LONDON (IT BOLTWISE) – Der Amundi Physical Gold ETC ist seit Mai 2019 am Markt und wächst dennoch auf 9,4 Milliarden Euro Fondsvolumen. Entscheidend ist die Mechanik: Der ETC bildet den LBMA-Gold-Preis ab und ist physisch durch bei HSBC verwahrte, einzeln zugeordnete Goldbarren gedeckt. Während Gold 2024 mit +34,49% und 2025 mit +45,71% Aktien zeitweise deutlich übertraf, zeigt 2026 bislang eine Konsolidierung. Wir ordnen die Kosten, die Risiken und die Rolle im Depot ein – inklusive Wettbewerbsvergleich und steuerlicher Einordnung.

Dass ein Gold-ETC erst seit Mai 2019 existiert, wirkt auf den ersten Blick wie ein Handicap gegenüber den großen, etablierten Anbietern. Beim Amundi Physical Gold ETC (C) hat sich die Ausgangslage jedoch erstaunlich schnell gedreht: Das Fondsvolumen liegt bei 9,4 Milliarden Euro, und die laufenden Kosten von 0,12 Prozent pro Jahr bewegen sich auf Augenhöhe mit den nach Volumen größten Wettbewerbern. Damit rückt der Preisfaktor in den Fokus, den viele Anleger beim Thema Gold lange verdrängen: Nicht nur die Renditechance zählt, sondern auch, wie viel „Reibung“ das Produkt über Jahre hinweg aus dem Anlageerfolg herausarbeitet.
Technisch betrachtet ist der Kern der Konstruktion klar benannt: Der ETC bildet die Wertentwicklung des Goldpreises nach, konkret den offiziellen LBMA Gold Price. Der Unterschied zum „klassischen“ privaten Münz- oder Barrenkauf liegt in der Eigentums- und Abwicklungslogik. Der ETC ist vollständig durch physisch hinterlegtes Gold gedeckt, das bei der HSBC Bank als Verwahrstelle liegt. Für jeden einzelnen Barren wird eine separate Identifikation und Zuordnung geführt. Wer Anteile am ETC kauft, erwirbt wirtschaftlich eine Beteiligung an diesem eingelagerten Gold – ohne den physischen Besitz, den Transport oder die eigene Tresororganisation zu übernehmen.
Gerade in einem Umfeld, in dem sich Marktlogik oft schneller ändert als Depotentscheidungen, wirkt diese Struktur für viele Anleger attraktiv. Das Produkt ist börsentäglich handelbar, lässt sich in kleineren Beträgen investieren und eignet sich damit auch für regelmäßige Sparpläne. Zusätzlich entfallen Kostenblöcke, die bei physischem Gold typischerweise sichtbar werden: Tresor, Versicherung und der sichere Transport. Auch der Spread zwischen Kauf- und Verkaufspreis fällt in der Praxis häufig geringer aus als beim Handel mit Münzen oder Barren. Gleichzeitig bleibt ein grundlegender Trade-off: Wer die Unabhängigkeit ohne Verwahrstelle, Börse und Depotbank als absolutes Sicherheitsversprechen sucht, bekommt genau das über einen ETC nicht in gleicher Form.
Am Markt zeigt Gold seit 2024 und insbesondere 2025 eine Dynamik, die viele Anleger überrascht hat, weil der „sichere Hafen“-Effekt in kurzer Zeit sehr stark ausfiel. Für 2024 wird ein Plus von 34,49 Prozent genannt, für 2025 sogar 45,71 Prozent – als einer der stärksten Goldjahresläufe der Geschichte, nur in den 1970er-Jahren übertroffen. Mehrere Treiber liefen zusammen: Die US-Notenbank senkte im Jahresverlauf 2025 mehrfach die Leitzinsen, wodurch zinslos gehaltenes Gold relativ attraktiver wurde. Daneben kauften Notenbanken weltweit in großem Stil Gold für ihre Währungsreserven, um sich unabhängiger vom US-Dollar zu positionieren. Dazu kam anhaltende geopolitische Unsicherheit.
2026 kippt die Stimmung bislang in Richtung Konsolidierung: Per Stand des Artikats liegt Gold bei -4,41 Prozent, nachdem Ende Januar ein neues Rekordhoch erreicht wurde und anschließend eine spürbare Korrektur einsetzte. Auslöser waren veränderte Erwartungen an die US-Zinspolitik: Von erwarteten weiteren Zinssenkungen hin zu einer möglicherweise strafferen Linie, verbunden mit zeitweise festeren US-Dollar-Konditionen und abnehmenden Zuflüssen in goldgedeckte Fonds. Viele große Analysehäuser stufen diese Bewegung als normale Konsolidierung nach einer außergewöhnlich starken Rally ein. Wichtig ist dabei die Einordnung der Gesamtrendite: Die kurzfristige Volatilität ist hoch, aber sie bedeutet nicht automatisch ein dramatischeres Risiko als bei Aktien.
Im direkten Vergleich mit dem Weltaktienmarkt zeigt sich, warum der Amundi Physical Gold ETC in der genannten Zeitphase sogar outperformen konnte. Über drei Jahre liegt der Gold-ETC bei 100,69 Prozent, während der Welt-ETF laut Text 65,07 Prozent erreicht; über fünf Jahre nennt der Artikel 125,52 Prozent für Gold gegenüber 79,20 Prozent für den Welt-Index. Diese Differenz erklärt sich weniger durch eine „dauerhafte“ Goldüberlegenheit, sondern durch die seltene Kombination aus sinkenden Zinsen, erhöhter geopolitischer Unsicherheit und beispiellosen Notenbankkäufen. Genau hier liegt der diversifikationsorientierte Wert: Gold schwankt oft stärker als Aktien (im Text 24,06 Prozent Volatilität vs. 10,47 Prozent), zeigt im maximalen Verlust über fünf Jahre aber ein vergleichbares Ausmaß (minus 22,83 Prozent vs. minus 20,45 Prozent) – ein Hinweis darauf, dass „Krisenverhalten“ der eigentliche Hebel ist.
Für die Portfolio-Perspektive ist die Wettbewerbsfrage deshalb zweistufig: Der Preis und die Handelsfähigkeit sprechen für die großen Player wie iShares Physical Gold ETC und Invesco Physical Gold ETC, aber die Unterschiede liegen häufig in Details der laufenden Kosten, der Produktökonomie und der Verwahrlogik. Hinzu kommt die historische Perspektive: Über Jahrzehnte haben Aktien Gold meist geschlagen, weil Unternehmen Gewinne erwirtschaften und diese ausschütten oder reinvestieren können. Die jüngste Phase ist daher eher „marktbedingt“ als regelbasiert. Regulatorisch und steuerlich gilt außerdem: Ein ETC ist rechtlich und steuerlich nicht automatisch identisch mit privat gehaltenem physischem Gold, weshalb Anleger die konkrete Ausgestaltung (u. a. für Thesaurierung/Verrechnung und mögliche Besonderheiten) mit Blick auf ihre Situation prüfen sollten. Fazit: Als Beimischung zur Diversifikation ist der ETC besonders dann interessant, wenn der Anlagehorizont mittel- bis langfristig ist und Gold als Absicherungsbaustein gegen Währungs- und Krisenrisiken dienen soll.
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