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LONDON (IT BOLTWISE) – Angriffe treffen längst nicht mehr nur klassische IT-Umgebungen. Laut Alexander Opel von ESET senkt KI die Einstiegshürden für Cyberkriminelle und beschleunigt die Erstellung professioneller Betrugsmaschen. Besonders gefährdet sieht er vernetzte Geräte wie Überwachungskameras, Netzwerkdrucker und auch Fahrzeuge. Zusätzlich kommt der Hinweis des BSI auf: Wer Steuerungs- und Kühlanlagen betreibt, muss diese Systeme deutlich sicherer absichern.

KI macht Cyberangriffe schneller: Welche vernetzten Geräte jetzt besonders riskant sind
KI macht Cyberangriffe schneller: Welche vernetzten Geräte jetzt besonders riskant sind (Foto: IT BOLTWISE)
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Die jüngsten Vorfälle mit manipulierten Kühltruhen in Supermärkten zeigen vor allem eines: Das Angriffsmodell wird breiter, und es verschiebt sich Richtung Alltags-IT. Wenn Hacker aus der Ferne Funktionen wie Abtauprozesse auslösen können, entsteht nicht nur ein finanzieller Schaden durch verdorbene Ware, sondern auch ein unmittelbarer Effekt auf Versorgung und Abläufe vor Ort. Genau diese Kombination aus „low tech“-Anmutung und „high impact“-Folgen macht das Thema für Betreiber und Verbraucher gleichermaßen relevant. Denn selbst wenn Kühlanlagen nicht zu den „kritischen Infrastrukturen“ im engeren Sinne zählen, können erfolgreiche Angriffe gesellschaftliche Risiken verstärken.

Alexander Opel, IT-Sicherheitsexperte bei ESET, ordnet das in den Kontext einer insgesamt steigenden Angriffsrate ein. Auf Anfrage erläutert er, dass Künstliche Intelligenz (KI) zwar vor allem die Effizienz der Täter erhöht, aber eben nicht nur „die Arbeit der Angreifer schneller“ macht, sondern auch ihre Qualität verändert. In der Praxis bedeutet das: KI beschleunigt das Fälschen von Webseiten und kann Betrugsversuche so gestalten, dass sie professioneller wirken und damit schwerer zu erkennen sind. Gleichzeitig betont Opel, dass KI die Einstiegshürden für weniger erfahrene Täter senkt, weil zuvor notwendiges Spezialwissen heute automatisiert oder zumindest stark unterstützt werden kann. Dadurch werden mehr Angriffe parallel möglich und die Ausführungsgeschwindigkeit steigt im Vergleich zu früher.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte bereits Mitte Oktober vor Angriffen auf Anlagen gewarnt, etwa zur Kühlung von Lebensmitteln oder zur Erzeugung von Strom. In diesem Zusammenhang griff BSI-Präsidentin Claudia Plattner einen zentralen Punkt auf: „Derartige Einfallstore laden regelrecht zu Sabotage ein.“ Damit ist die Stoßrichtung klar. Es geht nicht nur um Datenabfluss, sondern auch um die Schwachstellen in vernetzten Steuerungssystemen, die für den Betrieb unverzichtbar sind. Das BSI fordert zudem, Betreiber solcher Anlagen „eindringlich“ aufzufordern, ihre Systeme sicher zu betreiben, und verweist dafür auf die Cybersicherheitsempfehlung BSI-CS 154. Für Unternehmen und Betreiber ist das vor allem deshalb ein harter Maßstab, weil die Sicherheitsanforderungen nicht bei der klassischen IT-Härtung enden, sondern bis in die industrielle bzw. gebäudetechnische Steuerung hineinreichen.

Auch das Rollenbild der Lieferkette wird damit greifbar. Opel sieht ausdrücklich Hersteller solcher angreifbaren Anlagen in der Pflicht: „Hier liegt es an den Geräteherstellern, bei der Sicherheit ihrer Produkte nachzubessern, auch und gerade wenn Cybersecurity nicht zu ihren Kerngebieten gehörte“, sagt er. Die Konsequenz ist technisch und operativ: Jedes mit dem Internet verbundene Gerät müsse über ausreichend Sicherheitsmechanismen verfügen. In der Praxis betrifft das nicht nur Kühltruhen, sondern ein breites Spektrum an „kleinen“ IoT-Komponenten, die oft über Jahre im Bestand bleiben und dabei selten die gleiche Aufmerksamkeit bekommen wie Server oder Firewalls. Opel nennt dafür ausdrücklich smarte Überwachungskameras, Netzwerkdrucker sowie Industrieanlagen und Produktionsmaschinen; daneben können auch Werbetafeln als Ziele interessant sein, wenn Angreifer vor allem Sichtbarkeit und Ablenkung anstreben.

Für Verbraucher verschiebt sich damit der Schwerpunkt: Risiko ist nicht mehr gleichbedeutend mit „Ich habe einen Unternehmens-PC“, sondern mit „Ich betreibe oder nutze vernetzte Technik“. Laut ESET-Einschätzung wird künftig vor allem Künstliche Intelligenz-gestütztes Phishing eine große Herausforderung, etwa in Form von KI-optimierten Nachrichten, Deepfake-Anrufen vermeintlicher Angehöriger oder gefälschten Video-Statements von Banken, Behörden oder Vorgesetzten. Gleichzeitig warnen Sicherheits- und Behördensichten seit Jahren davor, dass Überwachungskomponenten oder smarte Geräte Einblicke in die Privatsphäre liefern können. Bei vernetzten Fahrzeugen geht das Szenario sogar weiter: Moderne Autos verarbeiten sensible Daten und kommunizieren mit Cloud-Diensten, wodurch Angriffe im schlimmsten Fall sogar Fahrzeugfunktionen beeinträchtigen könnten.

Was können Nutzer und Betreiber konkret tun, um das Risiko zu senken? Opel und weitere Sicherheitsverantwortliche setzen dabei vor allem auf Hygiene im Betrieb: Software regelmäßig aktualisieren und sichere, individuelle Passwörter verwenden. Bei vernetzten Geräten ist das jedoch nur der erste Schritt, weil Updates und sichere Zugangsdaten bei vielen Produkten nicht zuverlässig „von allein“ ankommen. Entscheidend wird deshalb, wie schnell ein Hersteller Sicherheitspatches liefert und wie Betreiber Nachweise und Prozesse aufsetzen, um diese Updates zeitnah einzuspielen. Gerade im Umfeld von Kühl- und Steuerungssystemen lohnt sich außerdem eine nüchterne Bestandsaufnahme der Angriffsfläche: Welche Geräte sind wirklich ins Netz gestellt, welche Schnittstellen sind offen und wie werden Zugriffe abgesichert? Die Meldung aus der Praxis macht deutlich, dass KI nicht nur neue Betrugsformen bringt, sondern auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Schwachstellen in Alltags-IT dauerhaft ausgenutzt werden.

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