KÖLN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Militärische Abschirmdienst (MAD) warnt im Jahresbericht 2025 vor einer weiter verschärften hybriden Bedrohungslage in Deutschland. Neben Cyberangriffen nennt der Dienst auch Sabotage durch „Low-Level-Agents“ und verweist darauf, dass Deutschland als Aufklärungsziel russischer Aktivitäten priorisiert werde. Er beschreibt außerdem konkrete Risiken bei Reisen von Bundeswehrangehörigen nach Russland oder Belarus. Auch bei rechtsextremistischen Tendenzen in der Truppe sieht der MAD einen spürbaren Anstieg.

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) setzt im Jahresbericht 2025 einen deutlichen Schwerpunkt auf das Zusammenspiel mehrerer Bedrohungsarten. Im Kern geht es um hybride Angriffe, die nach Darstellung des Dienstes militärische, wirtschaftliche, geheimdienstliche und propagandistische Mittel verbinden. Dazu zählen laut Bericht Cyberattacken ebenso wie Drohnenangriffe und Versuche politischer Einflussnahme, die bis zu Störaktionen auf Verkehr, Energieanlagen und Telekommunikation reichen können. Für die Sicherheitsarchitektur in Deutschland ist dabei entscheidend, dass solche Aktivitäten nicht als einzelnes „Event“ auftreten, sondern als fortlaufendes Muster mit wechselnden Angriffszielen und wechselnder Intensität.
Technisch betrachtet spielt bei dieser Gemengelage vor allem die Tarnung eine zentrale Rolle: Der MAD beschreibt, wie Gegner im Ausland Informationen beschaffen und sich dabei strukturell organisieren. Als Instrument russischer Informationsbeschaffung nennt der Bericht sogenannte Legalresidenturen, also getarnte Stützpunkte russischer Nachrichtendienste in Botschaften oder halbstaatlichen Vertretungen. Genannt werden daneben Presseagenturen. Gerade für IT-Verantwortliche und Sicherheitsverantwortliche in Organisationen ist das relevant, weil solche Strukturen nicht nur auf klassische Spionage setzen, sondern ihre Zugänge in Informationsflüsse integrieren – etwa in Kontaktketten, Publikationsumfelder oder personelle Anbahnung. Im Ergebnis können Angriffe auf Netzwerke, Geräte und Entscheidungsträger entlang ganz unterschiedlicher Pfade erfolgen.
Besonders kritisch hebt der MAD zudem das Bedrohungspotenzial durch Sabotage hervor, das „erheblich zugenommen“ haben soll. Dabei spricht der Bericht von Einsätzen angeworbener Auftragsagenten, die als „Low-Level-Agents“ bezeichnet werden. Das Muster ist aus Verteidigungssicht plausibel: Statt nur auf hochqualifizierte operative Kräfte setzt man auf kurzfristig handhabbare Rollen, die in lokalen Umfeldern agieren und damit schwerer zuzuordnen sind. Gleichzeitig vermeidet der MAD in diesem Themenkomplex vergleichende Zahlenangaben für 2025, um Gegnern keine Rückschlüsse zu ermöglichen – ein Detail, das man nicht als Nebensatz lesen sollte. Es zeigt, wie eng die Sicherheitskommunikation mit der operativen Wirksamkeit von Abwehr und Aufklärung verknüpft ist.
Auch der Blick auf Deutschland als Zielraum fällt im Bericht klar aus: Der MAD ordnet das Land als „priorisiertes Aufklärungsziel russischer Spionageaktivitäten“ ein. Grund seien unter anderem die geostrategische Lage Deutschlands in Europa und der Nato, der Aufwuchs der Bundeswehr sowie die Einführung neuer Waffensysteme. Für Unternehmen, die eng mit Verteidigungs- oder Infrastrukturprojekten verbunden sind, ist das indirekt ebenfalls spürbar, denn ein Ausbau auf der militärischen Seite erhöht häufig den Bedarf an Zulieferern, Dienstleistungen und digitalen Betriebsprozessen. Der Bericht nennt zudem China als aktiven Akteur in Deutschland: Der MAD geht davon aus, dass zumindest einige Ausspähungen militärischer Infrastruktur – darunter Drohnenüberflüge und das Eindringen in Liegenschaften der Bundeswehr – auf chinesische Nachrichtendienste zurückzuführen seien. Solche Aktivitäten könnten, so die Darstellung, Teile der chinesischen Diaspora als „Brückenelemente“ nutzen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Jahresberichts betrifft konkrete Verhaltens- und Sicherheitsrisiken innerhalb der Bundeswehr. Der MAD äußert Sorge über Reisen von Soldaten nach Russland oder Belarus: Es sei festgestellt worden, dass trotz angespannter Sicherheitslage in den letzten Jahren zahlreiche Angehörige der Bundeswehr in diese Länder gereist seien und dabei in den Fokus russischer und belarussischer Nachrichtendienste geraten seien. Häufig handle es sich laut Bericht um Soldaten mit verwandtschaftlichen Beziehungen in diese Länder. Daraus resultiere eine besondere Gefährdung für Erpressungen und Bedrohungen durch Sicherheitsbehörden, heißt es. Für die IT- und Sicherheitsprozesse bedeutet das: Reise- und Zugangsinformationen müssen nicht nur administrativ erfasst, sondern auch kontextualisiert werden – mit Blick auf potenzielle Social-Engineering-Szenarien und die daraus entstehenden Angriffsflächen in Kommunikationskanälen.
Parallel verschiebt der MAD den Fokus auf Extremismus innerhalb der Truppe und verbindet das mit dem Thema „Entgrenzung“: Der Bericht registriert eine zunehmende Zahl von Verdachtsfällen wegen Extremismus in der Bundeswehr. Für 2025 nennt der MAD einen Anstieg der Neuaufnahmen der Fallbearbeitungen auf 610 gegenüber 524 im Jahr 2024. Vor allem die Hinweise auf Rechtsextremismus stiegen: 519 neue Fallbearbeitungen in diesem Phänomenbereich (2024: 413), was rund 26 Prozent entspricht. Zwar bleibt die Zahl der als rechtsextremistisch erkannten Personen im Vergleich stabil (11 im Jahr 2025, ebenfalls 11 im Jahr 2024), aber auch hier kommen „vorhaltbare Erkenntnisse“ hinzu – im Bericht werden 21 Personen mit Verdacht fehlender Verfassungstreue genannt, nach 26 im Vorjahr. Der MAD verweist außerdem auf Fälle um sexualisiertes Fehlverhalten, Drogen und Extremismus bei Fallschirmjägern in Zweibrücken, die „einen signifikanten Einfluss“ auf die Zahl der Neuaufnahmen gehabt hätten.
Daneben beschreibt der MAD eine verstärkte Dynamik durch neue rechtsextremistische Jugendgruppierungen, die sich laut Einschätzung seit Mitte des Jahres 2024 im virtuellen Raum über soziale Medien etablieren. Genannt werden „Jung & Stark“, „Deutsche Jugend Voran“ und „Der Störtrupp“. Interessant ist dabei die Feststellung, dass es Bezüge von Angehörigen des Geschäftsbereichs zu diesen neuen Jugendgruppierungen gegeben habe. Zudem werden die Gruppierungen in Zusammenhang mit rechtsextremistischen Störaktionen gegen öffentliche Veranstaltungen zum Christopher Street Day oder Angriffen auf politische Gegner gebracht. Ergänzend nennt der Bericht „Pedo-Hunting“ als eine weitere Aktionsform. Insgesamt unterstreicht die Entwicklung, dass Abwehrarbeit zunehmend auch digitale Radikalisierungs- und Vernetzungsmuster adressieren muss – nicht nur durch repressive Maßnahmen, sondern auch durch frühzeitige Erkennung von Verknüpfungen, Kommunikationsmustern und Rekrutierungswegen.
Der Bericht verbindet diese Lagebilder auch mit institutioneller Kapazität. Zum Stichtag 1. Dezember 2025 hatte der MAD rund 1.600 Bedienstete. Laut Bericht laufen Vorbereitungen für weitere MAD-Stellen im Inland über die bestehenden acht Dienststellen hinaus. Zudem seien Planungen für eine permanente MAD-Stelle in Litauen abgeschlossen. Dort will die Bundesregierung eine gefechtsbereite Panzerbrigade zum Schutz der Nato-Ostflanke stationieren. Für den Technologiebetrieb und die IT-Sicherheit in angrenzenden Bereichen heißt das: Wenn mehr Abwehrkapazität aufgebaut wird, steigt in der Regel auch der Bedarf an belastbaren Prozessen rund um Informationssicherung, Identitätsmanagement und Systemhärtung – weil hybride Angriffe genau dort ansetzen, wo Systeme, Zugänge und Menschen zusammenkommen. In diesem Kontext wird verständlich, warum der MAD seine Kommunikation gleichzeitig mit Zurückhaltung in Zahlen und mit konkretem Lagebeschreibungsmaterial koppelt.
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