COWETA COUNTY, GA / LONDON (IT BOLTWISE) – Hacker versuchten in Georgia, über das System einer lokalen Wasserbehörde auf Passwörter und Steuertechnik zuzugreifen. Laut Behördenchef Jay Boren blieb der Angriff ohne Auswirkungen auf das Trinkwasser, allerdings brach zeitweise die Kommunikation zu den speicherprogrammierbaren Steuerungen ab. Als Vorsichtsmaßnahme schaltete die Organisation die Automatisierung ab und arbeitete danach manuell. Offen bleibt, wer hinter dem Vorgehen steckt und wie die Angreifer zuerst ins Netzwerk gelangten.

Im US-Bundesstaat Georgia zeigt der Vorfall in Coweta County, wie eng moderne Wasseraufbereitung mit industrieller Steuertechnik verknüpft ist. Hacker sollen laut Angaben der Coweta County Water Authority Zugang zum System erlangt haben und versuchten, Passwörter zu ändern sowie Kontrolle über Komponenten zu übernehmen, die für den Betrieb von Wasser- und Abwasserinfrastruktur zuständig sind. Der Bruch wurde für den Zeitraum kurz nach Mitternacht am Montag, 27. Juli, beschrieben; trotz des Angriffs versicherten Verantwortliche, dass das Trinkwasser des Landkreises nicht betroffen gewesen sei.
Technisch bemerkenswert ist vor allem die Rolle der speicherprogrammierbaren Steuerungen (PLCs), die in solchen Anlagen die Pumpen-, Ventil- und Schieberlogik ansteuern. Im Verlauf des Vorfalls habe die Behörde zeitweise die Kommunikation mit den PLCs verloren, wodurch die Automatisierung nicht zuverlässig weiterlaufen konnte. Jay Boren erklärte dazu: „So basically [the PLCs] control pump stations, lift stations, valves and everything like that.“ Da die Angreifer nach diesen Aussagen außerdem versucht hätten, Ventile zu manipulieren, aber damit scheiterten, zeigt der Zwischenfall das typische Zusammenspiel aus IT-Zugang und OT-Wirkung: Schon ein falscher Zugriff auf Konfigurations- oder Steuerpfade kann in der Praxis zu unerwünschten Prozesszuständen führen.
Als Gegenmaßnahme trennte die Wasserbehörde die automatische Steuerung und wechselte auf manuelle Bedienung. Boren verwies außerdem auf den Versuch, Zugriff auf Geräte zu nehmen, die Pumpen und Ventile kontrollieren. In seiner Einordnung passt das zu einem Angriffsziel, das weniger auf Datenabfluss als auf physische Kontrolle zielt: „Like turning water on and off or affecting our lift stations to try to cause some physical incident, like a sewer spill, for example, “, sagte er. Gleichzeitig betonte die Behörde, sie habe keine Hinweise gefunden, dass Finanzinformationen das eigentliche Ziel gewesen seien. Für Betreiber zählt dabei die Frage, wie schnell sie OT-seitig in einen sicheren Betriebszustand zurückkehren können, ohne die Versorgung zu gefährden.
Der Coweta-County-Vorfall reiht sich in eine Serie ein, die in den vergangenen Tagen auch andere Systeme in der Region betroffen haben soll, darunter Berichte zu Water Authorities und einer Stadt im Großraum Columbus sowie Vorfälle bei einer weiteren Wasserbehörde in Clayton County. Dabei rückt auch die Frage nach der Ursache und nach der richtigen Priorisierung in den Fokus: Laut Luke Connolly, Threat-Intelligence-Analyst bei Emsisoft, ist es entscheidend, den ursprünglichen Einstiegspunkt (Point of Entry) zu kennen, um Wiederholungsangriffe zu verhindern. Er betonte außerdem, dass ein strukturiertes Melden helfen kann, Muster zu erkennen und Abwehrmaßnahmen zu verbreiten, insbesondere wenn sich Angriffe auf US-Wasseranlagen häufen. Für IT- und OT-Teams ist das ein Hinweis darauf, dass Cyber-Sicherheit hier nicht am Perimeter endet, sondern die Kette vom Netzwerkzugang über Identitäten bis zur Prozesssteuerung durchdringen muss.
Mit Blick auf die Sicherheitslage ist auch die Befürchtung relevant, dass Angreifer im ungünstigsten Fall die Chemiezudosierung oder andere Parameter in der Aufbereitung verändern könnten. Als historisches Referenzbeispiel wird ein Vorfall aus dem Jahr 2021 in Oldsmar, Florida, genannt: Damals soll ein Angreifer versucht haben, eine Einstellung zu manipulieren, die die Menge der eingesetzten Chemikalien beeinflusst; ein Operator bemerkte die Änderung und setzte sie vor einer Auswirkung auf die Wasserversorgung zurück. In Coweta County sieht die aktuelle Lage jedoch anders aus: Nach den Angaben der Verantwortlichen gibt es bislang keine bekannten Hinweise darauf, dass das Trinkwasser kontaminiert wurde. Das entlastet Betreiber nicht automatisch, zeigt aber, warum Monitoring und schnelle Reaktionsfähigkeit im Leitstand so wichtig sind.
Auch auf nationaler Ebene wurde zuletzt ein Signal gesetzt: Das FBI veröffentlichte Mitte Juli eine öffentliche Empfehlung, wonach Kommunen ihre PLCs aus dem direkten Internetzugang entfernen sollen, um die Angriffsfläche zu verkleinern. In der Praxis ist genau dieser Punkt für viele Organisationen der schnellste Hebel, weil er nicht von Software-Rollouts abhängt, sondern von Netzwerk-Design und Zugriffswegen. Gleichzeitig macht der Coweta-County-Fall deutlich, dass ein Angriff auch dann möglich bleibt, wenn die Automatisierung unterbrochen werden muss: Entscheidend sind segmentierte Netze, ein sauberer Identitäts- und Rollenansatz für Fernzugriffe sowie Verfahren, mit denen im Ernstfall manuelle Betriebsführung sofort aktivierbar ist. Für CIOs, OT-Leiter und Security-Teams heißt das: Sicherheitsmaßnahmen dürfen nicht nur „reagieren“, sie müssen den sicheren Übergang in den Betriebskontrollmodus vorab planen und testen.
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