HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Aurubis meldet für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/26 einen Anstieg des operativen Ergebnisses vor Steuern (EBT) um 31 % auf 374 Mio. Euro. Der Multimetall-Anbieter profitierte laut Mitteilung von höherer Produktionsauslastung, verbessertem Metallergebnis und stärkeren Erlösen aus Schwefelsäure sowie Recyclingmaterialien. Im dritten Quartal kletterte das operative EBT auf 149 Mio. Euro und lag damit klar über dem zweiten Quartal. Gleichzeitig kommt die Investitionsagenda mit dem Start der Recyclinganlage in Hamburg und dem Hochlauf in Richmond voran, während der Netto-Cashflow temporär unter Druck steht.

Der Quartals-Takt bei Aurubis wird derzeit weniger durch operative Engpässe bestimmt als durch den Abgleich zwischen Marktlage und Anlagen-Hochlauf. Für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/26 nennt das Unternehmen ein operatives Ergebnis vor Steuern (EBT) von 374 Mio. Euro, nach 286 Mio. Euro im Vorjahr. Das entspricht einem Plus von 31 %. Parallel stieg das operative EBITDA auf 570 Mio. Euro (Vorjahr: 462 Mio. Euro). Schon diese Größenordnung zeigt, wie stark die Ergebnisentwicklung bei einem Multimetall-Anbieter nicht nur vom Absatz abhängt, sondern auch von der Verfügbarkeit im Hüttenbetrieb und davon, wie sich Metallpreise in die Preisgestaltung und Prozessketten durchreichen.
Technisch betrachtet lässt sich der Hebel, den Aurubis benennt, in drei Wirkbereiche übersetzen: besseres Metallergebnis, höhere Erlöse aus produktionsnahen Chemieprodukten und ein stabileres Recycling-Umfeld. Laut Unternehmensangaben stützte vor allem die höhere Produktionsauslastung das Metallergebnis, insbesondere durch höhere Metallpreise bei Edelmetallen. Dazu kamen steigende Erlöse aus dem Verkauf von Schwefelsäure sowie leicht höhere Einnahmen aus der Verarbeitung von Recyclingmaterialien. Dass auch die Absatzerlöse aus Kupferprodukten spürbar positiv wirkten, ist für die Ergebnisqualität wichtig, weil Kupfer bei der Verrechnung über mehrere Prozessschritte häufig eine Leitgröße für Auslastung und Wertschöpfung darstellt.
Im Vergleich der Quartale wird die Verbesserung zusätzlich sichtbar: Allein im dritten Quartal 2025/26 erzielte Aurubis ein operatives EBT von 149 Mio. Euro, während das Vorjahr in diesem Zeitraum nur 57 Mio. Euro erreichte. Damit lag das Unternehmen deutlich über dem Ergebnis des zweiten Quartals, das mit 121 Mio. Euro beziffert wird. Für die Monate April bis Juni 2026 beschreibt Aurubis ein Ergebnisbild, das ebenfalls von einem stärkeren Metallergebnis geprägt war, getrieben unter anderem durch höhere Kupferpreise und mehr Einnahmen aus dem Recyclinggeschäft. Daneben nennt die Mitteilung deutlich gestiegene Schwefelsäureerlöse. Der Marktmechanismus dahinter ist simpel, aber operativ anspruchsvoll: Wenn sich Preisrelationen verändern, müssen Anlagen wie Elektrolyse und nachgelagerte Produktbereiche auch während Umstellungen und Wartungsfenstern ihre Ausbringung stabil halten.
Auch Kennzahlen zur Kapitalrendite liefern einen Hinweis darauf, dass es nicht nur eine „Bilanzgeschichte“, sondern ein funktionierender Betriebshebel ist. Der operative Return on Capital Employed (ROCE) lag zum 30. Juni 2026 bei 9,4 %, über dem Vorjahreswert von 9,1 % und klar über dem Vorquartal von 8,1 %. Der Konzern führt den Anstieg vor allem auf die Ergebnisentwicklung in den ersten neun Monaten zurück. Gleichzeitig gibt es eine zweite, ebenso praxisrelevante Perspektive: Der Netto-Cashflow bewegte sich nach neun Monaten bei -28 Mio. Euro (Vorjahr: 357 Mio. Euro). Aurubis ordnet das einer zeitweisen Bevorratung von Zwischenprodukten im Zuge der schrittweisen Inbetriebnahme der erweiterten Kupfer-Elektrolyse in Bulgarien zu; solche Zwischenprodukte entstehen entlang der metallurgischen Prozesskette und können den Cash Conversion Cycle kurzfristig belasten, bis sie im weiteren Verlauf in fertige Produkte überführt werden.
Für die Segmentlogik ist interessant, wie stark sich Recycling und klassisches „Custom Smelting & Products“ voneinander abgrenzen lassen. Im Segment Multimetal Recycling erzielte Aurubis ein operatives EBT von 87 Mio. Euro nach neun Monaten (Vorjahr: 36 Mio. Euro). Das Segment Custom Smelting & Products steigerte das operative EBT auf 355 Mio. Euro (Vorjahr: 342 Mio. Euro). Damit tragen beide Bereiche zur Ergebnisverbesserung bei, wobei Multimetal Recycling wieder deutlich stärker als in den Vorquartalen gewesen sein soll. Das passt zur Investitionsstrategie, die Aurubis unter „Performance 2030“ zusammenfasst: Rund 90 % der strategischen Investitionsagenda mit einem Volumen von etwa 1,7 Mrd. Euro seien bis Ende Juni 2026 umgesetzt gewesen. In Hamburg ging im Juli eine 190 Mio.-Euro-Investition in die „Complex Recycling Hamburg“-Anlage in Betrieb; in den USA läuft parallel der Hochlauf der ersten Sekundärhütte „Aurubis Richmond“ mit einer zweiten Stufe, die parallel zur ersten in die Inbetriebnahme geht.
Markt- und Wettbewerbsrelevanz bekommt diese Projektlinie vor allem dadurch, dass sie Kapazitäten entlang der metallurgischen Wertschöpfungskette „entkoppelt“: Recycling-Infrastruktur erhöht die Planbarkeit der Inputströme, Elektrolyse-Erweiterungen sichern die Ausbringung, und produktseitige Erlöse stabilisieren die Cash- und Margenlage. In Bulgarien erhöht Aurubis die lokale Kapazität der Kupferelektrolyse um 50 % auf 340.000 Tonnen raffiniertes Kupfer; die vorbereitenden Maßnahmen für eine schrittweise Inbetriebnahme verliefen nach Plan. Für die Zielplanung nennt der Konzern zudem Abschlussfenster: Phase 1 soll im Geschäftsjahr 2026/27 enden, Phase 2 im Geschäftsjahr 2027/28. Für Investoren und strategisch aufgestellte Kundenunternehmen ist das vor allem eine Frage der zeitlichen Kopplung zwischen Hochlauf und Ergebnispfad, weil sich Effekte wie Bevorratung oder überlappende Inbetriebnahmen kurzfristig im Netto-Cashflow abbilden können.
Mit Blick auf die Gesamtjahreserwartung bestätigt Aurubis die Prognose für 2025/26. Das Unternehmen rechnet operativ mit einem EBT zwischen 425 und 525 Mio. Euro sowie einem operativen ROCE zwischen 10 und 12 %. Aus heutiger Sicht erwartet Aurubis, das operative EBT am oberen Ende des Prognosekorridors zu erzielen. Für die Praxis heißt das: Unternehmen, die auf Lieferfähigkeit und stabile Industriepreise angewiesen sind, können sich mittelfristig auf steigende Verfügbarkeit konzentrieren, während gleichzeitig das Management der Hochlaufphasen die Schwankungen bei Cashflow und Zwischenprodukten erklären soll. Wer in der Liefer- und Produktionsplanung mit Metallwertschöpfung arbeitet, sollte diese Kombination aus Ergebnisverbesserung und Projektfortschritt deshalb als operativen Fahrplan verstehen – nicht nur als Momentaufnahme.
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