BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Trotz eines Anstiegs der Baugenehmigungen bleibt der Wohnungsmarkt in Deutschland angespannt. Experten warnen vor einer strukturellen Krise und fordern politische Reformen, um die steigenden Mieten und Kaufpreise in den Griff zu bekommen.

Der deutsche Wohnungsmarkt steht vor einer Herausforderung, die trotz eines Anstiegs der Baugenehmigungen nicht gelöst werden kann. Im Jahr 2025 verzeichnete Deutschland erstmals seit drei Jahren einen Anstieg der genehmigten Wohnungen um 10,8 Prozent, was insgesamt 238.500 Einheiten entspricht. Besonders das zweite Halbjahr zeigte mit einem Zuwachs von 17,8 Prozent eine starke Entwicklung. Doch Experten warnen, dass dieser Aufwärtstrend nicht ausreicht, um die strukturellen Probleme des Marktes zu beheben.
Zwischen der Erteilung von Baugenehmigungen und der tatsächlichen Fertigstellung von Wohnungen liegen oft Jahre, und viele Projekte scheitern an den hohen Kosten. Prognosen gehen davon aus, dass 2026 nur rund 215.000 Wohnungen fertiggestellt werden, was deutlich unter dem jährlichen Bedarf von etwa 257.000 Wohnungen liegt. Diese Diskrepanz zwischen politischem Ziel und Bauwirklichkeit treibt die Mieten weiter in die Höhe.
Das Beratungsinstitut Empirica prognostiziert für 2026 weitere deutliche Mietsteigerungen. Ein Grund dafür ist, dass sich der Neubau kaum noch rechnet. Um die gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten zu decken, müssten die Mieten in westdeutschen Großstädten bei rund 20 Euro pro Quadratmeter liegen, ein Niveau, das bisher nur in Spitzenlagen erreicht wird. Die hohe Nachfrage konzentriert sich daher auf den knappen Bestand, was auch dort die Preise in die Höhe treibt.
Auch der Markt für Wohneigentum zeigt keine Entspannung. Zwar gab es im ersten Quartal 2026 einen leichten durchschnittlichen Preisrückgang, doch für das Gesamtjahr wird eine Steigerung von etwa 3 Prozent erwartet. Besonders gefragt sind Immobilien in Top-Lagen und mit guter Energieeffizienz. In den sieben größten Metropolen stiegen die Preise Ende 2025 bereits um 4,7 Prozent, angeführt von Frankfurt mit einem Plus von 5,7 Prozent.
Der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft (ZIA) spricht von einer strukturellen Krise und fordert grundlegende Reformen. Dazu gehören schnellere und digitalisierte Genehmigungsverfahren, eine Senkung der Grunderwerbsteuer und gezielte steuerliche Anreize. Ohne diese Maßnahmen sei bezahlbarer Wohnraum nicht zu schaffen. Für Mieter und Käufer bleibt die Lage also angespannt, und die leicht gestiegenen Baugenehmigungen sind nur ein erster Schritt, der das Kernproblem nicht löst.
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