LONDON (IT BOLTWISE) – Die DSW hat die Vergütungen der DAX-Vorstände für 2025 veröffentlicht: Christian Klein von SAP kam auf 10,851 Millionen Euro, das sind 29.810,44 Euro pro Tag. Auch Deutsche-Bank-CEO Christian Sewing nähert sich der Zehn-Millionen-Grenze mit 10,501 Millionen Euro. Laut Auswertung steigt die Ungleichheit gegenüber den Beschäftigten erneut deutlich. Zusätzlich zeigt der Report, wie stark variable Anteile an Kurs- und Zielkennzahlen gekoppelt sind.

Die Diskussion um Vorstandsgehälter bekommt im DAX erneut messbaren Nachdruck: Christian Klein, Chef des Software-Konzerns SAP, erhielt 2025 insgesamt 10,851 Millionen Euro. Teilt man diese Summe durch 365 Tage, entspricht das 29.810,44 Euro pro Tag. Noch auffälliger wird das Verhältnis zur Belegschaft, weil die Untersuchung nicht nur absolute Vergütung betrachtet, sondern auch den Abstand zwischen Top-Management und durchschnittlichen Beschäftigten in Deutschland. Für 2025 nennt der Report als Referenz ein durchschnittliches Bruttogehalt von 54.066 Euro, wie es vom Statistischen Bundesamt ausgewiesen wird.
Damit liegt Klein zwar klar im Spitzenfeld, allerdings nicht allein: Deutsche-Bank-CEO Christian Sewing verbesserte sich in der Rangliste mit 10,501 Millionen Euro von Rang 3 auf Rang 2. Den größten Rückschlag innerhalb der Topgruppe verzeichnete im selben Kontext VW-Manager Oliver Blume: Nachdem er zwei Jahre lang die Zehn-Millionen-Grenze überschritten hatte, fielen seine Bezüge auf 8,956 Millionen Euro und damit auf Rang 6. Komplettiert wird das Bild durch Jens Birgersson von Brenntag am unteren Ende der Tabelle: Mit 1,095 Millionen Euro lag er bei knapp einem Zehntel dessen, was Klein erhielt. Für Unternehmen und Aufsicht ist das weniger eine Frage individueller Leistung, sondern eine Strukturfrage: Welche Vergütungsmodelle bringen in der Praxis welche Gewichtung zwischen Fixum, Zielen und Marktmechanik auf den Weg?
Genau hier setzt die Methodik der DSW-Auswertung an. Seit 2000 untersucht die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, was Topmanager in DAX-Konzernen verdienen, und lässt dabei Fachleute der Technischen Universität München aus den Bereichen Controlling und Financial Accounting in die Analysen einfließen. Laut Beschreibung stützen sich die Berechnungen unter anderem auf Geschäfts- und Vergütungsberichte der Unternehmen. Entscheidend ist: Betrachtet wird nicht nur das feste Grundgehalt, sondern auch variable Bestandteile, die üblicherweise an das Erreichen von Zielen gekoppelt sind. In der Theorie sollen die Bonusmechanismen sowohl Aktionäre als auch Belegschaft begünstigen, wenn die gesetzten Kriterien erreicht werden. Dazu zählen laut Bericht unter anderem Kennzahlen wie steigender Aktienkurs, mehr Umsatz oder ein besonders ambitionierter Umbau – und sogar das Erreichen seltenerer Vorhaben, etwa „mehr Einsatz“ von Künstlicher Intelligenz.
Für 2025 lässt sich zudem ablesen, wie stark sich die durchschnittlichen Vorstandsbezüge zwischen den Konzernen bewegen. Über alle DAX-Unternehmen hinweg lag der Schnitt bei 3,909 Millionen Euro, nominal ein Plus von 4,0 Prozent. Das bewegt sich leicht unter dem allgemeinen Lohnplus von 4,2 Prozent in Deutschland, zeigt aber: Der Kapitalmarkt agiert oft mit eigener Geschwindigkeit. Siemens Energy stach mit einem Plus von 176,7 Prozent auf 3,441 Millionen Euro heraus – der Grund lag im vorzeitigen Ablösen einer Bundesbürgschaft, wodurch variable Vergütungen wieder möglich wurden, die zuvor ausgeschlossen waren. Umgekehrt gab es bei Mercedes-Benz den größten Rückgang: minus 18,8 Prozent auf 3,535 Millionen Euro. Der Report führt das mit der Einschätzung zusammen, dass die Luxusstrategie nicht die erhoffte Tragfähigkeit hatte.
Spürbar wird die steigende Ungleichheit aber besonders im Faktorvergleich. Laut Auswertung bekamen etwa bei Adidas die Topmanager das 106-Fache dessen, was der Konzern im Schnitt für die Mitarbeiter aufwendet. VW folgt mit dem 75-Fachen auf Rang 2, vor Fresenius mit dem 70-Fachen. Im DAX-Mittel erhielten Topmanager das 42-Fache, ebenfalls mehr als im Vorjahr; der Bericht bewertet das als Zeichen dafür, dass die Kluft weiter wächst. Interessant ist, dass es gleichzeitig Ausnahmen gibt: Bei der Porsche SE klafft der Abstand am wenigsten auseinander, dort beträgt der Faktor 3. Die Holding der Familien Porsche und Piéch zahlt damit im Vergleich zu anderen im DAX „recht wenig“, während die Beschäftigten mit im Schnitt fast 600.000 Euro vergleichsweise hoch liegen. Auch die Größenordnungen der Belegschaften werden genannt: Porsche SE beschäftigt rund 50 Personen, Adidas knapp 65.000 – Unterschiede, die beim Faktorvergleich zwangsläufig eine Rolle spielen.
Für die Einordnung lohnt außerdem der Blick über den europäischen Tellerrand. Im Eurostoxx 50, also im Rahmen der großen börsennotierten Unternehmen Europas, wird nach Angaben aus dem Report mit deutlich höheren absoluten Summen gearbeitet. Michel Doukeris erhielt dort 63,9 Millionen Euro und damit am meisten, gefolgt von Francesco Milleri mit 33,2 Millionen Euro. SAP-Chef Klein landet in diesem Vergleich auf Rang 6 und zeigt damit, dass die DAX-Spitze international zwar konkurrenzfähig bleibt, aber nicht automatisch die Spitze bildet. Noch stärker ausgeprägt sind die Summen in den USA: Als Topverdiener im Dow-Jones-Industrial-Average wird 2025 David M. Salomon genannt, dessen Vergütung auf umgerechnet 105,3 Millionen Euro kommt. Das entspricht 288.493,15 Euro pro Tag, während Microsoft-CEO Satya Nadella mit 85,5 Millionen Euro auf Rang 2 kam. Auffällig ist dabei die strukturelle Besonderheit: In vielen US-Unternehmen ist das fixe Gehalt im Vergleich gering, fast 80 Prozent der Vergütung sollen variabel sein und langfristig vor allem an den Aktienkurs gekoppelt sein. Wenn der Markt 2025 besonders gut lief, verstärkt das entsprechend auch die varianzgetriebene Auszahlungsdynamik.
Gerade für deutsche Konzerne und deren Governance ist damit klar: Die Diskussion um Vergütung wird zunehmend eine Frage von Anreizarchitektur statt nur von Verhandlungsmacht. Der Report deutet an, dass hohe Vergütungen im Ausland auch mit ein Grund dafür sein könnten, dass nicht-deutsche Vorstandsmitglieder im Schnitt mehr verdienen (4,175 Millionen Euro) als ihre deutschen Kollegen (3,808 Millionen Euro). Offenbar zählt nicht nur die Aufgabe und Verantwortung, sondern auch, welche finanziellen Anreize nötig sind, um Führungskräfte zu gewinnen. Für Unternehmen bedeutet das praktisch: Wer variable Vergütungsanteile stark an Kurs- und Zielkennzahlen knüpft, braucht robuste Zieldefinitionen und eine konsistente Kommunikation, wie die Wertschöpfung tatsächlich in Ergebnisse übersetzt. Gleichzeitig stellt sich die gesellschaftliche Frage nach der Akzeptanz: Wenn die Belegschaftsseite nicht im gleichen Takt profitiert, wächst die politische und betriebsinterne Spannung – selbst dann, wenn ein Teil der Vergütung formal an Unternehmensziele gekoppelt ist.
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