DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – In deutschen Haushalten hält die Heißluftfritteuse deutlich Einzug: 42 Prozent besitzen inzwischen einen Airfryer. Gleichzeitig verschiebt sich die Grillkultur weg vom klassischen Kohlegrill, während rechtliche Vorgaben in Parks wie in Düsseldorf strikter werden. Beim Brot verlagern sich Marktanteile spürbar Richtung Toast, und bei Obst treiben Birnen einen Anstieg trotz niedrigen Selbstversorgungsgrads. Für Gastronomie kommt noch ein Preisdruck dazu, der selbst nach der Mehrwertsteuer-Senkung nur begrenzt in niedrigere Preise mündet.

Airfryer bei 42 % der Haushalte: Trends bei Grillen, Brot und Bio
Airfryer bei 42 % der Haushalte: Trends bei Grillen, Brot und Bio (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Ernährungstrends in Deutschland verändern sich gerade nicht nur im Tellerspiegel, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Neue Küchenhilfen, wechselnde Vorlieben im Handel und ein spürbarer Kostendruck wirken dabei wie ein Korrektiv gegen etablierte Routinen. Besonders sichtbar wird das an zwei gegenläufigen Signalen: Der Alltag wird technischer, etwa durch Airfryer, während gleichzeitig rechtliche und infrastrukturelle Rahmenbedingungen die Art, wie Menschen zuhause und unterwegs kochen oder grillen, mitbestimmen. Dass diese Entwicklungen parallel laufen, beschreibt die Marktlage als einen strukturellen Umbau, nicht als einzelne Mode.

Beim Grillen verschiebt sich der Schwerpunkt nach Angaben von Marktberichten im August 2026 weg vom klassischen Kohlegrill hin zu Gas- oder Elektrogeräten. Technisch ist das zunächst eine Frage der Steuerbarkeit: Gas und Strom liefern typischerweise gleichmäßigere Wärmeverhältnisse und lassen sich schneller regeln als Kohle, was die Zubereitung planbarer macht. Daneben tritt in der Praxis aber der regulatorische Faktor immer stärker hervor. In Düsseldorf etwa gelten bei hoher Brandgefahr – ab Stufe 4 des Graslandfeuerindex – strikte Grillverbote in öffentlichen Parks; Einweggrills sind dort generell untersagt. Solche lokalen Regeln beeinflussen nicht nur das Verhalten am Wochenende, sondern auch das, was Händler und Gastronomiekonzepte als „sicher verfügbares Setup“ bewerben.

Auch im Küchenalltag zeigt sich der Trend zur Technik: Laut Bundesverband der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) besitzen 42 Prozent der Haushalte inzwischen einen Airfryer. Produkt- und Marktbeobachtungen aus dem Juli 2026 stellen jedoch eine wirtschaftliche Hürde heraus: Für speziell als „für Heißluftfritteusen“ vermarktete Lebensmittel seien die Preise im Einzelhandel häufig höher, ohne dass ein klarer qualitativer Zusatznutzen gegenüber herkömmlichen Produkten nachweisbar wäre. Für Unternehmen heißt das vor allem: Der Mehrwert muss sich über Anwendungsvorteile begründen lassen – also über Geschmack, Konsistenz, Zubereitungszeit oder Energieeffizienz – statt allein über den Gerätetyp. Gleichzeitig macht die Verbreitung solcher Geräte die Lieferketten- und Sortimentsfragen relevanter, weil Hersteller sich künftig stärker daran ausrichten, wie Zutaten in Hot-Air-Prozessen funktionieren.

Während die Technik zieht, verschiebt sich das Brotregal messbar. Laut Erhebungen des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks hat Toastbrot seinen Stellenwert im Brotabsatz gefestigt: von 21,6 Prozent (2010) auf 29,3 Prozent (2022), für 2025 werden rund 28 Prozent genannt. Das traditionelle Mischbrot verliert dagegen kontinuierlich, von 31,7 Prozent (2010) auf 24,9 Prozent (2025). Bei den „leichten Gewinnern“ werden Weizenbrot (8,59 Prozent) und Dinkelbrot genannt, das seinen Anteil von 2,6 Prozent (2017) auf 4,65 Prozent (2025) ausweiten konnte. Hier steckt eine klare Marktsignatur: Produkte, die schneller funktionieren (z. B. als Zwischenmahlzeit oder Grundlage für Standardgerichte), treffen offenbar besser auf Alltagslogik als Klassiker, die mehr Planung erfordern.

Beim Obst zeigt sich der Wandel weniger als heimische Selbstverständlichkeit und mehr als Import-Realität. Birnen werden deutlich beliebter: Im Wirtschaftsjahr 2025/26 liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei 2,8 Kilogramm, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert seit neun Jahren. Zwar steigt die heimische Ernte auf rund 42.290 Tonnen, doch der Selbstversorgungsgrad liegt lediglich bei 14,1 Prozent; als Hauptlieferanten werden die Niederlande, Belgien und Südafrika genannt. Das macht den Trend zweischneidig: Für Konsumenten bedeutet es eine größere Produktverfügbarkeit, für Unternehmen und Politik aber steigt die Bedeutung von Importabhängigkeit, Transportketten und saisonaler Planung. Gerade wenn neue Küchenroutinen wachsen, geraten Einkaufs- und Logistikprozesse noch stärker in den Fokus.

Auch der Bio-Markt widerspricht der allgemeinen Konsumflaute. Der Bio-Umsatz stieg im zweiten Quartal 2026 um 3,8 Prozent auf 4,75 Milliarden Euro, im ersten Halbjahr 2026 betrug das Plus 4,9 Prozent; parallel wächst der Gesamtmarkt in diesem Zeitraum nur um 1,4 Prozent. Besonders Drogeriemärkte legten mit 19,7 Prozent kräftig zu, während der spezialisierte Bio-Fachhandel bei 0,82 Milliarden Euro stagnierte. Diese Asymmetrie ist für die Strategie entscheidend: Bio ist damit nicht nur „Nische“, sondern zunehmend eine Sortimentsentscheidung entlang anderer Einkaufswege. Daneben bleibt die Konkurrenz um Aufmerksamkeit für Ernährungsthemen hoch, etwa wenn sich Kampagnen oder Diskurse um Tierhaltung und ökologische Folgen überlagern.

Für die Gastronomie schließlich bleibt die wirtschaftliche Lage angespannt. Saisonale Angebote außerhalb der Kernzeiten seien kaum noch wirtschaftlich zu betreiben, heißt es aus der Branche. Besonders die Spitzengastronomie hat sich verteuert: Zwischen 2021 und 2024 stiegen die Preise dort doppelt so stark wie die allgemeinen Lebenshaltungskosten. Die im Januar 2026 erfolgte Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent kommt den Gästen nur begrenzt an, weil viele Betriebe die Differenz offenbar zur Stabilisierung einsetzen mussten: Eine DEHOGA-Befragung unter rund 2.000 Betrieben zeigt, dass 73,4 Prozent ihre Preise stabil hielten, um gestiegene Betriebskosten zu kompensieren. Ein weiterer Effekt ist damit absehbar: Neue Küchentechnik wie Airfryer kann zwar Prozesse unterstützen, doch die Kostenstruktur bleibt in der Preisstrategie ein dominanter Faktor.

Unterm Strich entsteht ein Bild, in dem Verbraucherentscheidungen, Handelssortimente und lokale Regeln immer stärker zusammenwirken. Der Weg vom Kohlegrill hin zu Gas oder Elektro ist ebenso ein Thema wie die Frage, ob „Gerätespezifische“ Produkte wirklich einen Mehrwert liefern. Gleichzeitig deuten die Marktanteilsverschiebungen bei Brot und die Importabhängigkeit bei Birnen darauf hin, dass Nachfrage nicht automatisch zu regionaler Verfügbarkeit führt. Für Unternehmen in Food und Gastronomie bedeutet das: Wer erfolgreich sein will, muss sowohl Produktnutzen als auch Prozess- und Kostenlogik sauber aufeinander abstimmen – sonst wird aus einer vermeintlichen Trendwende schnell ein weiteres Preisdilemma.


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