MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Beim 196+ forum München stehen fünf Finalisten für den „Hospitality UPGRADE Award“ fest. Die Startups pitchen am 7. Oktober im Bayerischen Hof, um eine Auszeichnung für smarte und nachhaltige Hotel- und Gastronomie-Lösungen zu gewinnen. Insgesamt wurden dafür 24 Bewerbungen bewertet; ins Halbfinale kamen 10 Konzepte für den 9. September in Berlin. Im Fokus stehen konkrete Use Cases über die gesamte Hotelwertschöpfungskette, von Küchenautomatisierung bis zur datenbasierten Gästekommunikation.

Der „Hospitality UPGRADE Award“ des 196+ forum München bündelt dieses Jahr nicht nur Ideen rund um Künstliche Intelligenz, sondern vor allem den Weg dahin: Wie konkret lässt sich Technologie in Hotels und gastronomischen Betrieben in Prozesse übersetzen? Veranstalter und Partner – darunter Hospitality Pioneers sowie mews, aobis, dailypoint, Fairmas, ProjektPuls und Schneider Electric – suchen gezielt Startups, die smarte, nachhaltige und marktfähige Lösungen über die komplette Hotelwertschöpfungskette hinweg entwickeln. Die Finalrunde kommt damit zu einem Zeitpunkt, an dem der „PoC-Zirkus“ in der Praxis seltener gefragt ist: Viele Systeme sind längst verfügbar, entscheidend ist nun die Umsetzung im Betrieb.
Die Jury um Christian Fiedler, dem Gründer von Hospitality Pioneers, hat nach Angaben der Veranstalter aus insgesamt 24 Bewerbungen fünf Finalisten ausgewählt. Für das Halbfinale am 9. September in Berlin wurden zuvor 10 Konzepte nominiert, bevor die Pitch-Bühne am 7. Oktober im Bayerischen Hof die Entscheidung herbeiführt. Bemerkenswert ist dabei die Rolle des direkten Feedbacks: Fiedler hebt die Rückmeldung aus der Industrie als stärksten Aspekt des Formats hervor, was das Auswahlkriterium „Umsetzungsnähe“ in den Vordergrund rückt. Für die Startups bedeutet das, dass nicht nur Technik beeindruckt, sondern auch die Passung zu echten Abläufen in Küchen, Service und Backoffice.
Unter den Finalisten findet sich ein breites Spektrum an Ansatzpunkten, das die Hoteltechnik typischerweise in sehr unterschiedliche Ebenen teilt: Energie, Betrieb, Compliance und Vertrieb. Ecomates bringt dafür eine kompakte Vor-Ort-Biogasanlage ins Spiel, die Speisereste direkt im Betrieb in Biogas umwandeln soll. Laut Beschreibung wird das Gas zur Erzeugung von Wärme und Warmwasser genutzt; zugleich entstehen zusätzlich verwertbare Nebenprodukte wie Dünger. Damit adressiert das Konzept zwei Aufgaben gleichzeitig: reduzierte Entsorgungskosten und weniger CO2-Emissionen durch die Umstellung von externer Entsorgung hin zu einer lokalen Verwertung.
Andere Finalisten gehen näher an die operativen Workflows in der Küche und im Qualitätsmanagement. Läckekrai positioniert einen digitalen „Sous-Chef“, der die Prozesskette von der Produktionsplanung über Logistik bis zur Qualitätskontrolle in einem System zusammenführen will. Protabo dagegen zielt mit einer Compliance-Plattform auf die Automatisierung von HACCP-Vorschriften, Arbeitsschutzvorgaben sowie Abfallmanagement für Gastronomie und Hotellerie – kombiniert als Software, physische Produkte und Serviceangebote. Aus technischer Sicht ist das vor allem deshalb relevant, weil Compliance in der Praxis selten ein reines Softwareproblem ist: Ohne saubere Datenflüsse zwischen Dokumentation, Ereignissen im Betrieb und Verantwortlichkeiten bleibt die Umsetzung auf Papier hängen.
Auch in der Gästekommunikation und im Revenue-nahen Bereich reicht das Feld deutlich über „KI als Feature“ hinaus. UniqueGreen entwickelt eine SaaS-Lösung, die automatisierte, KI-generierte Sprachnachrichten versenden soll – etwa via WhatsApp oder iMessage. Die Zielsetzung ist klar auf messbare Effekte im Hotelgeschäft ausgerichtet: bessere Google-Bewertungen und der Verkauf höherwertiger Zimmerkategorien. Vinoteqa ergänzt diesen Fokus mit einem Weinkeller-Managementsystem für Hotels und Restaurants, das den digitalen Bestand erfasst und eine Datenbank mit einer Million Weinen nutzen soll. Daraus lassen sich laut Beschreibung Weinkarten mit Sommelier-Analysen erstellen – ein Ansatz, bei dem Datenmodellierung direkt auf Beratungsqualität einzahlt.
Für das Halbfinale und die Jurorengruppe zeigt sich zudem, wie stark die Branche heterogen denkt. Unter den Kuratoriumsmitgliedern im Halbfinale werden Vertreter genannt wie Scandic Hotel Berlin, B’mine Hotels, PKF hospitality group und Hotel MOA Berlin. Diese Mischung ist für die Startups praktisch relevant, weil sie unterschiedliche Realitäten repräsentiert: Betreiberperspektive, Projekt- und Beratungswissen sowie Anforderungen an Standards im Hausbetrieb. Harro Grimmer, Kuratoriums- und Jurymitglied von ProjektPuls, ordnet die Entwicklung so ein, dass KI-Anwendung inzwischen keine Alleinstellung mehr ist, sondern zur Selbstverständlichkeit geworden sei. Genau deshalb verlagert sich der Schwerpunkt auf echte Anwendungsfälle und die Lösung konkreter Problemstellungen – ein Kriterium, das alle fünf Finalisten erfüllen sollen.
Die Gewinnerseite ist ebenfalls mit konkretem Mehrwert verknüpft. Die Finalisten erhalten eine Einladung zum Expo Real-Dinner der PKF hospitality group in München am 6. Oktober sowie ein Ganztagesticket für das 196+ forum München. Dazu gehören eine Standfläche im Ausstellerbereich und die Teilnahme am Galaabend am 7. Oktober. Der Preisträger bekommt zusätzlich eine kostenfreie Teilnahme am 196+ forum München 2027 inklusiv Gala und Ausstellungsfläche sowie eine einjährige kostenfreie Mitgliedschaft im Arbeitskreis Hotelimmobilien – einschließlich Networking-Dinners und des Rahmenprogramms der vier AK-Sitzungen von Oktober 2026 bis September 2027. Damit wird aus dem Wettbewerb ein Vertriebs- und Partnerschaftsformat, bei dem sich die technische Vision schnell an Marktteilnehmern messen lassen kann.
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