LONDON (IT BOLTWISE) – Junge Beschäftigte und Azubis haben nach Branchenangaben ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko am Arbeitsplatz. In Europa liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Arbeitsunfall bei 18- bis 24-Jährigen mindestens 50 % über der anderer Altersgruppen. Unternehmen müssen deshalb Sicherheitsunterweisungen nicht nur planen, sondern systematisch in die Ausbildung integrieren. Besonders im Brandschutz setzt die DGUV mit einem mehrmoduligen Präventionsprogramm neue Schwerpunkte.

Wer Azubis oder Berufseinsteiger in den Betrieb holt, bekommt nicht automatisch die gleiche Routine wie bei erfahrenen Mitarbeitenden mit. Genau darauf verweist die aktuelle Argumentation aus der Arbeitsschutz-Praxis: Mangelnde Erfahrung führt dazu, dass Gefahrenmuster schlechter erkannt werden und sich Fehler häufiger wiederholen. Der Ansatz beginnt damit, dass Arbeitgeber die spezifischen Gefahrenpotenziale junger Beschäftigter in der Gefährdungsbeurteilung sichtbar machen und anschließend passende Präventionsmaßnahmen planen. Dazu gehören ausdrücklich auch arbeitsmedizinische Vorsorgeangebote, die nicht als reiner Formularprozess enden, sondern sich an den tatsächlichen Bedingungen vor Ort orientieren.
Die statistische Ausgangslage ist dabei klar formuliert: Für Europa wird berichtet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass 18- bis 24-Jährige am Arbeitsplatz einen Unfall verursachen, mindestens 50 % über dem Wert anderer Altersgruppen liegt. Schon 2006 adressierte eine EU-weite Kampagne im Rahmen der Europäischen Woche für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz dieses Thema und machte auf das rund 50 % höhere Arbeitsunfallrisiko junger Arbeitnehmer aufmerksam. Damit wird deutlich, dass es sich nicht um einen einmaligen Trend handelt, sondern um ein strukturelles Muster, das Unternehmen seit Jahren adressieren müssen. Gleichzeitig zeigt die Diskussion, warum reine Medizindaten ohne Arbeitsplatzkenntnis nur begrenzten Aussagewert liefern: Wenn Mediziner die konkreten Tätigkeiten und Gefährdungen nicht kennen, bleibt die arbeitsmedizinische Betreuung zu abstrakt.
Aus der Sicht der Umsetzung heißt das: Arbeitsschutz darf in der Ausbildung nicht bei allgemeinen Standards stehen bleiben, sondern muss in der Unterweisung konkret werden. In der Praxis bedeutet „konkret“ zum Beispiel, dass Inhalte aus der Gefährdungsbeurteilung in verständliche Lernschritte übersetzt werden: Welche Arbeitsmittel werden genutzt? Welche Situationen gelten als kritisch? Was passiert bei Abweichungen im Ablauf? Als zeit- und ressourcenschonende Unterstützung wird dafür eine fertige PowerPoint-Vorlage samt Checklisten als kostenloser Download genannt, um die Unterweisungsvorbereitung rechtssicher und effizient zu strukturieren. Daneben wird der Wert klarer, wiederholbarer Muster betont, etwa wenn Sicherheitsbeauftragte bei der Erstunterweisung mit Mustervorlagen arbeiten und die rechtlichen Grundlagen systematisch durchgehen.
Auch betriebliche Initiativen zeigen, wie sich die Sicherheitskultur auf neue Gruppen „übertragen“ lässt. Die Ausbildungszentren eines Energieunternehmens qualifizieren Auszubildende gezielt zu Sicherheitspartnern, damit der Schutzgedanke direkt unter Gleichaltrigen verankert wird. Ein weiteres Beispiel aus der Branche ist ein Auszubildenden-Wettbewerb für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, der Berufsanfänger rechtzeitig sensibilisieren soll. Solche Formate greifen ein kommunikatives Problem auf: Unterweisung wirkt besser, wenn sie nicht nur top-down stattfindet, sondern in einer Sprache vermittelt wird, die Auszubildende im Alltag wiederfinden. In anderen Branchen adressieren Unfallversicherungsträger das Thema ebenfalls mit Schulungen in Arbeits- und Verkehrssicherheit, um Wissen bereits während der Berufsausbildung so zu verankern, dass spätere Berufskrankheiten und Arbeitsunfälle verhindert werden.
Besonders deutlich wird die Ausrichtung auf konkrete Gefahrenfelder im Programmansatz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Im Rahmen von „Jugend will sich-er-leben“ (JWSL) soll der Brandschutz im Berufsschuljahr 2026/27 als zentrales Präventionsthema unter dem Motto „Lass nichts anbrennen“ auf dem Lehrplan stehen. Die Relevanz wird dabei über Unfallmeldungen untermauert: Laut JWSL werden jählich durchschnittlich mehr als 1.400 Arbeitsunfälle infolge von Bränden oder Explosionen an die gesetzlichen Unfallversicherungsträger gemeldet. Das didaktische Konzept kombiniert dabei ein Unterrichtskonzept mit 9 Modulen à rund 20 bis 55 Minuten sowie ein Unterweisungskonzept mit 7 Modulen à 30 bis 50 Minuten; hinzu kommt ein Wettbewerb, dessen Einsendeschluss auf den 28. Februar 2027 datiert ist. Damit setzt die DGUV weniger auf eine einzelne Botschaft, sondern auf eine wiederholte, modulare Lernkurve über mehrere Lerneinheiten hinweg.
Technisch-organisatorisch ist interessant, dass das Programm nicht nur Inhalte fordert, sondern auch betriebliche Vorgaben betont. Genannt wird ein Richtwert für die Benennung von Brandschutzhelfern von mindestens 5 % der Beschäftigten gemäß Gefährdungsbeurteilung; bei erhöhter Brandgefahr soll der Anteil entsprechend steigen. Das ist für Unternehmen wichtig, weil es die Brücke zwischen Ausbildung und Betriebssicherheit schlägt: Brandschutz wird nicht als „Extra“ behandelt, sondern als Bestandteil der organisatorischen Mindestanforderungen. Für die Ausbildung bedeutet das außerdem, dass junge Beschäftigte früh lernen, wer im Ernstfall verantwortlich ist, wie Meldewege laufen und welche Handlungsoptionen in konkreten Situationen gelten.
Für Entscheider ergibt sich daraus eine klare Priorisierung: Erstunterweisungen müssen strukturiert, wiederholbar und auf die realen Tätigkeiten zugeschnitten sein. Gleichzeitig ist die arbeitsmedizinische Vorsorge sinnvoll, wenn sie die Arbeitsbedingungen kennt und nicht nur allgemeine Risiken abarbeitet. Unternehmen, die Sicherheit als Teil des Onboardings und nicht als isolierten Pflichttermin begreifen, senken nicht nur das Unfallrisiko, sondern verbessern auch die Akzeptanz der Maßnahmen bei Nachwuchskräften. Gerade beim Brandschutz zeigt sich, wie sich Prävention über Modulkonzepte und Wettbewerbsformate in den Schul- und Ausbildungsalltag integrieren lässt, ohne dass die praktische Einordnung vor Ort verloren geht.
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