MEMMINGEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Schweizer Plant-Breakfast-Anbieter Planted will seine Produktionskapazität in Memmingen, Deutschland, verdoppeln. Die neue Linie nutzt eine feststoffbasierte Fermentation in Kammern, nachdem extrudierte Proteine zuvor geformt wurden. Ziel sind zusätzliche Steak- und Whole-Muscle-Produkte sowie der Ausbau in neue Kategorien wie Cold Cuts. CEO Pascal Bieri verknüpft die Wachstumspläne mit einer möglichen B2B-Strategie, bei der lokale Partner die weiterverarbeiteten Produkte entwickeln könnten.

Planted will in Memmingen Kapazität verdoppeln und mit Fermentations-„Muskel“-Plattform B2B skalieren
Planted will in Memmingen Kapazität verdoppeln und mit Fermentations-„Muskel“-Plattform B2B skalieren (Foto: IT BOLTWISE)
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Planted setzt in Deutschland auf eine klare Skalierungsfrage: Wie viel Volumen lässt sich mit einer technologiegetriebenen Wertschöpfung zusätzlich erzeugen, ohne dass Qualität, Textur und Herstellkosten außer Kontrolle geraten? Der Schritt nach Memmingen ist dabei weniger als reines „Mehr von demselben“ gedacht, sondern als Ausbau einer proprietären Solid-State-Fermentation-Plattform. Laut Unternehmensangaben soll die Kapazität im Werk Memmingen, das 2025 eröffnet wurde, verdoppelt werden, um die steigende Nachfrage nach Steaks und weiteren Produkten zu bedienen. Technisch beschreibt Planted den Prozess als Kombination aus Extrusion und anschließender Fermentation in Kammern, wodurch aus extrudierten Proteinen „riesige, muskelähnliche Stücke“ entstehen, die sich anschließend formen, schneiden, pökeln, marinieren und verarbeiten lassen.

Für die industrielle Umsetzung ist vor allem das Zusammenspiel der beiden Prozessschritte relevant. Extrusion liefert zunächst die Grundstruktur, während die feststoffbasierte Fermentation in einem nachgelagerten Schritt zusätzliche Textur, Geschmack und „Juiciness“ erzeugen soll. Dass das System nach Aussagen von CEO Pascal Bieri relativ kapitaleffizient sei, deutet auf einen Ansatz hin, bei dem weniger eine rein chemisch-enzymatische Umformung im Vordergrund steht, sondern ein verarbeitbares Zwischenprodukt entsteht, das sich anschließend relativ flexibel in unterschiedliche Endformen bringen lässt. Planted ordnet die Plattform außerdem in ein Produktportfolio ein, das über klassische Retail-Steaks hinausgeht: Die Memmingen-Stätte fokussiert dabei nach Unternehmensbeschreibung auf Produkte, die mit Fermentation hergestellt werden, während die ursprüngliche Anlage in Kemptthal in der Schweiz Extrusion, Schneiden, Slicen, Würfeln, Spießen, Marinieren und Verpacken für die Kernrange übernimmt.

Konkrete Größenordnungen liefern ein pragmatisches Bild für den Status quo: In Memmingen produziert die Anlage derzeit etwa acht Tonnen pro Tag. Zusammen mit Kemptthal kommt Planted auf rund 20 bis 25 Tonnen täglich, wobei sich der Mix laut Angaben zu etwa 50:50 zwischen Retail und Foodservice bewegt. Damit erklärt sich auch, warum das Unternehmen in mehreren Ländern aktiv ist, aber bei begrenzter Kapazität priorisieren muss. Planted nennt aktive Listungen bei Tesco, Albert Heijn und Carrefour in den Niederlanden, Frankreich und dem Vereinigten Königreich. Gleichzeitig verschiebt sich die regionale Schwerpunktsetzung auf den DACH-Raum, während man langfristig Verbraucher in ganz Europa erreichen will. Für den Markt ist das vor allem deshalb bedeutsam, weil Plant-based Fleisch in den USA laut Bieri zuletzt besonders im Handel stark unter Druck stand, während Deutschland als Wachstumsmarkt herausragt.

Genau an dieser Stelle verknüpft Planted Produktion mit Marktmechanik. Bieri nennt für Deutschland einen Anstieg der Retail-Umsätze mit „alt meat“ um 7,2 % im ersten Quartal; parallel habe Planted selbst 49 % Wachstum erreicht, angetrieben durch mehr Distribution und eine hohe Absatzgeschwindigkeit, besonders bei Steak-Produkten. Österreich und Italien seien ebenfalls im Wachstum, während die Schweiz „weitgehend flach“ liefe. Spanien werde dagegen als rückläufig beschrieben, das Vereinigte Königreich bleibe „ein wenig schwierig“. Entscheidend ist dabei nicht nur die Zahl, sondern die Konsequenz: Wenn Kapazität ein Engpass bleibt, müssen Produktmix und Vermarktung nach Ländern und Kanälen so gewählt werden, dass Volumen und Marge gleichzeitig optimiert werden. Dass Planted gleichzeitig eine interne Neuausrichtung durchlaufen hat, passt in dieses Bild: Bieri sagte, das Unternehmen habe über ein Jahr rund 11 % der Belegschaft abgebaut und beschäftige nun 231 Personen. Er ordnet die Maßnahme als „readjustment to the future“ ein und verweist auf weiterhin stattfindende direkte Gespräche wie Townhalls.

Technologie wird bei Planted damit nicht nur als Produktmerkmal verkauft, sondern als potenzieller Plattform-Asset gedacht. In der Vergangenheit verkaufte das Unternehmen Produkte primär unter eigener Marke. Langfristig könnte die Fermentationsplattform jedoch auch als Grundlage für semi-fertige Zwischenprodukte dienen, die lokale Marken, Hersteller oder Metzgereien weiterverarbeiten. Bieri beschreibt das als eine Art „Karkassen“-Analogie: Planted würde das fermentierte „Muscle“ im Bulk herstellen, während Partner in den jeweiligen Märkten zusätzliche Verarbeitung und Produktentwicklung übernehmen. In Frankreich „explore“ Planted laut den Aussagen neue Partnerschaften und Geschäftsmodelle. Dabei adressiert der CEO auch Marken-Friktionen offen: Ein „besseres Protein“ müsse nicht automatisch mit einer überregionalen Marke identisch sein, und lokale Geschmäcker sowie lokale Markenstrukturen könnten im Wettbewerb sogar Vorteil bieten. Für Entscheider in der Lieferkette ist das ein spannender Hebel, weil ein B2B-Modell die Nachfrage-Sensitivität einer einzelnen Retail-Marke reduzieren kann, gleichzeitig aber neue Anforderungen an Qualitätssicherung, Spezifikationsmanagement und Prozessstabilität entlang der Partnerwerke stellt.

Schließlich zeigt Planted, dass selbst regulatorische Spracheffekte in Produktkommunikation harte operative Nebenwirkungen haben können. In der Schweiz änderte das Unternehmen Produktnamen nach einer Gerichtsentscheidung, die bestimmte Begriffe in plant-based Namensgebungen untersagt; erlaubt blieb laut Bieri jedoch, Konsumenten anzuleiten, Produkte „wie Hühnchen“ zuzubereiten. Interessant ist seine Beobachtung, dass Volumen nach dem Labelwechsel gestiegen seien und man Preise mit einigen Partnern angepasst habe, sodass sich ein direkter Kausalzusammenhang nicht sauber bestimmen lasse. Genau diese Mischung aus technischer Weiterentwicklung, Marktaufbau und Lieferketten-Realität mündet in die übergreifende These des Unternehmens: Bieri hält den adressierbaren Markt für „den gesamten Proteinmarkt“ und erwartet, dass bessere Technologien, bessere Unit Economics und bessere Produkte sich durchsetzen. Dabei weist Planted das „Alt-Protein“-Label zurück und sieht die Zukunft als breitere Proteinlandschaft, in der tierische, pflanzliche und zellbasierte Produkte nebeneinander wachsen.

Für die nächsten Monate ist deshalb weniger die reine Kapazitätserhöhung entscheidend, sondern die Frage, wie stabil die Plattform auch in neuen Produktkategorien bleibt. Planted nennt als Beispiele Cold Cuts, bei denen aus einem „whole muscle“ dünne Stücke erzeugt und weiterverarbeitet werden. Zudem soll eine Launch-Planung für ein angekündigtes minced meat vom gleichen Plattformansatz kommen; allerdings reiche die Kapazität laut Bieri noch nicht, um die erwartete Kundennachfrage vollständig zu bedienen. Wenn Planted die Memmingen-Erweiterung wie geplant umsetzt, entsteht Spielraum für mehr Geschwindigkeit in Sortiment und Vertrieb, und zugleich kann die B2B-Option mit größerem Tooling – also mehr fermentierten Ausgangsmustern, die sich in unterschiedliche Endprodukte übersetzen lassen – realistischer werden. Das ist ein Aufbaupfad, der das Unternehmen sowohl gegen die Volatilität im Retail als auch gegen die Systemkostenfrage in der Produktion absichern soll, ohne die zentrale Prozesslogik aus Extrusion und feststoffbasierter Fermentation aus dem Blick zu verlieren.


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