GREENBELT, MARYLAND / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Nancy Grace Roman Space Telescope aktiviert die Weitfeldkamera und startet damit einen zentralen Schritt der Inbetriebnahme. Die 300-Megapixel-Infrarotkamera arbeitet mit 18 Detektoren, die nach dem Abkühlen auf extreme Temperaturen erst für die ersten Testdaten bereit waren. Parallel wurde auch der Coronagraph geprüft und die Fernsteuerung aller Komponenten verifiziert. Damit rückt die Vorbereitung auf deutlich schärfere Himmelsbilder in den Fokus, die für 2027 in Aussicht stehen.

Die Inbetriebnahme des Nancy Grace Roman Space Telescope zeigt jetzt ein sehr konkretes Bild: Nicht nur die Raumsonde setzt ihre Reise fort, auch die Instrumente an Bord gehen einen nach dem anderen in den produktiven Zustand. Zentrale Station in diesem Prozess ist die Aktivierung des Wide Field Instrument (WFI), einer 300-Megapixel-Infrarotkamera, die den Himmel großflächig abtasten kann, ohne den Detailgrad zu opfern. Gleichzeitig arbeitet das Team den frühen Funktionsnachweis für den Coronagraph Instrument Schritt für Schritt ab, damit später sehr schwache Reflexionen von Exoplaneten überhaupt erst sichtbar werden.
Technisch betrachtet musste das WFI zunächst eine Phase der „trockenen“ und dekontaminierenden Vorbereitung durchlaufen: Die Detektoren wurden für 10 Tage bei einer relativ warmen Umgebung im Vergleich zu den endgültigen Betriebstemperaturen mit minus 85 Fahrenheit (minus 65 Celsius) zur Ruhe gebracht. Erst danach stellte das Team am 11. September den Instrumentenheizer ab und ließ die Kamera auf minus 225 Fahrenheit (minus 143 Celsius) abkühlen. In dieser Phase konnte Roman die 18 Infrarot-Detektoren aktivieren, deren kombinierte Sensorfläche etwa so groß ist wie der Bildschirm eines Laptops – eine beachtliche Größenordnung, wenn man bedenkt, dass es sich um einen Weltraum-Betrieb unter Vakuum und mit strengen thermischen Anforderungen handelt.
Im Anschluss rückte die Kalibrierung in den Mittelpunkt. Das Team aktivierte das Kalibrationssystem, nutzte es am folgenden Morgen, um Testdaten durch das Instrument zu schicken und diese dann zu den Ingenieurinnen und Ingenieuren am Boden zu übertragen. Am Samstag verlagerte sich der Schwerpunkt auf das „Element Wheel“, also ein System aus Filtern, Prismen und weiteren optischen Komponenten, das die Lichtwellenlängen, die letztlich auf die Detektoren treffen, gezielt ordnet und in einzelne Spektralfarben aufsplittert. Dabei kam es erstmals unter Bedingungen ohne Gravitation zu einem vollständigen Funktionstest – eine wertvolle Validierung dafür, dass Mechanik und optische Abstimmung auch im Orbit wie erwartet arbeiten.
Ein weiterer Prüfstein folgte am Sonntagmorgen: Das Fokus-Mechanismus-Setup wurde auf korrekte Funktion überprüft, denn es wird später nötig sein, die „hunderttausenden“ Aufnahmen des Instruments präzise auszurichten. Während diese Arbeit lief, kühlten die Detektoren weiter auf ihre Endtemperatur ab – rund minus 300 Fahrenheit (minus 183 Celsius). Das Testbild, das die ersten Photonen von Starlight zeigt, liefert dabei zugleich einen technischen Ausgangspunkt und ein Lehrbeispiel für den frühen Status: Die Detektor-Anordnung war noch wie zum Start „stowed“, weit weg von der besten Fokuseinstellung, weshalb Sterne zunächst unscharf und über viele Tausende Pixel verteilt erscheinen. Genau dieses Bild dient dem Team als Basis, um die Optik später auszurichten und den Fokus zu justieren; erst danach kann Roman seine Sterne zu klaren Punkten bündeln statt zu den hier erwarteten, donutartigen Strukturen.
Parallel dazu ist auch der Coronagraph Instrument in den Prüfmodus übergegangen. Der Coronagraph setzt auf ein Bündel aus Optiken, Masken, selbstflexenden Spiegeln und Sensoren, um das starke Flimmern des Muttersterns zu unterdrücken und damit das sehr viel schwächere, reflektierte Licht von Planeten um andere Sterne sichtbar zu machen. Laut Bestätigung aus dem Coronagraph Commanding Center in Pasadena konnten die Teams die Kommunikation mit sämtlichen Subsystemen herstellen – von Software und thermischer Kontrolle über Mechanismen und Kameras bis hin zu der Avionik, die diese Funktionen ansteuert. Praktisch heißt das: Operatoren können die relevanten Schalter aus der Ferne umlegen, darunter auch die beweglichen Mechanismen, die die Masken sowie die Farbfilter, Linsen und Prismen positionieren.
Damit der Coronagraph bei späteren Beobachtungen „nahe Raumtemperatur“ zuverlässig performt, gehörte auch ein thermischer Test dazu. Das System wurde auf Betriebstemperaturen gebracht – etwa 72 Grad Fahrenheit (22 Grad Celsius) – und damit geprüft, ob die Regelung die Erwartungen erfüllt. Für die nächsten Schritte läuft zusätzlich eine 30-tägige Dekontaminationsphase, die laut Beschreibung vor allem dann sinnvoll ist, wenn sich noch Reststoffe wie Wasser oder Spuren von Chemikalien an Oberflächen festgesetzt haben. Auf der wissenschaftlichen Seite plant die Mission, die ersten deutlich schärferen Science-Images bis Anfang 2027 zu veröffentlichen; vorher aktiviert das Team zudem das Fine-Guidance-System, sodass Roman präzise auf Ziele „einrasten“ kann.
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