LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Sammelklage richtet sich gegen Anthropic, OpenAI, SpaceXAI und Google mit dem Vorwurf, sie hätten sich zur Verlangsamung ihrer KI-Entwicklung abgestimmt. Im Kern steht die Behauptung, solche koordinierten Sicherheitsmaßnahmen würden den Wettbewerb zulasten zahlender Kunden ausbremsen. Hintergrund sind öffentliche Signale von Unternehmenschefs im September 2026 sowie frühere Erklärungen aus dem Umfeld mehrerer KI-Labore. Parallel macht die Klage geltend, dass privatwirtschaftliche Absprachen über Sicherheitsstandards Kontrolle schaffen könnten, die nicht allein bei den Konzernen liegen sollte.

Sammelklage gegen KI-Rivalen: Kartellvorwurf wegen angeblicher Sicherheits-Absprachen
Sammelklage gegen KI-Rivalen: Kartellvorwurf wegen angeblicher Sicherheits-Absprachen (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Diskussion um KI-Sicherheit bekommt eine neue, unangenehme Dimension: Nicht nur die Frage, wie schnell Modelle verbessert werden, sondern auch wer diese Geschwindigkeit im Wettbewerb faktisch steuert, steht plötzlich im Fokus. Eine Sammelklage in den USA nimmt dabei Anthropic, OpenAI, SpaceXAI sowie Google in Anspruch und behauptet, konkurrierende Anbieter hätten sich rechtswidrig auf eine Verlangsamung ihrer KI-Entwicklung verständigt. Nach Klageauffassung soll das über abgestimmte Sicherheitsmaßnahmen passiert sein, die den Wettbewerb einschränken und Kunden, die entsprechende Dienste abonnieren, einen geringeren Gegenwert liefern. Entscheidend ist dabei weniger der Sicherheitsgedanke an sich, sondern die behauptete Koordination unter direkten Rivalen.

Als zentrale Anknüpfung nennt die Klage einen Zeitraum rund um den 12. September 2026. An diesem Tag veröffentlichte Dario Amodei, Chef von Anthropic, einen Essay, in dem er eine branchenweite Zusammenarbeit forderte, um die KI-Entwicklung zugunsten zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen zu drosseln. Noch am selben Tag äußerten sich Sam Altman (OpenAI), Elon Musk (SpaceXAI) und Demis Hassabis (Google DeepMind) öffentlich zustimmend zu den Vorschlägen. Dabei hebt die Klage hervor, dass Amodei selbst bereits auf mögliche kartellrechtliche Risiken einer solchen branchenweiten Abstimmung hingewiesen haben soll. Für die Argumentation der Kläger ist genau diese zeitliche Nähe zwischen öffentlichem Sicherheitsaufruf und erklärter Zustimmung wichtig, weil sie eine gemeinsame Linie nahelegen soll.

Auf technischer Ebene lässt sich die wirtschaftliche Logik der Klage nachvollziehen, ohne die juristische Bewertung vorwegzunehmen: Wenn ein einzelner Anbieter aus Sicherheitsgründen langsamer entwickelt, können Wettbewerber ihre Produkte weiter optimieren und dadurch Marktanteile gewinnen. Dieses „einseitige Zurückhalten“ wäre damit zunächst ein Nachteil für die Bremse. Koordinieren Wettbewerber dagegen die Drosselung gemeinsam, entsteht der Wettbewerbsdruck nicht in gleicher Weise; die Zurückhaltung wird branchenweit „normalisiert“. Genau diese Differenz zwischen eigenverantwortlicher Sicherheitsentscheidung und abgestimmter Marktverhaltensregel bildet die Grenze, die die Kläger in den Vordergrund stellen: Selbstbeschränkung aus eigener Entscheidung sei demnach nicht zwangsläufig problematisch, eine gemeinsame Beschränkung hingegen schon.

Besonders scharf formuliert die Klage zudem die Sicherheitsdimension. Nick Rowley, leitender Anwalt der Kläger, verbindet laut dem in der Klage zitierten Wortlaut die Sorge vor privatwirtschaftlicher Kontrolle mit einer grundsätzlichen Risikoanalyse. Er sagt: „uns alle töten könnte, wenn wir zulassen, dass KI-Sicherheit und Sicherheitsprotokolle durch private, eigennützige Vereinbarungen zwischen den mächtigsten gewinnorientierten Technologieunternehmen der Welt kontrolliert werden“. Diese Passage zielt darauf, dass der Weg zu mehr Sicherheit nicht in einer Art von wettbewerblich abgesicherten Selbststeuerung münden dürfe, bei der zentrale Entscheidungen nicht mehr demokratisch legitimiert sind. Gleichzeitig räumt die Klage ein, dass die beteiligten Unternehmen mit den mutmaßlichen Absprachen nach eigener Darstellung das Gegenteil erreichen wollen: Durch koordinierte Verlangsamung solle verhindert werden, dass unsichere KI entsteht.

Damit verknüpft die Klage zwei Befürchtungen: Zum einen sollen Absprachen den Wettbewerb begrenzen und die Produktweiterentwicklung bremsen. Zum anderen geht es um die Frage, ob privatwirtschaftliche Vereinbarungen über Sicherheitsstandards und Entwicklungstempo den Konzernen faktisch mehr Kontrolle über die Technologie geben, als aus Sicht der Kläger verantwortbar ist. Interessant ist auch, wie die Klage politisch positioniert ist: Die Kläger wenden sich laut Darstellung weder gegen politische Initiativen der Unternehmen für eine staatliche KI-Regulierung noch gegen die Beantragung kartellrechtlicher Ausnahmeregelungen. Den Dreh- und Angelpunkt sehen sie jedoch darin, dass eine mutmaßliche Absprache zwischen konkurrierenden Unternehmen nicht an die Stelle eines staatlich legitimierten Verfahrens treten dürfe.

Auch die Rolle der US-Regierung erscheint in der Begründung als Bremsklotz für eine industrienahe „Selbstregulierung“. Die Klage zeichnet ein Bild, in dem eine Zusammenarbeit zwischen KI-Industrie und Regierung zunehmend unwahrscheinlich ist, weil US-Präsident Trump Forderungen nach staatlicher Regulierung wiederholt zurückgewiesen haben soll. Nach dessen Darstellung seien Regulierungsmaßnahmen bei konsequenter Umsetzung „in den Untergang und den Bankrott“ treibend, und politische Vorhaben zum Einschränken der Technologie würden als „Verschwörung“ eingeordnet. Für Unternehmen bedeutet das praktisch: Während juristische Auseinandersetzungen über Kartellrecht und Wettbewerb laufen, fehlt zugleich ein politischer Rahmen, der die Sicherheitsziele verbindlich in Verfahren gießt. Genau an dieser Schnittstelle wird es für KI-Anbieter künftig besonders sensibel, wie sie über Safety-Maßnahmen sprechen, koordinieren und dokumentieren.


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