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TANEGASHIMA / LONDON (IT BOLTWISE) – Japan hat mit der H3-Rakete die „MMX“-Mission zum Marsmond Phobos gestartet. An Bord ist der deutsch-französische Rover „Idefix“, der 2029 auf Phobos aufsetzen soll. In den Jahren 2031 sollen erstmals Proben vom Mars-System zur Erde zurückgebracht werden. Parallel zielt die Mission auf Technologieentwicklung für spätere Erkundungen und liefert Daten zur Entstehung des Mars und des Sonnensystems.

MMX startet: Japans Rover Idefix soll 2029 Phobos erforschen
MMX startet: Japans Rover Idefix soll 2029 Phobos erforschen (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit dem Start in Tanegashima nimmt Japans Mars-Programm eine konkrete Form an: Die Raumsonde „MMX“ („Martian Moons eXploration“) ist mit einer H3-Rakete erfolgreich in den Flug gebracht worden. Als Ziel steht nicht der Mars selbst im Mittelpunkt, sondern dessen Mond Phobos. Gerade weil die Mission auf einen so nah am Planeten kreisenden, unregelmäßig geformten Himmelskörper ausgelegt ist, wird der Aufwand für Navigation, Landung und Probenlogistik besonders hoch.

Technisch ist die Mission auf eine lange Kette von Ereignissen zugeschnitten. Nach einer rund einjährigen Reise soll die Muttersonde 2027 in eine Umlaufbahn um den Mars gelangen. Dort folgt dann der eigentliche entscheidende Schritt für den Rover: Für 2029 ist vorgesehen, dass die Sonde den Rover „Idefix“ in einer Höhe von etwa 40 bis 100 Metern auf Phobos herablässt. Auf dem Mond braucht „Idefix“ dann Zeit, um die Oberflächenumgebung zu untersuchen und Daten zu sammeln, die später mit Proben zusammengeführt werden können.

Der Missionszeitplan endet nicht bei der Landung. Für 2031 ist eine Rückkehrphase geplant, in der erstmals Proben von Phobos zurück auf die Erde gebracht werden sollen. Das ist nicht nur wegen der Transportdynamik anspruchsvoll, sondern auch weil Proben aus einem fremden Gravitations- und Bahnumfeld ohne nennenswerte Fehlerkette wieder so gewonnen und verpackt werden müssen, dass Messlabore sie später im Detail analysieren können. Genau hier setzt der wissenschaftliche Kern der Mission an: MMX soll klären helfen, wie Phobos und sein Zwillingsmond Deimos entstanden sind – etwa als eingefangene Asteroiden oder als Ergebnis eines Einschlags.

Beim Blick auf die Ausgangsbedingungen wird schnell klar, warum diese Unterscheidung so relevant ist. Phobos und Deimos sind die beiden einzigen Monde im inneren Sonnensystem neben dem Erdmond, die zu den Gesteinsplaneten Merkur, Venus, Erde und Mars gehören. Phobos ist an der größten Stelle knapp 27 Kilometer im Durchmesser, Deimos kommt auf etwa 15 Kilometer. Beide sind zudem deutlich kleiner und nicht kugelförmig, sondern unregelmäßig geformt. Ihre unterschiedlichen Umlaufbahnen um den Mars – Phobos näher, Deimos weiter entfernt – geben zusätzliche Hinweise darauf, wie dynamische Prozesse im frühen Sonnensystem gewirkt haben könnten.

Neben der rein geologischen Frage verfolgt die Mission auch ein breiteres Erkenntnisziel. Laut Plan soll MMX nicht nur Hinweise zur Entstehung des Mars und des Sonnensystems liefern, sondern auch die Ursprünge des Lebens adressieren. Ergänzend wird MMX als Technologieplattform beschrieben: Das Vorhaben dient der Weiterentwicklung von Hardware und Abläufen, die später bei künftigen Erkundungsmissionen wiederverwendet werden können. Das betrifft insbesondere Schnittstellen zwischen Orbiter und Rover sowie die präzise Handhabung von Missionsteilen in einer Phase, in der sich die Sonde relativ zum Zielkörper in einem eng tolerierten Rahmen bewegen muss.

Für die beteiligten Partner ist das Projekt zudem ein sichtbares Zeichen für europäisch-japanische Zusammenarbeit in der Raumfahrt. Der Rover „Idefix“ wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit der französischen Raumfahrtbehörde CNES entworfen. Damit wird ein Baustein für die Erforschung der Marsmonde geliefert, während die japanische Seite den Gesamtflug und die Missionserzeugung über „MMX“ übernimmt. Aus Unternehmens- und Industrie-Sicht zeigt sich daran auch, wie stark sich Raumfahrt inzwischen von einzelnen Demonstrationen hin zu ausgebauten Missionsarchitekturen entwickelt: Nicht der einzelne Start ist die Leistung, sondern die durchgehende Kette aus Flug, Zielansteuerung, Oberflächenoperation und Rückführung.

Wie groß der technologische und wissenschaftliche Anspruch tatsächlich ist, lässt sich auch an der Einordnung ablesen: Als bisher größte japanische Raumfahrtmission in das Sonnensystem positioniert sich MMX in einer Missionstradition, die zunehmend auf Probenrückkehr setzt. Für 2027 wird die entscheidende Weichenstellung die Mars-Orbit-Erreichung sein, für 2029 die präzise Absetzung des Rovers auf Phobos. Spätestens 2031 entscheidet sich dann, ob die Rückkehrphase genug Material liefert, um die Entstehungsszenarien von Phobos überzeugend gegeneinander abzuwägen.


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