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ESSEN / LONDON (IT BOLTWISE) – BASF hebt die Prognose für 2026 an und liefert zugleich ein starkes drittes Quartal. Der Konzern nutzt den Gegenwind aus dem Nahen Osten als kurzfristigen Preistreiber, während die Aktie trotz besserer Zahlen zunächst nach unten dreht. Im Zentrum steht ein Zukauf: BASF bietet offenbar 24 Euro je Evonik-Aktie und kommt damit auf einen Kaufpreis von mehr als elf Milliarden Euro. Ob diese „Konsolidierung in Europa“ trägt, entscheidet sich spätestens nach dem Ende der kriegsbedingten Sonderkonjunktur.

BASF erhöht Prognose – doch der Krieg finanziert den Evonik-Zukauf
BASF erhöht Prognose – doch der Krieg finanziert den Evonik-Zukauf (Foto: IT BOLTWISE)
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Das dritte Quartal von BASF wirkt auf den ersten Blick wie ein Musterbeispiel für operative Stabilität: Der Chemiekonzern meldet ein deutlich besseres Ergebnis als im Vorjahr, hebt die Prognose für 2026 an und nennt dabei konkrete Kennzahlen, die sich auch in der Investorenkommunikation gut erklären lassen. Dennoch dreht die Aktie ins Minus. Genau diese Spannung dürfte viele Anleger beschäftigt haben, denn ein Teil des Rückenwinds, so die Logik hinter den Zahlen, stammt nicht aus nachhaltiger Nachfrageerholung, sondern aus einem Krieg, der Lieferketten und Preisniveaus vorübergehend verschiebt.

Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet BASF ein bereinigtes EBITDA von 7,4 bis 7,8 Milliarden Euro, nachdem zuvor 6,9 bis 7,7 Milliarden im Plan standen. Im Vorjahr hatte der Wert bei 6,6 Milliarden Euro gelegen. Der Vorstand um Markus Kamieth rückt damit vor allem die Untergrenze nach oben: Die Obergrenze steigt nur um 100 Millionen Euro, die Mitte der Spanne liegt bei 7,6 Milliarden Euro und damit exakt dort, wo Analysten im Schnitt landeten. Auch beim freien Cashflow bleibt der Rahmen 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro bestehen, während der Markt bereits eher das obere Ende im Blick hat. Damit ist die „Überraschung“ eher eine Bestätigung: Gute Quartalszahlen, aber keine echte Abweichung vom Konsens.

Technisch betrachtet lässt sich das Quartalsergebnis dennoch sauber herleiten. Beim Umsatz legt BASF im dritten Quartal um 14,2 Prozent auf 16,36 Milliarden Euro zu, getragen von höheren Preisen und Mengen. Besonders spürbar sind Beiträge aus den Segmenten Chemicals sowie Nutrition & Care; Währungseffekte, die zuvor bremsten, wirken in diesem Zeitraum leicht positiv. Das Quartalsergebnis steigt auf 1,64 Milliarden Euro nach 1,43 Milliarden im Vorjahr und damit spürbar über den Erwartungen. Gleichzeitig ist die Herkunft dieser Verbesserung nicht rein hausgemacht: Ein Teil des Gewinns entsteht aus der Marktlage, die sich durch die gestörten Lieferwege im Nahen Osten und die dadurch veränderte Nachfrage zu Gunsten europäischer Anbieter verschiebt.

Die Marktmechanik dahinter ist entscheidend, weil sie die Grundlage für den nächsten großen Schritt liefert. Asiatische Chemiekonzerne sind in den Angaben stark an Öl- und Gaslieferungen vom Golf gekoppelt; wenn die Straße von Hormus gestört ist, steigt für sie der Kostendruck und die Versorgungssicherheit gerät ins Wanken. In der Folge wandert Nachfrage zu europäischen Anbietern, BASF kann in einzelnen Bereichen Preise teilweise anheben, und auch die Importflut aus Asien lässt nach. Parallel zeigt BASF aber, dass nicht das ganze Portfolio gleichermaßen profitiert: Während Rückgänge in zwei Bereichen durch den Zuwachs im Kerngeschäft kompensiert werden, verzeichnet das Segment Surface Technologies (etwa Batteriematerialien und Abgaskatalysatoren) weniger starke Verdienste, ebenso die Agrarsparte. Unter dem Strich schrumpft der Gewinn der Aktionäre um knapp 10 Prozent auf 155 Millionen Euro – unter anderem wegen Restrukturierungskosten, zu denen Abfindungen für Mitarbeiter zählen.

Genau an dieser Stelle wird der Evonik-Zukauf zum strategischen Stresstest. Nach Berichten bietet BASF dem Essener Spezialchemiekonzern offenbar 24 Euro je Aktie; in Summe entspräche das mehr als elf Milliarden Euro. Das erste Gebot Ende September lag bei 22,15 Euro und wurde abgelehnt. Die Evonik-Aktie notierte zuletzt bei rund 21,40 Euro, nachdem sie vor den ersten Berichten bei gut 18 Euro gelegen hatte. Finanztechnisch lässt sich das als Versuch lesen, die günstige Phase der Börsenwahrnehmung zu nutzen. Kamieth argumentiert mit der Logik einer europäischen Konsolidierung: Die Portfolios ergänzten sich, gemeinsam entstehe ein widerstandsfähigerer Konzern – und selbst beim Preis setzt er klare Grenzen, indem er betont, keinen überhöhten Betrag zahlen zu wollen. Gleichzeitig hängt der politische Diskurs an einem anderen Risiko, nämlich an der Beschäftigungswirkung. Dennis Radtke, Chef des CDU-Sozialflügels, äußert Sorge vor dem Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen und will den Vorgang am liebsten beenden; Berichten zufolge hat Kamieth betriebsbedingte Kündigungen bis 2032 ausgeschlossen.

Damit bleibt am Ende eine klare Frage offen: Ist der „Kriegsrückenwind“ nur ein kurzfristiger Finanzierungskanal oder wird er in echte Wertschöpfung überführt? Branchenverbände hatten bereits im Frühjahr vor dem Rückprall nach dem Krieg gewarnt, und auch innerhalb des Konzerns gilt die Belebung eher als vorübergehend. Für BASF ist das ein schwieriger Moment, weil die Zahlen ungewöhnlich gut aussehen und der Kauf damit in der Gegenwart leichter zu rechtfertigen ist als im Nachgang. Das schwache Schlussquartal, das sich laut Analysten aus dem Ausblick abzeichnet, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Markt die Preisdisziplin stärker prüft als die kurzfristige Ergebnisstärke. Für Unternehmen, die gerade über KI-gestützte Supply-Chain-Steuerung oder Kostenoptimierung nachdenken, liegt hier die harte Botschaft: Wenn Marktimpulse aus geopolitischen Verwerfungen kommen, müssen Integration, Produktmix und Effizienzgewinne so geplant sein, dass sie auch nach dem Ende der Sonderkonjunktur funktionieren – sonst wird aus einem Zukauf schnell ein Belastungspaket.

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