LONDON (IT BOLTWISE) – Zum 1. Januar 2027 läuft die Riester-Rente für Neuverträge aus. Ab dann übernimmt das Altersvorsorgedepot die Rolle des Förderinstruments, allerdings ohne verpflichtende Beitragsgarantie. Das Geld soll in Aktien-ETFs und andere Wertpapiere fließen und damit höhere Renditechancen bieten, zugleich aber mit spürbar mehr Risiko. Für die Förderung gelten neue Zulagensätze und Kostendeckel, während Bestandsverträge weiterlaufen oder in das neue Modell wechseln können.

Mit dem geplanten Ende der Riester-Rente für Neuverträge ab dem 1. Januar 2027 entsteht in der deutschen Altersvorsorge ein Systemwechsel, der weit über ein reines Produkt-Update hinausgeht. Das neue Altersvorsorgedepot ersetzt das bisher zentrale Förderinstrument und koppelt die staatliche Unterstützung stärker an Kapitalmarktrisiken. Der auffälligste Unterschied: Auf die verpflichtende Beitragsgarantie wird verzichtet, wodurch sich die Anlage- und Auszahlungslogik näher an Wertpapierstrategien bewegt. Wer bisher auf die Mischung aus Förderung und Garantie gesetzt hat, muss künftig neu abwägen, wie sich Schwankungen während der Ansparphase auf die spätere Lebensplanung auswirken.
Technisch und betriebswirtschaftlich verschiebt sich damit auch die Rolle des Förderkontos. Statt dass die Garantie-Mechanik einen großen Teil des Chancen-Risiko-Profils definiert, werden die Beiträge laut Modell künftig in Aktien-ETFs und weitere Wertpapiere gesteuert. Das bedeutet nicht automatisch, dass jedes Depot identisch konstruiert ist, aber die Produktklasse wird dadurch grundsätzlich marktnäher. Zugleich bleibt die staatliche Förderung nicht einfach „weg“, sondern wird in klare Zulagensätze übersetzt. Für die Grundzulage sind 50 Prozent auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag vorgesehen, danach 25 Prozent auf weitere Einzahlungen bis zu 1.800 Euro, gedeckelt auf maximal 540 Euro pro Jahr. Hinzu kommen Kinderzulagen von 100 Prozent auf bis zu 300 Euro Eigenbeitrag je Kind sowie ein einmaliger Berufseinsteigerbonus in Höhe von 200 Euro.
Damit stellt sich für Sparer vor allem die Frage, wie sich diese Mechanik langfristig rechnet. Der Text nennt als Modellannahme 1.800 Euro Einzahlung pro Jahr über 40 Jahre bei acht Prozent Rendite; daraus ergibt sich ein Kapitalstock von etwa 678.000 Euro. Ohne staatliche Förderung läge der vergleichbare Betrag demnach bei rund 527.000 Euro, wodurch der Förderunterschied als substanziell sichtbar wird. Besonders relevant ist dabei auch die steuerliche Einordnung: Erträge bleiben in der Ansparphase steuerfrei, erst die Auszahlungen im Alter werden versteuert. Für viele Haushalte ist das Timing der Besteuerung damit ein zentraler Hebel, weil sich dadurch rein rechnerisch mehr Rendite im Depot „arbeiten“ kann, bevor der Steuervorteil in der späteren Phase ausgeglichen wird.
Die Einführung wird jedoch nicht nur über Renditeversprechen diskutiert, sondern auch über konkrete Verhaltens- und Akzeptanzfragen. Laut einer Studie, die vom 30. Juli 2026 datiert und die Universitäten Kassel und Paderborn nennt, interessieren sich drei von vier Befragten zwar für das neue Depot, aber ein Drittel kennt die Details nicht. Gleichzeitig wünscht sich die Mehrheit weiter eine Beitragsgarantie, obwohl genau diese im neuen Modell wegfällt. Gleichzeitig ist auch eine konstruktive Bereitschaft erkennbar: Zwei Drittel legen Wert auf nachhaltige Anlagemöglichkeiten. Für Anbieter heißt das praktisch, dass Produkt- und Beratungsinhalte künftig stärker erklären müssen, wie Risikoklassen, ETF-Auswahl und Kostenstrukturen zusammenwirken – und warum „garantiert“ nicht mehr das Kernversprechen ist.
Auf der Marktseite deutet der Text bereits eine schnelle Anpassung der Vertriebs- und Produktlandschaft an. Für das erste Halbjahr 2026 wird ein Rekordvermögen von 1,2 Billionen Euro genannt und zugleich eine spezielle Produktpalette angekündigt; als Vertriebspartner wird dabei eine große deutsche Bank genannt. Auch Neobroker ziehen nach: Erste Anbieter sollen Wartelisten für kostenlose Altersvorsorgedepots eingerichtet haben, während Sparpläne bereits ab zehn Euro möglich sein sollen. Parallel rückt damit ein Punkt in den Fokus, der in der Praxis oft übersehen wird: Kosten. Für die neuen Produkte sollen sie gedeckelt werden – auf maximal ein Prozent. Gerade in kapitalmarktnahen Produkten kann diese Kostengrenze den Renditeunterschied gegenüber günstigeren ETF-Konstruktionen oder gegenüber Alternativen in der privaten Vorsorge spürbar beeinflussen.
Für den Personenkreis wird das Modell breiter: Profitieren sollen nicht nur Angestellte, sondern auch Selbstständige und Beamte. Zudem wird die Flexibilität bei der Auszahlung betont, gerade weil das neue Modell als Alternative zur Basisrente für Selbstständige positioniert wird. Auch Bestandskunden sind ausdrücklich mitgedacht: Riester-Sparer sollen ihre Verträge weiterführen oder in das neue System wechseln können, der Wechsel soll möglich sein. Darüber hinaus wird im Sommer 2026 die Frühstart-Rente thematisiert, die staatlich geförderte Depots für Kinder ab sechs Jahren vorsieht, wobei monatlich zehn Euro vom Staat möglich sein könnten. Wer schon jetzt plant, muss daher nicht nur Depotlogik, sondern auch Übergangs- und Timingfragen betrachten: Welche Beiträge sich in welcher Phase steuerlich und förderseitig optimieren lassen, entscheidet am Ende über den tatsächlichen Effekt.
Abseits der reinen Produktlogik gibt es für Bestandskunden zudem eine konkrete Rechtsentwicklung: Der Bundesgerichtshof hat entschieden (Az. XI ZR 83/25), dass jährliche Kontoführungsentgelte in Riester-Bausparverträgen unwirksam sind. Betroffene sollen demnach Entgelte für mindestens drei Jahre zurückfordern können. Das ist in der Praxis vor allem deshalb relevant, weil es unmittelbar Geldströme betrifft, nicht erst spätere Depotwerte. Für die nächsten Monate entsteht dadurch ein zweigleisiger Handlungsbedarf: Wer noch Riester-Bestand hat, prüft Entgeltfragen und dokumentiert Vertragspositionen, während gleichzeitig neue Altersvorsorgeentscheidungen vorbereitet werden. Damit rückt auch die Notwendigkeit einer sauberen Finanzplanung stärker in den Vordergrund, etwa wenn gesetzliche Gehaltsobergrenzen für Sozialabgaben die Nettowirkung der Beiträge verändern können.
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