LONDON (IT BOLTWISE) – XRP hat nach der US-Wahl 2024 einen Sprung von etwa 0,50 US-Dollar auf zeitweise 3,40 US-Dollar hingelegt. Der große Impuls war jedoch nicht allein politisch, sondern vor allem an regulatorische Schritte rund um Ripple gekoppelt. Für die bevorstehenden Midterms 2026 wird die eigentliche Frage: Lässt sich ein ähnlicher Mix aus Rechtssicherheit und Marktstimmung wieder herstellen? Die Historie zeigt zugleich, dass nach starken Runs oft ein ebenso harter Rücksetzer folgt.

Der XRP-Preissprung nach der US-Wahl 2024 gilt rückblickend als eine der deutlichsten „politischen Trades“ im Krypto-Sektor. Gleichzeitig macht die Kursgeschichte stur klar, dass Wahlen als alleiniger Treiber selten ausreichen, um langfristige Bewertungswechsel zu erklären. In den Daten, die in diesem Kontext herangezogen werden, ist der Ausgangspunkt schnell greifbar: Vor der Wahl am 5. November 2024 bewegte sich XRP um etwa 0,50 US-Dollar. Bis Mitte Januar 2025 stieg der Kurs dann auf rund 3,40 US-Dollar, also um etwa 580 %. Selbst danach setzte sich der Auftrieb fort; im Juli 2025 wurde ein Hoch um 3,65 US-Dollar genannt.
Der wichtige Knackpunkt für die Frage, was die Midterms 2026 leisten könnten, liegt im Zusammenspiel von Politik und Rechtsentwicklung. Laut der herangezogenen Chronologie war die Wahl nicht der einzige Katalysator: XRP war zuvor über Jahre durch regulatorische Unsicherheiten geprägt, die ihren Ursprung in der Klage der US-Börsenaufsicht SEC gegen Ripple im Dezember 2020 haben. Erst gegen Ende 2024 begann der Markt, eine günstigere regulatorische Lage für Kryptowährungen in den USA stärker einzupreisen. Als dann im Zuge der politischen Wende ein Kursimpuls einsetzte, der auch mit der Ankündigung des Rücktritts von Gary Gensler verbunden wurde, werteten Marktteilnehmer dies als Signal, dass sich das Verfahren dem Ende nähern könnte. Für die Kursdynamik heißt das: Ein Wahltermin kann kurzfristig als Stimmungstreiber wirken, aber er „entkoppelt“ sich schnell von der fundamentalen Frage, wie ein Rechtsverfahren konkret ausgeht.
Auch die weiteren Kursstationen folgen dieser Logik. In der Darstellung wird der größere Schub nicht nur mit einer politischen Konstellation verknüpft, sondern mit juristischen Schritten: Eine Vereinbarung zwischen Ripple und der SEC habe XRP bis auf etwa 3,65 US-Dollar am 18. Juli 2025 gebracht. Als die SEC anschließend im August die Berufungen fallen ließ, folgte laut Bericht ein weiterer Sprung um rund 23 % auf etwa 3,38 US-Dollar. Daraus lässt sich technisch-analytisch eine einfache Ableitung treffen: Für einen ähnlichen „Midterm-Effekt“ müssten sich diesmal Ereignisse ergeben, die über die reine Erwartungshaltung hinausgehen – also solche, die den Status eines Dockets unmittelbar verändern. Eine Wahl verschiebt zwar Narrative, räumt aber nicht von heute auf morgen Termine im Verfahren aus dem Kalender. Entsprechend wird der Vergleich zur Wahl 2024 nur dann belastbar, wenn es parallel zu einer echten regulatorischen Entspannung weitere Signale gibt.
Die zweite Lektion aus der Historie betrifft nicht den Auslöser, sondern den Verlauf nach dem Peak. XRP wird in der Chronologie als extrem volatil beschrieben: Nach der Euphoriephase gab es im Februar 2025 einen Rückgang um 33 % auf etwa 2,10 US-Dollar, gefolgt von einer Erholung bis nahe an das Julihoch. Danach kam ein erneuter Abverkauf, der im vierten Quartal 2025 den Kurs auf etwa 1,87 US-Dollar drücken ließ. 2026 setzte sich das Muster zunächst fort: Im Januar wurde zwar ein Rallypunkt bei etwa 2,41 US-Dollar genannt, doch schon früh folgte ein schneller Einbruch bis auf etwa 1,11 US-Dollar. Besonders aussagekräftig ist dabei der Vergleich zu früheren Niveaus: Als Tiefpunkte werden eine 19-Monats-Marke um 1,08 US-Dollar am 5. Juni und ein Boden bei etwa 0,99 US-Dollar im August beschrieben – damit lag XRP zeitweise wieder unter der „Sub-Dollar“-Schwelle, die es vor dem Post-Wahl-Run nicht gegeben hatte. Diese Rückabwicklung wird als etwa 73 % vom 3,65-Dollar-Zyklushoch eingeordnet. Genau diese Nachlaufphase sollte man bei der Interpretation der Midterms nicht ausblenden, denn sie zeigt, wie schnell Erwartungslogik in Bewertungslogik umkippen kann.
Ein weiterer, politisch unabhängiger Faktor erschwert die Übertragung des Wahl-Setups: die Veränderung des Token-Angebots. In der Darstellung wird betont, dass die zirkulierende Menge seit 2018 deutlich gestiegen ist – von ungefähr 34 Milliarden auf rund 63 Milliarden XRP. Dazu kommt ein Mechanismus über den Escrow: Ripple löse weiterhin monatlich bis zu eine Milliarde XRP aus dem Escrow, re-locke den Großteil anschließend aber wieder. Für die nächsten Jahre bedeutet das laut Beschreibung regelmäßig hunderte Millionen XRP, die dem Markt zufließen. Ökonomisch wirkt so ein Angebotseffekt wie eine Bremse: Selbst wenn die Nachfrage kurzfristig steigt, sinkt der relative Druck nach oben gegenüber früheren Phasen, in denen weniger Coins im „Preisbildungsraum“ lagen. Der Wahl-Run 2024/25 wurde damit in einem kleineren Angebotsrahmen möglich – ein Midterm-Run 2026 müsste in ein deutlich anderes Angebotsregime hineintreffen.
Gleichzeitig weist die Chronologie auf strukturelle Veränderungen hin, die die Marktreaktion künftig anders ausfallen lassen könnten. Demnach hat XRP inzwischen Status als „Commodity“ erhalten, zudem wurden Spot-ETFs auf den Weg gebracht, und es gibt eine neue Stablecoin-Variante namens RLUSD, deren Größe in der Darstellung mit 1,5 Milliarden US-Dollar beziffert wird. Solche Elemente können die Nachfragebasis verbreitern, weil sie nicht nur Trading-fokussierte Liquidität adressieren, sondern auch institutionellere Zugriffswege öffnen. Für den Trade um die Midterms heißt das: Selbst wenn ein „politisches Narrative-Fenster“ kurzfristig entsteht, braucht der Kurs am Ende Abnehmer, die die zusätzliche Angebotsmenge tatsächlich absorbieren. Kurzum: Volatilität allein ist kein Signal für nachhaltige Aufwärtsbewegungen – relevant ist, ob Nachfrage und Zugriffswege in der Breite mitziehen.
Ob XRP die Leistung der Phase rund um 2024 erneut wiederholen kann, wird in der vorliegenden Bewertung als unwahrscheinlich eingestuft – und zwar aus einem konkret benannten Grundmix: Die frühere Konstellation habe spezifische regulatorische Fortschritte mit einer breiteren Erholung im Krypto-Markt gekoppelt, und beide Faktoren würden sich beim erneuten Blick auf die Midterms nicht einfach „zurücksetzen“. Daraus ergibt sich auch ein technischer Marktplan, der in der Darstellung als Prüflogik formuliert wird: Für bullisches Momentum müsste XRP über 1,41 US-Dollar stabil bleiben, dann „überzeugend“ über 2 US-Dollar ausbrechen und erst danach in die Region um 3,65 US-Dollar als Widerstand laufen. Auffällig ist hier die Zeitkomponente: Es wird erwähnt, dass XRP seit Januar 2026 nicht mehr über 2 US-Dollar gehandelt habe, und dass selbst die frühere Erholung am Hoch aus Januar 2018 bei etwa 3,84 US-Dollar noch knapp verfehlt habe. Wenn dieser zweite Prüfpunkt – die klare Rückeroberung von 2 US-Dollar – bis zum 3. November 2026 nicht gelingt, verliert der Midterm-Katalysator-Ansatz an Glaubwürdigkeit. Gelingt er jedoch, erhält das Argument für einen weiteren Monatsverlauf bis ins Jahresende eine zusätzliche Chance, weil dann die Kursstruktur tatsächlich mit dem Muster der Vorperiode kompatibel wäre.
Für Anleger und Entscheider im Krypto-Umfeld liegt die eigentliche Konsequenz weniger im Kalenderdatum als im Zusammenspiel aus Rechtslage, Marktliquidität und Angebotsdynamik. Wahlen können kurzfristig Volumen und Aufmerksamkeit erzeugen, aber die Kursentwicklung wird in diesem Fall vor allem dann tragfähig, wenn Rechtsereignisse den Interpretationsspielraum der Märkte verkleinern. Dazu kommt die Frage, ob institutionelle Zugriffswege (etwa über Spot-ETFs) und neue Produktbausteine wie RLUSD Nachfrage so verstärken können, dass sie gegen das wachsende Angebotsangebot besteht. Für die nächsten Wochen rund um die Midterms bedeutet das in der Praxis: Wer den Vergleich zur Wahl 2024 nutzt, sollte ihn nicht als Automatik betrachten, sondern als Hypothese, die durch klare Kursmarken und den realen Fortschritt im regulatorischen Kontext erst bestätigt werden muss.
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