LONDON (IT BOLTWISE) – Die Führung der US Space Force hat auf einer Konferenz einen Fünf-Jahres-Plan skizziert, der die Truppe in der Größenordnung ihrer Einsatzkapazität skalieren soll. Im Fokus stehen nicht nur mehr Personal, sondern auch höhere Durchsatzraten in Ausbildungspipelines und der Aufbau neuer Infrastruktur. Gleichzeitig wird die Lücke bei Simulationstrainern für Gefechtskräfte als Engpass benannt, den man innerhalb von 36 Monaten schließen will. Für Unternehmen und Systemanbieter heißt das: Der Bedarf an wiederholbaren Trainings-, Simulations- und Resilienz-Architekturen wird konkreter und planbarer.

Die US Space Force plant eine deutliche Vergrößerung ihrer Gesamtstärke und koppelt diese unmittelbar an operativen Bedarf. Auf dem Panel „Growth of the Space Force“ im Rahmen der Air, Space and Cyber Conference 2026 wurden mehrere Hebel genannt: mehr Guardians, höhere Ausbildungskapazitäten, zusätzliche Trainingsausrüstung sowie der Ausbau von Infrastruktur und unterstützenden Einrichtungen. Der Tenor ist dabei klar: Raumfahrt bleibt nicht länger ein „silent backend“, sondern wird als primäres Gefechtsfeld behandelt. Genau dieser Perspektivwechsel macht die Größenordnung der angekündigten Schritte relevant, weil sich die Anforderungen an Reaktionsfähigkeit und Skalierung im All-gestützten Betrieb verschärfen.
Gerade der Bedarf an „Spacepower“ wächst laut den Aussagen von Lt. Gen. Gregory Gagnon spürbar schneller als die derzeitige Verfügbarkeit. Er nannte einen Engpass, der sich über alle geografischen Combatant Commands zieht: Anfragen für Raumgestützte Fähigkeiten lägen „far outpace“ der vorhandenen Kapazität. Als messbaren Vergleich führte Gagnon an, dass die Kontrolle von 33 % bis 50 % mehr Satelliten im Vergleich zu vor zwei Jahren bereits zum neuen Baseline-Niveau geworden sei; in drei Jahren steige diese Auslastung seiner Darstellung nach auf ein Fünffaches. Daraus wird organisatorisch abgeleitet, dass die gesamte Force-Kapazität von „under 11,000“ Guardians auf rund 25.000 wachsen müsse, wenn man die operative Breite realistisch abbilden will.
Damit das nicht nur ein politisch klingendes Ziel bleibt, setzt die Führung auf eine Skalierung der Pipeline selbst. Maj. Gen. James Smith beschrieb, dass das Hochfahren eines Dienstes von Grund auf enorme strukturelle Reibung erzeugt und dass die Durchsatzleistung der Ausbildung im Jahr 2027 massiv steigen müsse. Seine konkrete Richtung: von etwa 1.000 neuen Zugängen auf ungefähr 3.000 in einem Jahr, inklusive einer Vervierfachung des Officer-Throughput. Der Effekt dahinter ist weniger „mehr Training“, sondern ein veränderter Flow der Qualifizierung: STARCOM soll zum Filter werden, der Qualität sichert, statt zum Pumpwerk, das nur Menge produziert. Chief Master Sgt. John Bentivegna brachte es wörtlich auf den Punkt: „STARCOM is a filter, not a pump“, und erklärte zugleich, dass Kursinhalte gestrafft werden, etwa indem nahezu 20 Monate Intelligence-, Cyber- und Operational Training in einem vereinheitlichten Officer Training Course gebündelt werden.
Technisch und infrastrukturell liegt der nächste Engpass dann nicht bei Software-Logik, sondern bei realen Kapazitäten: neuen „brick and mortar“-Strukturen, Start-/Launch-Bausteinen, Trainingspipelines und den Unterstützungsflächen für Guardians. Kathryn Kolbe stellte zudem Defizite quer durch mehrere Bereiche heraus, darunter auch bei Einrichtungen, die den Betrieb tragen und die Servicefähigkeit im Alltag sichern sollen. Um die Geschwindigkeit der Umsetzung zu erhöhen, soll eine „Infrastructure Delivery Authority“ aufgebaut werden, die Private-Sector-Kompetenz nutzen soll, um Bauvorhaben besser zu überwachen und die mit dem National Defense Authorization Act für das Fiskaljahr 2026 bereitgestellten Befugnisse gezielter einzusetzen. Für die Praxis bedeutet das: Beschaffung, Bau und anschließender Betrieb werden als zusammenhängender Prozess behandelt, weil die Raumkräfte sonst in der Latenz zwischen Planung, Errichtung und Nutzung stecken bleiben würden.
Parallel dazu geht es um den Schutz und die Skalierung der terrestrischen Infrastruktur, die den Raum-Betrieb überhaupt erst möglich macht. Kolbe verwies auf Programme wie „Satellite Control Augmentation Resiliency“ sowie auf kommerzielle Partnerschaften im Rahmen der „Joint Antenna Marketplace“-Architektur. Hier zeigt sich ein industriepolitischer Dreh: Wenn die Anzahl der Satelliten und damit der Kontroll- und Kommunikationsbedarf steigt, wird die Verfügbarkeit globaler Boden-Knoten zu einer Art „Betriebsmultiplikator“. In vielen Organisationen wird dieser Teil der Kette gern unterschätzt, weil er nicht sichtbar ist wie ein Launchpad – für Resilienz und für die Fähigkeit, im Krisenfall weiter zu liefern, ist er aber entscheidend. Kolbes Fokus auf terrestrische Schutzfähigkeit ist deshalb auch ein Signal, dass der Ausbau nicht bei „mehr Personal und Trainingsstunden“ endet, sondern sich in die Bodenarchitektur hinein fortsetzt.
Ein weiterer Abschnitt des Panels machte deutlich, dass die Führung die Messlatte der Größensteigerung nicht bei Personalzahlen ansetzt, sondern bei Kampfwert und Glaubwürdigkeit. Bentivegna stellte den Menschen in den Mittelpunkt; er adressierte direkt die im Publikum anwesenden Guardians und sagte sinngemäß, man höre zu und wolle die nötigen Ressourcen sowie die Zeit bereitstellen, damit Investitionen überhaupt umgesetzt werden können. Kolbe verknüpfte diese Personal- und Infrastrukturagenda anschließend mit „mission assurance“: Installationen, Infrastruktur, Sustainment und Logistik seien ein Schlüsseltreiber für die Gefechtsfähigkeit. Diese Kette aus Ressourcen, Training und Durchhaltefähigkeit soll laut Smith zudem durch Partnerschaften mit dem Joint Force-Umfeld abgesichert werden, um den Auftrag, die Größe zu erhöhen, auch tatsächlich auszuführen.
Operativ wurde der letzte Engpass besonders konkret: Gagnon ordnete Wachstum als etwas ein, das letztlich „measured in combat credibility“ ist, und erklärte, dass Space-Superiority zwar als Joint Priority gilt, die Umsetzung aber bei den Kräften startet, die Space Control leisten. Er nannte als Trainingsgrundlage den Zusammenhang zwischen Space Control, Combat Power und Ausbildung/Rehearsal und benannte eine harte Lücke: 60 % der Combat Forces Command verfügten heute über keinen vollständigen Simulation Trainer. Gleichzeitig kündigte Gagnon einen Fahrplan zur Schließung an, der über eine Roadmap zwischen STARCOM und Space Systems Command laufen soll; innerhalb der nächsten 36 Monate wolle man diese Lücke „by over half“ reduzieren. Genau diese Kombination aus quantitativen Ausbauzielen und einem benannten Trainingsengpass ist für die Branche interessant, weil sie zeigt, welche Art von Systemen benötigt wird: robuste Simulationsumgebungen, wiederholbare Trainingsprozesse und resilient wirkende Operations Center, die auch unter Druck funktionieren.
Am Ende des Panels blieb das Bild zusammenhängend: Vergrößerung ist nicht nur ein Recruiting-Ziel, sondern ein dauerhaft investitionsintensiver Umbau über vier verbundene Bereiche hinweg – Budget, Personal, Ausrüstung („kit“) und Infrastruktur. Wenn mehr Guardians hinzukommen, müssen Ausbildungskapazitäten, Trainings- und Simulationsequipment, widerstandsfähige Operations-Umgebungen, Boden-Architektur, Sustainment sowie die dafür nötigen Ressourcen im gleichen Takt nachziehen. Für alle, die Raumfahrt- und Verteidigungstechnologie liefern, wird damit ein klares Muster sichtbar: Der Bedarf verschiebt sich von isolierten Beschaffungen hin zu einer durchgängigen Systemkette, die vom Training bis zur resilienten Einsatzfähigkeit reicht, damit die USA über längere Zeiträume Space Superiority liefern können.
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