BONN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Bundesnetzagentur berichtet, dass die erste Ausschreibung für „Langzeitkapazitäten“ nach dem Versorgungssicherheitsgesetz deutlich überzeichnet ist. Damit beginnt nun die formale Prüfung der Gebote, insbesondere ob alle Teilnahmevoraussetzungen erfüllt sind. Vorgesehen ist, dass die Zuschläge spätestens am 3. November bekanntgegeben werden. Die ausgeschriebenen Anlagen sollen als Backup in „Dunkelflauten“ einspringen und bis 2031 in Betrieb gehen.

Bundesnetzagentur startet Prüfung für Langzeitkapazitäten bei Backup-Kraftwerken
Bundesnetzagentur startet Prüfung für Langzeitkapazitäten bei Backup-Kraftwerken (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Ausschreibung für neue Backup-Kraftwerke sorgt bereits im ersten Schritt für starken Zulauf: Laut Mitteilung der Bundesnetzagentur ist die Runde für „Langzeitkapazitäten“ nach dem Gesetz zur Sicherung der Versorgungssicherheit und zur Bereitstellung neuer Kapazitäten „deutlich überzeichnet“. Konkret startet die Behörde heute mit der Prüfung der abgegebenen Gebote. Im Zentrum steht dabei nicht nur die Frage, ob ein Anbieter grundsätzlich teilnehmen darf, sondern ob die Bieter die Teilnahmevoraussetzungen erfüllen und ob Ausschlussgründe vorliegen. Für den Markt bedeutet das: Der Wettbewerb um künftige Vergütungen für Systemrelevanz wird sichtbar intensiver, noch bevor klar ist, welche Anlagen am Ende bezuschlagt werden.

Technisch ist der entscheidende Prüfstein das sogenannte Langzeitkriterium. Ein Gebot soll laut Bundesnetzagentur ausgeschlossen sein, wenn die betreffende Erzeugungsanlage dieses Kriterium nicht erfüllt. Dahinter steckt eine klare Fähigkeitsspezifikation: Die Anlage muss technisch in der Lage sein, ohne Unterbrechung für mindestens zehn aufeinanderfolgende Stunden Strom in das Netz einzuspeisen. Diese Vorgabe adressiert genau die Lücke, die im Stromsystem bei längeren Phasen geringer Erzeugung aus Sonne und Wind entsteht. Die Bundesagentur knüpft damit die wirtschaftliche Anschlussfähigkeit an eine messbare Betriebscharakteristik, nicht nur an kurzfristige Verfügbarkeitsversprechen.

Als besonders passend für diese Anforderungen nennt das Wirtschaftsministerium moderne und hocheffiziente Gaskraftwerke. Der Zeitpunkt der Realisierung wird ebenfalls fixiert: In einem Papier des Ministeriums heißt es, die bezuschlagten Anlagen müssten bis 2031 in Betrieb gehen. Damit verschiebt sich die Debatte über Gaskraftwerke von einer reinen Grundsatzdiskussion hin zu einem sehr konkreten Projekt- und Ausführungszeitplan. Auch der Systemcharakter ist klar: Die neuen Kraftwerke sollen im Zuge des schrittweisen Ausstiegs aus der Kohleverstromung bis 2038 die Versorgungssicherheit mit Strom gewährleisten und künftig als Backups in „Dunkelflauten“ einspringen, wenn Wind- und Solarleistung zusammenbrechen könnten.

Finanziell folgt auf die Zuschläge ein Modell aus Kapazitätsvergütung und Gegenleistung. Betreiber erhalten demnach eine Kapazitätsvergütung, müssen im Gegenzug die Anlagen verfügbar halten und so zur Versorgungssicherheit beitragen. Das ist im Kern ein Leistungsversprechen mit Betriebsanforderungen: Wer das System entlasten soll, muss in der Lage sein, auch bei ungünstigen Erzeugungsbedingungen verfügbar zu liefern. Für Investoren und Projektierer ist das relevant, weil damit Einnahmen nicht ausschließlich aus dem kurzfristigen Stromhandel folgen, sondern an die Funktion im Gesamtdeckungsgrad gekoppelt werden. Gleichzeitig entsteht für Betreiber ein wirtschaftlicher Anreiz, Verfügbarkeitsrisiken früh in der Planung zu adressieren – vom Anlagenkonzept über Wartungsstrategien bis hin zur Frage, wie die Betriebsführung die geforderte Dauerfähigkeit organisatorisch absichert.

Die Bundesnetzagentur ordnet die Maßnahme in eine mehrstufige Ausschreibungslogik ein: Geplant sind in den kommenden Jahren in mehreren Schritten weitere Ausschreibungen. Die erste Runde ist damit weniger ein Einmalereignis als vielmehr der Auftakt zu einem rollierenden Kapazitätsaufbau, der die schrittweisen Kohleausstiege zeitlich begleitet. Dass die Ausschreibung bereits jetzt „deutlich überzeichnet“ ist, kann verschiedene Ursachen haben: Es kann auf ein großes Interesse an langfristig planbaren Vergütungen hindeuten, aber auch darauf, dass mehrere Bieter ähnliche technischen Qualifikationen und Projektzeitpläne erwarten. Wichtig wird in den nächsten Tagen vor allem, wie die Behörde die Gebote anhand der Teilnahmevoraussetzungen gewichtet und ob einzelne Projekte bereits an formalen oder technischen Ausschlusskriterien scheitern.

Auch der weitere Verlauf bleibt dynamisch, denn die Bundesnetzagentur will die Zuschläge spätestens am 3. November bekanntgeben. Bis dahin läuft die Gebotsprüfung, die nach der Darstellung insbesondere die Konformität mit den Voraussetzungen betrifft. Für Unternehmen in der Wertschöpfungskette – von Anlagenbau über Komponentenlieferanten bis hin zu Service- und Betriebsdienstleistern – heißt das: Der Bedarf wird zwar zunehmend greifbar, aber die konkrete Auswahl der bezuschlagten Projekte bleibt abwartend. Entscheidend ist dabei, dass die Ausschreibung nicht nur den Bau neuer Kapazitäten anstößt, sondern die technischen Betriebsfähigkeiten als Zugangsvoraussetzung definiert. Genau diese Kopplung von Vergütung und Langzeitfähigkeit macht die Runde strategisch: Wer liefern will, muss die relevanten Betriebszeiten wirklich beherrschen.


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