LONDON (IT BOLTWISE) – Netto startet ab August in Berlin einen zeitlich begrenzten Test mit bis zu 80 Alnatura-Produkten in rund 260 Filialen. Damit erweitert der Discounter sein Bio-Sortiment deutlich und holt eine Marke ins Regal, die bislang vor allem über eigene Läden und Edeka verfügbar war. Für Alnatura geht es vor allem um zusätzliche Reichweite in Regionen, in denen Kundinnen und Kunden bislang längere Wege in Kauf nehmen mussten. Ob der Versuch über Berlin hinausgeht, dürfte davon abhängen, wie gut die Produkte angenommen werden.

Wenn eine Bio-Marke wie Alnatura jahrelang konsequent über eigene Filialen und über Edeka gesteuert hat, ist das selten nur eine Frage der Verfügbarkeit. In der Praxis bedeutet diese Entscheidung immer auch: Vertriebssteuerung, Kalkulation und Lieferketten-Logik werden so aufgesetzt, dass die Produkte im eigenen Ökosystem am stärksten wirken. Genau dieses Selbstverständnis bekommt jetzt einen spürbaren Dämpfer. Netto, die Discount-Tochter von Edeka, weitet ab August den Zugang zu Alnatura aus und plant dafür in Berlin den Einstieg in ein deutlich breiteres Sortiment.
Im Kern geht es um eine Aufnahme von Alnatura-Produkten ins Bio-Regal von Netto. Laut den Angaben im Text sollen zunächst bis zu 80 Artikel in rund 260 Netto-Filialen in Berlin verfügbar sein. Damit ergänzt Netto sein bereits über 1.000 Artikel umfassendes Bio-Portfolio um eine der bekanntesten Marken des Landes. Interessant ist dabei die Sortimentslogik: Das künftige Alnatura-Angebot bei Netto konzentriert sich auf Produkte aus dem Trockensortiment. Dazu zählen Grundnahrungsmittel, Kochzutaten, Öle, Snacks sowie Süßwaren und Frühstück – und auch pflanzliche Alternativen zum Kochen. Frischeprodukte scheinen vorerst nicht Teil des Tests zu sein, während Netto im Frischebereich bereits mit Bio-Anbauverbänden wie Biokreis und Naturland zusammenarbeitet.
Die Position der Marke ist dabei nicht zufällig. In einer Konsumenten-Auswertung zu Bio-Marken, die im Text genannt wird, lag Alnatura im Jahr 2025 mit 44 Prozent auf Platz drei – hinter Rewe Bio und Edeka Bio. Die Nettos eigene Bio-Eigenmarke erreichte dieser Darstellung zufolge 32 Prozent und landete auf Platz sieben. Für den Markt heißt das: Alnatura tritt nicht als unbeschriebenes Blatt in den Discounter-Markt, sondern trifft auf ein Umfeld, in dem Verbraucherinnen und Verbraucher Bio bereits klar nach Markenpräferenzen unterscheiden. Genau solche Unterschiede entscheiden häufig darüber, ob ein Bio-Angebot lediglich „da“ ist oder tatsächlich Kaufanreize erzeugt.
Für Alnatura bedeutet die Listung bei Netto vor allem mehr Reichweite – und zwar in einem geografischen Sinne. Seit 2015 besteht zwar eine Partnerschaft mit Edeka, doch die Discount-Tochter deckt Regionen ab, in denen Kundinnen und Kunden bislang weitere Wege in Kauf nehmen mussten, um an Alnatura zu kommen. Der Text beschreibt außerdem, dass Alnatura die Listung bei Discountern lange Zeit abgelehnt hat, zuletzt mit der Begründung, man setze weiterhin auf eigene Filialen und auf Edeka. Dass dieser Kurs nun wechselt, wird als „zeitlich begrenzter Test“ in Berlin eingeordnet. Netto selbst nennt es dabei einen Auftakt – die unterschiedliche Wortwahl lässt Raum für die Interpretation, wie flexibel man auf Kundennachfrage reagiert.
Technisch und operativ ist ein solcher Schritt im Handel weniger eine Marketingentscheidung als eine Kombination aus Kategorie-Management und Prozessfähigkeit. Der Discounter muss dafür sicherstellen, dass neue Artikel in seine Sortimentsplanung, in die Warenverfügbarkeit und in die Preis- bzw. Promotionssteuerung passen – ohne dabei die Discounter-DNA zu verwässern. Dass es sich auf Berlin und zunächst auf Trockensortimente beschränkt, wirkt daher wie eine bewusste Risikoreduktion: Trockensortimente sind in der Regel planbarer, weniger komplex in der Logistik und lassen sich schneller testen, etwa über die Steuerung von Regalplätzen und Bestellmengen. Alnaturas Teil der Gleichung dürfte hingegen sein, die Marke im „schnelleren“ Discounter-Kontext wiedererkennbar zu platzieren, ohne dass die Markenidentität in einem breiteren Regal verwischt.
Auch wenn der Text keine konkreten Kennzahlen für die Testphase nennt, steckt in der Fragestellung eine klare betriebswirtschaftliche Logik. Entscheidend wird sein, ob sich die neuen Bio-Artikel bei Netto so verkaufen, dass sie die Mehrkosten für Listung, Disposition und Werbeaktivität rechtfertigen. Gelingt das in Berlin, dürfte sich die Diskussion intern schnell verschieben: Dann geht es nicht mehr nur um „darf die Marke kommen?“, sondern um „wie groß und wie dauerhaft ist der Channel“. Für den Wettbewerb im Bio-Segment bedeutet das: Der Discounter wird spürbarer als alternative Einkaufsoption, nicht nur als Preisanker.
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