LONDON (IT BOLTWISE) – Zwei Umfragestudien zeigen einen psychologischen Zusammenhang zwischen Dominanzmotivation und dem sexuellen Fehlbild freundlicher Signale am Arbeitsplatz. Wer mehr „sexuelles Interesse“ in harmloses Verhalten hineinliest, berichtet häufiger von sexueller Belästigung. Besonders bei Männern vermittelt diese Wahrnehmung den Effekt der Dominanzmotivation. Gleichzeitig lassen die Daten keine eindeutigen Kausalabschlüsse zu und beruhen auf Selbstauskünften.

Am Arbeitsplatz hängt die Grenze zwischen professioneller Freundlichkeit und als „sexuell“ gedeutetem Verhalten häufig an der Interpretation sozialer Hinweise. Genau diese Interpretationsleistung rückt eine neue Arbeit in den Fokus, die in der Fachzeitschrift Social Psychological and Personality Science (DOI: https: //doi.org/10.1177/19485506261469896) publiziert wurde. Die Studien fragen nicht nur, ob Menschen sexuelle Absichten in mehrdeutige Gesten hineinlesen, sondern auch, warum manche dabei besonders anfällig sind und wie daraus im Selbstbericht ein höheres Risiko für sexuelle Belästigung entsteht.
Die Autorinnen und Autoren argumentieren, dass Dominanzmotivation als psychologischer „Filter“ wirken kann. In ihrer Darstellung suchen Menschen mit starker Dominanzmotivation Status über kontrollierendes, durchsetzungsstarkes oder sogar coercives Verhalten. Prestigeorientierte Personen verfolgen dagegen Anerkennung eher über Kompetenz, Wissen und Großzügigkeit. Wenn dominanzmotivierte Mitarbeitende also soziale Dynamiken stärker als Wettbewerb um Rang lesen, könnten sie freundliches Verhalten von Kolleginnen oder Kollegen schneller in eine sexualisierte Bedeutung übersetzen. Daraus folgt dann ein zweites Problem: Was als Erwiderung auf ein vermeintliches Interesse verstanden wird, kann in der realen Interaktion unangemessene Grenzverletzungen wahrscheinlicher machen.
Die Untersuchungen stützen diese Hypothese mit zwei Umfragen, die beide in Großbritannien durchgeführt wurden und Rekrutierungen über eine Online-Probandenplattform nutzten. Studie 1 umfasst 209 beschäftigte Erwachsene (Durchschnittsalter 38; etwa die Hälfte Frauen) und setzt auf einen Design-Ansatz, bei dem Teilnehmende das Verhalten einer Person des jeweils anderen Geschlechts bewerten. Über zwei Befragungszeitpunkte hinweg erfassten die Forschenden Dominanzmotivation und Prestigeorientierung über mehrere Skalen, ergänzt um weitere Merkmale wie sociosexuelle Orientierung (Offenheit und Komfort gegenüber nicht festgelegten Sexualbeziehungen), formale Machtpositionen im Job und das Geschlecht der Teilnehmenden. In der zweiten Erhebung lasen die Teilnehmenden Beschreibungen von sieben freundlichen Verhaltensweisen einer Kollegin oder eines Kollegen des anderen Geschlechts, etwa strahlendes Lächeln oder ein freundliches Gespräch beim ersten Arbeitstag, und beurteilten jeweils, wie stark diese Signale „sexuelles Interesse“ anzeigen könnten.
Die Ergebnisse von Studie 1 sind in der Logik recht klar: Personen mit stärkerer Dominanzmotivation nahmen häufiger sexuelles Interesse im Verhalten der Kolleginnen oder Kollegen wahr, unabhängig davon, welches Geschlecht sie selbst hatten, welche formale Machtposition sie angaben oder wie offen sie gegenüber Gelegenheitsbeziehungen waren. Prestigeorientierung hing dagegen nicht mit diesen Wahrnehmungen zusammen. Dazu kommt ein geschlechtsspezifisches Muster: Frauen bewerteten das Verhalten von Männern gegenüber Frauen insgesamt eher als sexuell interessiert als Männer das Verhalten von Frauen gegenüber Männern taten. Gleichzeitig betonen die Forschenden an dieser Stelle eine wichtige Einschränkung: Das Design misst Wahrnehmungen, nicht die objektive „Korrektheit“ der Interpretation. Es bleibt damit offen, ob die Differenz tatsächlich auf realen Unterschieden in den Signalen beruht oder auf unterschiedlichen Erwartungen.
Studie 2 greift die Befunde auf und erweitert sie um die Frage nach dem Zusammenhang zur (Selbst-)Berichterstattung über sexuelle Belästigung. An ihr nahmen 345 beschäftigte Erwachsene teil (Durchschnittsalter 40; 48 % Frauen), ebenfalls in drei Befragungswellen über jeweils eine Woche. Die ersten beiden Erhebungen nutzten die gleichen psychologischen Maße wie Studie 1. In der dritten Befragung wurden sowohl allgemeines Fehlverhalten am Arbeitsplatz im vergangenen Jahr als auch sexuelle Belästigung in den vergangenen drei Monaten abgefragt. Die Belästigungsitems fragten nach der Häufigkeit eigener Handlungen gegenüber einer Kollegin oder einem Kollegen des anderen Geschlechts, etwa nach dem Stellen intimer Fragen zur Sexualbiografie. Dabei lagen die Durchschnittswerte insgesamt nahe am „niemals“-Ende der Skala; sexuelle Belästigung wurde also selten berichtet.
Dennoch zeigte sich der zentrale Mechanismus: Wer in Studie 2 mehr sexuelles Interesse in den (beschriebenen) Verhaltensweisen wahrnahm, berichtete auch von mehr sexueller Belästigung. Diese Wahrnehmungen trugen zudem dazu bei, den Zusammenhang zwischen Dominanzmotivation und Belästigung zu erklären. Interessant ist die geschlechtsspezifische Nuance der Mediationsanalyse, die nicht im Voraus geplant war: Das Muster zeigte sich nur bei Männern. Bei Frauen war die wahrgenommene sexuelle Komponente nicht mit der Belästigung in Zusammenhang. Zudem fanden die Forschenden keine vergleichbaren Effekte auf „allgemeines Fehlverhalten“ im Sinne breiterer Regelverletzungen am Arbeitsplatz, was ihre Interpretation unterstützt, dass es hier um einen spezifischen Pfad zu sexueller Belästigung geht und nicht nur um „schlechtes Verhalten“ allgemein.
Für die Praxis folgt daraus weniger eine moralische Pauschalannahme als ein Ansatz zur Risikoreduktion auf Verhaltensebene. Die Autorinnen und Autoren leiten ab, dass Organisationen bei Einstellung und Beförderung weniger Gewicht auf dominanzorientierte Eigenschaften legen könnten und stattdessen Kooperation und respektvolles Miteinander stärker belohnen. Der Kern der wissenschaftlichen Botschaft ist dabei psychologisch: Wenn Menschen sexuelle Absichtswahrnehmungen als Rechtfertigung für ihr Handeln nutzen, verschiebt sich die Grenze dessen, was sie als angemessen betrachten. Gleichzeitig mahnen die Forschenden zur korrekten Einordnung: Auch wenn die Messungen zeitlich versetzt erhoben wurden, erlaubt das Studiendesign keine eindeutigen Kausalfolgerungen. Die Effekte werden zudem als eher moderat beschrieben; Dominanzmotivation erklärt nur einen kleinen Anteil der Unterschiede in den Wahrnehmungen, und der Link zwischen Wahrnehmung und selbstberichteter Belästigung war insgesamt schwach.
Hinzu kommen weitere methodische Grenzen, die besonders in sensiblen Themenfeldern relevant sind. Alle Angaben beruhen auf Selbstauskunft; sexuelle Belästigung kann damit untererfasst sein, und die Reliabilität der Belästigungsmessung wird als niedrig beschrieben. Außerdem bewerteten Teilnehmende Szenenbeschreibungen, nicht reale Interaktionen mit konkreten Kolleginnen oder Kollegen, und es wurde nicht systematisch geprüft, ob die Wahrnehmungen tatsächlich zutreffend waren. Schließlich stammen die Daten nur von heterosexuellen Erwachsenen aus dem Vereinigten Königreich; ob sich das Muster auf andere Länder, andere Arbeitsplatzkulturen oder Interaktionen zwischen Personen desselben Geschlechts übertragen lässt, bleibt offen. Trotzdem liefert die Arbeit einen präzisen Mechanismus dafür, wie psychologische Rang- und Statusmotive die Interpretation sozialer Signale verändern können – und warum Prävention im Arbeitsumfeld nicht nur auf „Regeln“ setzen sollte, sondern auch auf das Training realistischer Cue-Interpretationen.
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Dominanzdenken lässt freundliches Verhalten schneller sexuell deuten" für unsere Leser?

#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Dominanzdenken lässt freundliches Verhalten schneller sexuell deuten" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Dominanzdenken lässt freundliches Verhalten schneller sexuell deuten« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!