LONDON (IT BOLTWISE) – In den USA sinken die Lungenkrebsraten seit Jahrzehnten, doch die Erkrankung bleibt die häufigste Krebstodesursache. Laut American Cancer Society werden in diesem Jahr 229.410 Fälle und 124.990 Todesfälle erwartet. Besonders bei Nichtrauchern spielen neben Luftverschmutzung auch Radon, Asbest, Passivrauch und bestimmte Ernährungsgewohnheiten eine Rolle. Neuere genetische Erkenntnisse zeigen zudem, dass einzelne EGFR-Varianten das Risiko deutlich erhöhen können.

Auch wenn die Lungenkrebsraten in den USA seit Jahrzehnten zurückgehen, bleibt die Krankheit dort die führende Ursache von Krebstodesfällen. Für dieses Jahr rechnet die American Cancer Society mit 229.410 Neuerkrankungen und 124.990 Todesfällen. Der Rückgang bei den Fallzahlen wird zwar mit der historisch gesunkenen Zahl an Rauchern in Verbindung gebracht, doch etwa 20 Prozent der Fälle betreffen Menschen, die nie geraucht haben. Genau in dieser Lücke setzt die folgende Einordnung an: Welche Ursachen gelten als besonders relevant – und was lässt sich im Alltag tatsächlich beeinflussen?
Ein zentraler Treiber ist die Luftqualität – sowohl draußen als auch in Innenräumen. Draußen tragen unter anderem Abgase des Verkehrs, Rauch aus Waldbränden sowie Emissionen aus kohlebefeuerten Kraftwerken zur Belastung bei; die American Lung Association verweist dabei auf den Zusammenhang zwischen „Partikelverschmutzung“ und dem Risiko für frühes Sterben, Herzkrankheiten sowie Asthmaanfälle. Problematisch ist zusätzlich, dass solche Partikel in ihrer Wirkung nicht bei der Atemwege stehen bleiben: Sie können Wachstum und Funktion der Lunge stören. Drinnen wird das Thema häufig übersehen, weil die Gefahr oft unsichtbar ist: Radon entsteht aus Uran im Boden, gelangt über Risse in Türen und Wände in Gebäude und kann Lungentumoren begünstigen, wenn es über längere Zeit eingeatmet wird.
Radon ist dabei besonders „technisch“: Die einzige verlässliche Methode, die Belastung im eigenen Zuhause festzustellen, ist ein Lufttest oder ein digitaler Detektor. Kurzzeittests dauern – je nach Ablauf der Messung und Auswertung – bis zu einer Woche, während Langzeittests genauer sind, aber mindestens drei Monate benötigen. Was aber schon vorher sinnvoll ist, sind konkrete Schutzmaßnahmen: Ein passgenauer Atemschutz, das Abdichten von Ritzen an Fenstern und Türen sowie das Meiden der Außenluft an Tagen, an denen die Schadstoffwerte als zu hoch gelten. Ergänzend lohnt der Blick auf bauliche und baunahen Risiken: Asbestfasern, die etwa bei Sanierungen oder Umbauten aufgewirbelt werden, gelten als weiterer relevanter Faktor für Lungenkrebs und können unter Umständen sogar zu einer seltenen Form wie dem Mesotheliom beitragen.
Bei Asbest gilt eine einfache Grundlogik: Unbeschädigte und ungestörte asbesthaltige Materialien sind in der Regel weniger riskant als Faserfreisetzung durch Eingriffe. Gefährlich wird es, wenn Baustoffe beschädigt sind oder wenn Menschen im Rahmen von Wartung und Renovierung Fasern in die Luft bringen. Die U.S. Environmental Protection Agency beschreibt Asbest als mineralische Faser aus Gestein und Boden, die lange in Dämm- und Brandschutzmaterialien, aber auch in hitzebeständigen Textilien, Dachschindeln, Bodenfliesen und selbst in Fahrzeugkomponenten genutzt wurde. Wer einen möglichen Asbestbestand vermutet, sollte nicht „auf Verdacht“ handeln, sondern die betroffenen Stellen identifizieren und eine Fachfirma zur Prüfung sowie – falls nötig – zur Entfernung einschalten.
Daneben bleibt Passivrauch ein Risiko, auch wenn die Rauchquoten in den USA zuletzt auf Rekordtiefs gesunken sind. Die American Cancer Society warnt: Schon kurze Expositionen gegenüber Tabakrauch setzen Menschen denselben krebsverursachenden Chemikalien aus, gegen die die eigene Nichtraucherbiografie nicht schützt. Die Folgen werden in der Statistik greifbar – der Zusammenhang wird mit mehr als 7.300 Lungenkrebstodesfällen pro Jahr verknüpft. Für Erwachsene, die selbst nicht rauchen, aber Passivrauch ausgesetzt sind, nennen die Centers for Disease Control and Prevention ein erhöhtes Risiko um 20–30 Prozent. Gerade bei Kindern ist der Schutz besonders schwierig, weil sie „am stärksten betroffen“ und gleichzeitig „am wenigsten in der Lage“ sind, sich zu entziehen.
Auch die Biologie liefert zusätzliche Erklärungsbausteine. Nur etwa 5–10 Prozent der Fälle bei Nichtrauchern gelten als erblich, doch genetische Träger bestimmter Varianten können ein deutlich höheres Risiko haben. Insbesondere wird eine Mutation im EGFR-Gen genannt, die als EGFR T790M bekannt ist: Forschende am Dana-Farber Cancer Institute und an der Harvard Medical School ordnen ihr ein rund 25-fach erhöhtes Risiko gegenüber Nicht-Trägern zu. Alexander Gusev, assoziierter Professor an Dana-Farber, wird in einer September-Mitteilung sinngemäß als jemand eingeordnet, der diese Mutation als eine der stärksten bekannten risikosteigernden Varianten für Krebs beschrieben hat. Ein unmittelbarer „Schutzknopf“ gegen das Gen selbst existiert nicht – sinnvoll bleibt aber, das Gesamtrisiko über Lebensstilfaktoren zu reduzieren.
Genau dort kommt auch die Ernährung ins Spiel. Zunehmende Forschung verknüpft den Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel mit dem Risiko für Lungenkrebs und weitere Krebsarten. Eine frühere Untersuchung mit über 101.000 Erwachsenen fand: Personen mit höherer Aufnahme dieser Ultra-processed Foods hatten ein um 41 Prozent erhöhtes Risiko für Lungenkrebs – auch nachdem Faktoren wie Rauchen, allgemeine Ernährung, Fitness und weitere bekannte Risikogrößen berücksichtigt wurden. Wichtig ist dabei die korrekte Einordnung: Die Ergebnisse beweisen keine Kausalität, sie machen aber dietätische Stellschrauben auf Bevölkerungsebene plausibel. Auf dieser Basis empfehlen Fachleute, solchen Lebensmitteln eher auszuweichen und sich stärker an Mustern wie einer mediterranen Ernährung zu orientieren, also an Kost mit viel Obst, Gemüse sowie gesunden Fetten und Proteinen.
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