HEILBRONN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Sporthändlerverbund Intersport treibt neue Standorte schneller als geplant voran. Der Vorstandschef von Intersport Deutschland, Alexander von Preen, kündigte an, das Ziel von 100 neuen Standorten bis 2030 früher zu erreichen. Bis Ende September des laufenden Geschäftsjahrs wurden bereits 13 Neueröffnungen gemeldet, darunter unter anderem Herford, Göttingen und Bochum. In den kommenden Wochen sollen weitere Geschäfte hinzukommen, während der Wettbewerb mit Decathlon über neue Ladenformate weiter an Fahrt gewinnt.

Intersport signalisiert mit einer beschleunigten Filialexpansion deutlich mehr Tempo als noch im bisherigen Plan. Alexander von Preen, Vorstandschef von Intersport Deutschland, sagte, er erwarte, das Ziel von 100 neuen Standorten bis 2030 früher zu erreichen. Eine konkrete zusätzliche Zahl nannte er zwar nicht, die Begründung war jedoch klar: Auf der Deutschlandkarte gebe es noch genügend „weiße Flecken“. Für die Strategie ist das mehr als nur ein Stand der Dinge, denn die Standortdichte entscheidet im stationären Sporthandel häufig darüber, wie effizient Marketing, Lieferzyklen und die Auslastung von Flächen zusammenwirken.
Operativ zeigt sich die Dynamik bereits im laufenden Geschäftsjahr, das bei Intersport Deutschland wie bei vielen Handelsunternehmen von Anfang Oktober bis Ende September läuft. Bis Ende September wurden den Angaben zufolge bislang 13 neue Intersport-Geschäfte eröffnet, darunter Herford, Göttingen, Bochum, Schapen, Essen, Nürnberg, Cottbus, Freising, Bad Zwischenahn und Nordhorn. Ursprünglich waren für das laufende Jahr neun Neueröffnungen vorgesehen. Gleichzeitig verwies der Manager darauf, dass die selbstgesteckten Ziele damit „deutlich“ übertroffen werden sollen. Allerdings muss man bei der Interpretation der Expansionszahlen unterscheiden: In die Gesamtzahl der vergangenen Jahre von 56 neuen Läden fließen auch Erweiterungen und die Umstellung bestehender Geschäfte auf die Intersport-Markenidentität ein.
Technisch und wirtschaftlich betrachtet liegt der Hebel weniger in der reinen Anzahl neuer Türen, sondern in der Fähigkeit, unterschiedliche Shop-Konzepte konsistent auszurollen. Intersport setzt dabei neben einem vergrößerten Netz von Premium-Geschäften auch auf sogenannte „Superstores“, die Familien und Kunden ansprechen sollen, die besonders preissensibel sind. Solche besonders großen Formate seien bereits in Chemnitz und Halle an der Saale verfügbar; für die kommenden Jahre sollen laut Preen 10 bis 15 weitere hinzukommen. Genau hier entsteht zugleich ein Wettbewerbsdruck: Decathlon drängt seit einiger Zeit mit neuen Ladenkonzepten verstärkt in deutsche Innenstädte, wodurch sich die Frage stellt, wie Intersport die eigene Wertigkeit in der Markenführung mit flächeneffizienter Sortiments- und Preislogik verbinden kann.
Die Marktlage liefert den Rahmen, in dem diese Standortstrategie wirkt. Kurz vor Ende des Geschäftsjahrs gab sich Preen zwar vorsichtig optimistisch, aber ohne eine konkrete Prognose zum Ausgang. „Wir schlagen uns nicht schlecht“, sagte er und machte dafür vor allem die Verbund-Stärke und die Entwicklung der verschiedenen Handelsformate verantwortlich. Zudem nannte er die Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika als zusätzlichen Wachstumsimpuls: Intersport habe im Zuge des Turniers mehr als 600.000 Trikots verkauft, das entspreche rund einem Fünftel mehr als bei der Heim-EM 2024, bei der etwa eine halbe Million Jerseys abgesetzt worden sei. Selbst das frühere Ausscheiden der deutschen Mannschaft habe die Nachfrage nicht gebremst.
Gleichzeitig zeigt die Konsumstimmung, warum neue Flächen nicht automatisch zu besseren Ergebnissen führen. Preen verwies darauf, dass Kunden in Deutschland „extrem zurückhaltend“ seien: Nach vielen schlechten Nachrichten, auch aus der Wirtschaft, werde mehr gespart und weniger ausgegeben. Die Aussage lässt sich betriebswirtschaftlich übersetzen: Bei schwächerer Verbraucherstimmung werden häufig einzelne Kategorien priorisiert, während andere auf später verschoben werden. Entsprechend stagnierte der Intersport-Außenumsatz im Geschäftsjahr 2024/25 bei 3,46 Milliarden Euro; im Vergleich zum Rekordjahr 2022/23 ging er damit um gut ein Prozent zurück. In den ersten Monaten des Folgezeitraums habe sich das Geschäft jedoch wieder verbessert, was darauf hindeutet, dass sich Nachfrage und Angebot über den Jahresverlauf glätten können, wenn Sortimentstiefe und lokale Frequenz stimmen.
Für den weiteren Verlauf ist entscheidend, wie Intersport die beschriebenen Formate mit der Wachstumsplanung verzahnt. Intersport hatte das Expansionsziel bereits 2023 ausgegeben, um die eigenen Wachstumsziele zu erreichen, und will bis Ende des Jahrzehnts den Umsatz im Tagesgeschäft und durch Zukäufe auf etwa sechs Milliarden Euro steigern. Gleichzeitig wird ein Marktanteil von gut 30 Prozent in Aussicht gestellt. In der Praxis bedeutet das: Jede zusätzliche Standorteröffnung muss nicht nur die Einkaufskraft im Einzugsgebiet treffen, sondern auch die interne Abstimmung von Warenbeständen, Markenführung und Kostenstruktur im Verbund tragen. Damit steht neben dem Ausbau der Filialzahlen vor allem die Skalierung der Superstores im Fokus, weil dort die Preissensibilität der Kundschaft am stärksten in ein belastbares Umsatzmodell übersetzt werden muss.
Aus Investorensicht und für die strategische Planung bei Wettbewerbern ist damit eine klare Botschaft verbunden: Intersport setzt auf Wachstum über Präsenz, aber nicht über eine einheitliche Ladenlogik, sondern über segmentierte Formate. Wenn 10 bis 15 weitere Superstores in den kommenden Jahren hinzukommen, dürfte der Kampf um Frequenz in Innenstädten und Einkaufsregionen intensiver werden. Gleichzeitig bleibt die externe Unsicherheit ein Thema, die Preen ausdrücklich nicht wegwischte. Unternehmen, die im Sporthandel investieren, sollten deshalb genau beobachten, wie sich die Expansion auf die Umsatzentwicklung pro Standort auswirkt und ob das Frühereichen des 100-Standorte-Ziels bis 2030 die erwartete Rendite nicht nur in guten, sondern auch in durchwachsenen Konsumphasen stabilisieren kann.
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