MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Nach Einschätzung des Ifo-Instituts planen deutsche Unternehmen insgesamt weniger Stellen abzubauen als zuvor. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer stieg im Oktober leicht auf 95,5 Punkte nach 95,1 im September. Zwar bleibt die Industrie beim Personal vorsichtig, doch Dienstleister und Leiharbeitsfirmen schauen laut Ifo optimistischer nach vorn. Gleichzeitig deutet die Prognose für das Wachstum auf eine mögliche Wende nach einer längeren Flaute hin.

Das Ifo-Institut sieht die deutsche Wirtschaft beim Personal offenbar in einem Übergangsmodus: weniger Unternehmen drosseln den Stellenabbau, gleichzeitig wächst der Druck auf einen spürbaren Beschäftigungsaufbau noch nicht. Der zentrale Indikator, das Ifo-Beschäftigungsbarometer, kletterte im Oktober leicht auf 95,5 Punkte nach 95,1 Punkten im September. Dass dieser Anstieg „nur“ moderat ausfällt, ist der wichtige Nebeneffekt der Meldung: Er signalisiert eine Stabilisierung, aber keine durchgreifende Trendwende hin zu massiver Neueinstellung.
In der Einschätzung von Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen, zeigt sich die Logik dahinter in einem Satz: Die Unternehmen würden beim Stellenabbau vorsichtiger, doch für einen breiten Beschäftigungsaufbau fehle dem Aufschwung noch die nötige Kraft. Diese Trennung zwischen „weniger Abbau“ und „echter Aufbau“ ist für Personalplaner praktisch relevant, weil sie sich direkt auf Budgetzyklen, Recruiting-Volumen und die Bereitschaft zu unbefristeten Verträgen auswirkt. Für die Industrie hält der Bericht zudem fest, dass sich die Lage gegenüber September leicht verschlechtert hat: Dort planten die Firmen weiter mit weniger Personal.
Besonders differenziert fällt die Betrachtung nach Branchen aus. Während vor allem in der Autoindustrie weitere Stellen abgebaut werden sollen, zeichnen sich bei Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen laut Ifo eher mehr Neueinstellungen ab. In der Praxis heißt das: Der Strukturwandel setzt sich fort, aber er wandert zwischen Wertschöpfungsstufen und Teilmärkten. Die Personalnachfrage entwickelt sich damit nicht nur entlang der Konjunktur, sondern auch entlang der Frage, welche Geschäftsmodelle gerade produktions- und investitionsseitig stabiler sind und welche von Zurückhaltung geprägt bleiben.
Daneben macht die Meldung deutlich, dass Dienstleister und Leiharbeitsfirmen die Konjunkturlage vergleichsweise besser einpreisen. Dem Ifo zufolge wollen Dienstleister eher Stellen aufbauen, und auch Leiharbeitsfirmen wachsen angesichts verbesserter Konjunkturaussichten in der Zuversicht. Für diese Segmente ist das typisch: Zeitarbeit reagiert in der Regel schneller auf Auftragssignale, weil Unternehmen zunächst flexiblere Kapazitäten einziehen können, bevor sie Festanstellungen ausweiten. Im Handel dagegen bleibt die Richtung unverändert – hier planen die Unternehmen weiterhin mit weniger Personal. Auch im Baugewerbe zeichnet sich ein leichter Stellenabbau ab, was zeigt, dass die Erholung nicht überall gleichzeitig ankommt.
Die Einordnung ins makroökonomische Gesamtbild bekommt die Personalentwicklung über die Wachstumserwartungen. Laut Bundesregierung wird für das laufende Jahr ein Wachstum der deutschen Wirtschaft um 1,3 Prozent erwartet, das Ifo geht sogar von 1,4 Prozent aus. Entscheidend ist dabei der Zusammenhang zur „Flaute“ der vergangenen Jahre: Für 2025 wird ein BIP-Zuwachs von lediglich 0,2 Prozent genannt, davor war die Wirtschaft in zwei Jahren geschrumpft. Ein solcher Verlauf erklärt, warum Unternehmen zwar weniger Beschäftigung abbauen, aber noch zurückhaltend bei umfassenden Einstellungsplänen sind. Erst wenn Aufträge und Auslastung nachhaltig steigen, kippt die Personalplanung häufig von defensiv zu offensiv.
Für den Arbeitsmarkt bedeutet das insgesamt: kurzfristig dürfte der größte Effekt weniger mit neuen Stellen entstanden durch „Recruiting-Wellen“ zu tun haben, sondern eher damit, dass Kündigungs- und Abbauentscheidungen weniger aggressiv ausfallen. Mittelfristig wird entscheidend sein, ob die Industrie ihre zurückhaltende Personalpolitik tatsächlich ablegt und ob der Aufbau in den Branchen mit Neueinstellungsplänen übergreift. Für Unternehmen und Recruiting-Teams folgt daraus eine zweigleisige Strategie: einerseits flexibel auf sektorale Schwankungen reagieren, andererseits aber bereits jetzt Qualifizierungs- und Nachbesetzungspläne so gestalten, dass sie bei einer konjunkturellen Beschleunigung nicht zum Engpass werden.
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