“, sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank.
Auf der Unternehmensseite spiegelt die Marktstimmung vor allem zwei unterschiedliche Realitäten: stabile Zielpfade bei den großen Versicherern, aber Gegenwind bei einzelnen Industrie-Werten. Die Bilanzsaison lief weiter, insbesondere mit Ergebnissen der beiden DAX-Versicherungsriesen Allianz und Münchener Rück; beide bestätigten ihre Jahresziele, wobei die Allianz-Papiere bereits am Vortag ein neues Rekordhoch markiert hatten. Gleichzeitig zeigt sich am Beispiel Daimler Truck, dass selbst bei positiven Umsatzzahlen die Ergebnisqualität den Kurs maßgeblich treiben kann: Der Gewinn brach von 245 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 128 Millionen ein, trotz eines um fünf Prozent gestiegenen Umsatzes. Nach der steilen Kursrally gegen Ende Juli, als die Papiere am vergangenen Montag knapp über 50 Euro den höchsten Stand seit der Abspaltung von Mercedes-Benz im Dezember 2021 erreicht hatten, gab es heute einen Rücksetzer, sodass der Wert zum DAX-Ende zurückfiel.
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