LONDON (IT BOLTWISE) – Nordkoreanische Akteure sollen Anfang Juni über 286 Millionen US-Dollar aus dem auf Solana basierten Drift Protocol entwendet haben. Der Zugriff soll über kompromittierte administrative Private Keys erfolgt sein, wodurch mehrere Vaults geleert wurden und der Total Value Locked (TVL) massiv einbrach. Gleichzeitig zeigen weitere Kampagnen, wie stark Angriffe inzwischen auf Phishing, Wallet-Diebstahl und kompromittierte Software-Lieferketten setzen. Für Teams mit CI/CD- und Open-Source-Routinen entsteht dadurch ein zusätzlicher Sicherheitsdruck, der nicht nur Smart-Contract-Audits betrifft.

Drift Protocol: Nordkorea stiehlt 286 Millionen Dollar – und weitet Angriffe auf Lieferketten aus
Drift Protocol: Nordkorea stiehlt 286 Millionen Dollar – und weitet Angriffe auf Lieferketten aus (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Angriff auf das auf Solana basierte Drift Protocol trifft die Krypto-Branche diesmal nicht nur als einzelner Exploit, sondern als sichtbare Kette aus Identitätsdiebstahl, Tokenabfluss und anschließendem Folgerisiko für angeschlossene Ökosysteme. Anfang Juni verlor das Protokoll rund 286 Millionen US-Dollar, wie Sicherheitsanalysten aus dem Umfeld der Blockchain-Sicherheitsforschung nachvollzogen haben. Auffällig ist, dass der Vorfall als der 18. Angriff dieser Kategorie im Jahr 2026 eingeordnet wurde; das unterstreicht weniger das „ob“ als das „wie schnell“ solche Vorfälle operativ abgearbeitet und anschließend weiterverwendet werden.

Technisch betrachtet lag der Dreh- und Angelpunkt laut Bericht nicht in einem klassischen Schwachstellenfund im Smart-Contract-Code, sondern beim Zugriff auf kompromittierte administrative Private Keys. Mit diesen Schlüsseln sollen Angreifer mehrere Vaults geleert haben, darunter der JLP Delta Neutral sowie verschiedene „Super Staking“-Pools für Solana und Bitcoin. In der Praxis heißt das: Wer Kontrolle über Schlüssel und Verwaltungsebenen erlangt, muss nicht zwingend den gesamten Codepfad „knacken“, sondern kann Werte direkt abziehen. Die Folgen waren entsprechend unmittelbar: Der Total Value Locked (TVL) des Protokolls stürzte von rund 550 Millionen auf unter 250 Millionen US-Dollar ab.

Beim Abfluss folgt dann häufig die zweite Phase, die für Incident-Response-Teams besonders schwer einzugrenzen ist: die Umwandlung der gestohlenen Vermögenswerte in Stablecoins und die anschließende Verlagerung ins Ethereum-Netzwerk über Brückendienste. Genau diese Brücken-Nutzung macht Ermittlungen komplex, weil Tokenbewegungen durch unterschiedliche Ledger-Logiken, verschiedene Kontraktzustände und mehrere Router-Mechanismen laufen können. Entscheidend ist aber auch die operative Lernkurve der Täter: In diesem Jahr haben nordkoreanische Gruppen laut Branchenaufzeichnungen bereits über 300 Millionen US-Dollar erbeutet, und für 2025 wird sogar von mehr als 2 Milliarden US-Dollar gesprochen. Das deutet darauf hin, dass Angriffe nicht nur häufiger auftreten, sondern sich die Muster – von direkten Exploits bis zur Umgehung von Kontrollen – zunehmend parallelisieren.

Besonders problematisch für Unternehmen und Entwickler ist die Verzahnung mit Phishing. Seit Monaten läuft demnach eine Kampagne unter dem Namen UNK_DeadDrop: Zwischen April und Mai 2026 sollen über 250 E-Mails an Firmen aus Technologie, Bildung, Finanzen und Kryptowährungen gegangen sein, gezielt an etwa 100 Organisationen, vorwiegend in den USA. Die Tarnung setzt auf gefälschte Jobangebote, Code-Reviews oder Programmieraufgaben. Auf Plattformen wie GitHub und GitLab sollen Angreifer bösartige Repositories hosten, die eine versteckte Konfigurationsdatei mitbringen und automatisch Schadsoftware starten, sobald das Projekt in gängigen Entwicklungstools wie Visual Studio Code oder Cursor geöffnet wird.

Für die reale Angriffsfläche zeigt der Bericht danach sehr konkrete Ziele: Die Malware soll auf Kryptowallet-Zugangsdaten ausgerichtet sein, darunter MetaMask, Phantom, Keplr, Exodus, Electrum und Ledger Live. Auf Linux- und macOS-Systemen wird dabei ein Go-basierter Trojaner namens Overlord genannt, während Windows-Rechner angeblich mit dateiloser JavaScript-Malware infiziert werden. Genau solche Details erklären, warum „nur“ der Schutz der Wallet selbst nicht reicht: Viele Teams betreiben ihre Entwicklung an Workstations mit Browser- und Wallet-Zugängen, und wenn Schadcode im Kontext eines Repository-Imports startet, kann er Credentials aus derselben Benutzerumgebung ziehen, in der auch legitime Entwickleraktionen stattfinden.

Noch breiter wird das Risiko durch die Lieferkettenkomponente. Am 8. Juni 2026 wurde bekannt, dass ein Wurm namens Miasma 73 Microsoft-eigene GitHub-Repositories infiziert haben soll – darunter auch Repositories für Azure und Microsoft Docs. Der Wurm soll gestohlene Anmeldedaten genutzt haben, um bösartigen Code in die eigenen Repositories der Opfer einzuschleusen, und sich über vertrauenswürdige Entwicklungspipelines verbreitet haben. Berichten zufolge wird der Schadcode zudem automatisch über KI-gestützte Codierungstools und Kommandozeilen-Schnittstellen ausgeführt; damit rückt die Frage in den Fokus, wie Organisationen ihre Build- und Deployment-Pipelines so absichern, dass „vertrauenswürdig“ nicht automatisch „angreifbar“ bedeutet.

Die Angriffsserie setzte laut Darstellung auf Vorfälle davor fort: Am 1. Juni 2026 soll der Miasma-Wurm 32 npm-Pakete von Red Hat Cloud-Diensten kompromittiert haben, und in einer weiteren Welle am 3. und 4. Juni sollen Dutzende zusätzliche Pakete befallen gewesen sein. Ergänzend kommt ein separater Fall aus dem Wallet- und Liquiditätsumfeld hinzu: Bei Stabble haben Nutzer laut Bericht die Plattform auffällig zur Liquiditäts-Rückführung aufgefordert bekommen, um Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Hier sprechen On-Chain-Analysten von Vorwürfen, wonach ein ehemaliger Mitarbeiter mit möglichen Verbindungen nach Nordkorea an einem verwandten Projekt gearbeitet haben soll; das erst seit vier Wochen amtierende Management soll Untersuchungen eingeleitet haben, eine abschließende Bewertung bleibt damit vorerst offen.

Auch außerhalb des Drift-Falls zeichnet sich ein Muster ab: Konni soll nach Erkenntnissen von Check Point auf KI-generierte Malware setzen, um Entwickler in Indien, Japan und Australien anzugreifen. Der Startpunkt sei häufig Discord, wo eine komprimierte Datei mit einem bösartigen Link als PDF getarnt wird. In der Summe zeigt der Bericht damit eine robuste Angriffsvorliebe: nicht nur Smart-Contract-Parameter werden ins Visier genommen, sondern der gesamte Produktions- und Interaktionskontext rund um Krypto-Apps – von Social Engineering über Wallet-Zugriffe bis hin zur Software-Lieferkette. Für Sicherheitsverantwortliche heißt das vor allem, dass Kontrollen stärker „pipeline-orientiert“ werden müssen, etwa durch reproduzierbare Builds, strenge Dependency-Prüfungen und die konsequente Reduktion von Secrets in Build-Kontexten, damit ein einzelner kompromittierter Schritt nicht zur Masseninfektion wird.


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