KÖLN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eurowings prüft wegen hoher Kerosinkosten, ob sie Beschäftigte im Winter in Kurzarbeit schickt. Die Fluggesellschaft führt dafür Gespräche mit der Bundesagentur für Arbeit und hat im laufenden Programm bereits erste Flüge gestrichen. Betroffen sind laut Angaben vor allem die neu gestarteten Verbindungen von Köln und Stuttgart nach Dubai. Insgesamt soll das Unternehmen fünf Prozent des geplanten Programms kürzen und auch in der Verwaltung sparen, unter anderem bei einer geplanten Weihnachtsfeier.

Hohe Kerosinkosten treffen in der Luftfahrtbranche nicht nur die Ergebnisrechnung, sondern schlagen sich sehr direkt in der operativen Planung nieder. Eurowings, eine Lufthansa-Tochter, prüft nach Angaben aus Köln, ob sie Beschäftigte im Winter in Kurzarbeit schickt. Hintergrund ist der Kostendruck durch den verteuerten Treibstoff, der gerade auf langen Strecken besonders spürbar wird, weil dort die Treibstoffkosten pro Flugstunde und Gesamtflugkilometer relativ stärker ins Gewicht fallen.
Für die Umsetzung läuft bereits die bürokratische Vorbereitung: Eurowings hat nach Unternehmensangaben Gespräche mit der Bundesagentur für Arbeit aufgenommen, um die Voraussetzungen für Kurzarbeit zu klären. Gleichzeitig wurden im aktuellen Programm erste Flüge gestrichen, noch bevor das volle Ausmaß feststeht. Als besonders betroffen nennt das Unternehmen gerade erst gestartete Verbindungen von Köln und Stuttgart nach Dubai; aus Berlin soll das arabische Drehkreuz hingegen weiter angeflogen werden. Das Muster deutet darauf hin, dass das Unternehmen nicht pauschal das komplette Streckennetz zurückfährt, sondern eher selektiv Kapazität abbaut.
Konkrete Hinweise gibt es auch zur Struktur der geplanten Einschnitte: Geplant ist demnach, fünf Prozent des Programms zu kürzen. Weitere Streichungen sollen eher einzelne Frequenzen betreffen, statt ganze Strecken zu beenden. Technisch und kaufmännisch ist das eine wichtige Unterscheidung, weil reduzierte Frequenzen die Auslastungssteuerung erleichtern, während der vollständige Wegfall einer Strecke häufig größere Vorlaufs- und Umstellungsaufwände auslöst, etwa bei Slots, Einsatzplanung und Anschlussverkehren. Dass Eurowings zusätzlich in der Verwaltung sparen will und auf eine geplante Weihnachtsfeier verzichtet, unterstreicht, dass es sich um einen breiter angelegten Kostensenkungsansatz handelt, nicht ausschließlich um eine kurzfristige Personalmaßnahme.
Im Arbeitskontext geht es nun darum, wie die Kurzarbeit ausgestaltet wird und welche finanziellen Auswirkungen für die Beschäftigten entstehen. Die Gewerkschaft Verdi will nach den vorliegenden Angaben bei der Ausgestaltung mitreden und pocht darauf, dass Zahlungen der Arbeitsagentur gegebenenfalls aufgestockt werden. Verdi-Sekretär Marvin Reschinsky betonte dazu: „Die Lufthansa erwirtschaftet unter dem Strich auch aktuelle Gewinne“. Diese Argumentationslinie zielt darauf, die Verteilung der Belastung zwischen Unternehmen und Belegschaft so zu gestalten, dass der Übergang in den Arbeitsausfall nicht allein bei den Beschäftigten landet.
Parallel zur Kurzarbeit gibt es weitere arbeits- und konzernpolitische Spannungen, die in der Quelle bereits angesprochen werden. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte dem Lufthansa-Konzern zuvor Kritik an einer zu kostspieligen Übernahme einer Minderheit bei der portugiesischen TAP entgegengebracht. Vereinigung-Cockpit-Vize Oliver Löwe erklärte dazu: „Wer in Lissabon mit finanzieller Stärke überzeugt und bereit ist, einen erheblichen Aufpreis für eine Minderheitsbeteiligung zu zahlen, kann gegenüber den eigenen Beschäftigten nicht gleichzeitig so tun, als seien harte Einschnitte alternativlos“. Inhaltlich verknüpft diese Aussage das Thema Kosten mit einer Priorisierung innerhalb des Konzerns: Während in der einen Ecke Personal- und Betriebsanpassungen diskutiert werden, wird in der anderen Ecke eine Unternehmensentscheidung angeführt, die aus Sicht der Piloten nicht dieselbe Dringlichkeit ausstrahlt.
Auch wettbewerblich lohnt der Blick auf die konkreten Routenentscheidungen. Wenn gerade Köln und Stuttgart nach Dubai betroffen sind, während Berlin den Handel weiterhin aufrechterhält, dann wirkt das wie eine Auslastungs- und Deckungsbeitragsabwägung entlang unterschiedlicher Nachfrageprofile, Slotstrukturen und Abdeckungseffekte im jeweiligen Markt. Gerade bei sehr langen Strecken spielt zudem die Preiselastizität beim Treibstoff eine Rolle: Schon relativ kleine relative Schwankungen können bei großen Gesamtvolumina spürbare Mehrkosten auslösen. Für das Unternehmen entsteht so ein ähnliches Managementproblem wie in anderen Branchen: Nicht nur die absolute Kostenlage zählt, sondern die Frage, welche Teile des Angebots sich am schnellsten, präzise und ohne Folgeschäden anpassen lassen.
Für Arbeitgeber, Beschäftigte und auch für die öffentliche Wahrnehmung ist entscheidend, wie schnell die Kurzarbeitsprüfung zu belastbaren Ergebnissen führt. Aus der Quelle geht hervor, dass Eurowings dazu aktuell keine finalen Angaben zum möglichen Ausmaß macht. Gleichzeitig ist der nächste Schritt klar: Die Gespräche mit der Bundesagentur müssen zu einem Ergebnis kommen, und die Gewerkschaften werden ihre Positionen in die Debatte einbringen, insbesondere beim Thema Aufstockungen. Unterm Strich zeigt der Vorgang, wie eng in der Luftfahrt betriebliche Steuerung, Treibstoffmärkte und Sozialpartnerschaft miteinander verzahnt sind – mit der Folge, dass Kostendruck in der Regel nicht nur in Prozentzahlen der GuV landet, sondern sich unmittelbar in Flugplänen, Verwaltungsausgaben und Arbeitszeitmodellen widerspiegelt.
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