LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Vergleichsauswertung zeigt: Unter den aktuellen Preisannahmen wird das Fahren eines Elektroautos für viele Haushalte besonders günstig. Laut Berechnung sinken die Energiekosten pro 100 Kilometer bei Heimladung deutlich gegenüber Benzin und Diesel. Entscheidend ist dabei vor allem, ob eine Wallbox verfügbar ist und der Strom zu Hause bezogen oder sogar teilweise über Photovoltaik selbst erzeugt wird. Für Nutzer ohne eigene Ladeinfrastruktur bleibt das E-Auto zwar oft ebenfalls im Vorteil, der Abstand fällt jedoch kleiner aus.

Dass Elektroautos aktuell so stark an Attraktivität gewinnen, liegt weniger an einem einzelnen technischen Sprung als an einem sehr konkreten Faktor: den Energiepreisen an der Tankstelle. Eine Auswertung eines Vergleichsportals kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Betrieb mit Strom im Vergleich zu Benzin und Diesel derzeit für viele Haushalte so günstig darstellt wie nie zuvor. Besonders deutlich wird der Effekt, wenn die Ladeumgebung zu Hause stimmt. Damit verschiebt sich das Kostenverhältnis im Alltag – und zwar nicht über Nacht, sondern weil sich Kraftstoff- und Strompreise zeitgleich bewegen.
Rechnerische Grundlage sind feste Annahmen für Verbrauch und Stromkosten. Für das Elektroauto wird mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 16,9 Kilowattstunden pro 100 Kilometer gerechnet und mit einem Haushaltsstrompreis von 32,29 Cent je Kilowattstunde. Daraus ergeben sich Stromkosten von rund 5,44 Euro für 100 Kilometer. Für die gleiche Strecke nennt die Auswertung für Benziner zuletzt etwa 17,96 Euro, für Diesel rund 12,39 Euro. Die Umrechnung stützt sich dabei auf angenommene Verbräuche von 7,9 Litern je 100 Kilometer beim Benziner sowie 5,2 Litern beim Diesel.
Die Spannweite der Kostendifferenz ist entsprechend groß: Wer einen Wagen der Mittel- oder Oberklasse zu Hause lädt, zahlt für 100 Kilometer im Schnitt rund 70 Prozent weniger als mit einem Benziner und 56 Prozent weniger als mit einem Diesel. Ausschlaggebend ist dabei nicht nur der absolute Preis für Strom oder Kraftstoff, sondern auch die unterschiedliche Effizienz beider Antriebsarten im realen Betrieb. In der praktischen Logik der Rechnung steckt deshalb ein ganz einfacher Mechanismus: Elektroautos wandeln Energie über einen hohen Wirkungsgrad direkt in Vortrieb um, während Verbrenner einen größeren Teil der Energie in Form von Wärme verlieren. Wenn dann noch die Kraftstoffpreise steigen, während der Strompreis im Haushaltskontext vergleichsweise moderat bleibt, kann sich der Kostenvorteil schnell weiter vergrößern.
Dass die Spritseite derzeit besonders stark nach oben zeigt, wird in der Auswertung ausdrücklich mit internationalen Unsicherheiten verbunden. Durch die erneute Eskalation im Nahen Osten und neue Unsicherheiten auf wichtigen Öltransportwegen hätten sich die Kraftstoffpreise auch in Deutschland deutlich verteuert. Als Momentaufnahme nennt die Auswertung für die vergangenen sieben Tage durchschnittliche Preise von 2,27 Euro pro Liter für E10 und 2,38 Euro pro Liter für Diesel. Damit steigen die laufenden Kosten für klassische Verbrennerfahrzeuge weiter, und der Abstand zu Elektroautos wird im Kostenmodell nochmals größer.
Ein zweiter Hebel ist die Ladeinfrastruktur im eigenen Umfeld. Der Energieexperte hebt hervor, dass die Differenz der Antriebskosten zwischen Elektroautos und Verbrennern aktuell besonders stark ausfällt – allerdings mit einer klaren Bedingung: Der Umstieg ist vor allem dann attraktiv, wenn das Fahrzeug überwiegend zu Hause über eine Wallbox geladen wird. Haushalte mit eigener Wallbox und Photovoltaikanlage profitieren zusätzlich, weil ein Teil des Strombedarfs über die eigene Produktion gedeckt werden kann. In einem solchen Szenario fällt die Abhängigkeit von den jeweiligen Strom- und Marktkonditionen geringer aus, zumindest anteilig. Umgekehrt gilt: Wer ausschließlich auf öffentliche Ladesäulen angewiesen ist, bleibt zwar häufig noch im Plus gegenüber dem Tanken, aber der Preisvorteil wird laut Auswertung spürbar kleiner.
Auch ohne heimische Ladeinfrastruktur kann sich ein Elektroauto lohnen, allerdings mit veränderten Prozentwerten. Für 100 Kilometer wird bei Normalladung an einer öffentlichen Säule ein Betrag von rund 8,77 Euro genannt, bei Schnellladung 10,12 Euro. Selbst die Schnellladung liegt damit noch 44 Prozent unter Benzin und 18 Prozent unter Diesel. Gleichzeitig gibt die Auswertung einen wichtigen methodischen Hinweis: Die angesetzten Preise für öffentliche Ladepunkte stammen aus März 2025. Damit bildet die Betrachtung zwar eine realistische Vergleichsbasis ab, kann aber Preisschwankungen zwischenzeitlich nicht vollständig widerspiegeln – gerade dort, wo Dynamiken wie Tarifanpassungen oder regionale Netzbetreiberpreise schnell durchschlagen können.
Für Verbraucher ergibt sich daraus vor allem eine Entscheidungshilfe für den Alltag: Die Wirtschaftlichkeit ist nicht nur eine Frage von „Strom statt Sprit“, sondern von der konkreten Lade-Situation. Wer Zugang zu einer Wallbox hat und den Strom zu Hause bezieht, kann die niedrigeren Energiekosten deutlich stabiler kalkulieren. Photovoltaik verstärkt diesen Effekt, weil die Haushaltslast teilweise aus eigener Erzeugung stammt und nicht vollständig zu Marktbedingungen eingekauft werden muss. Für Pendler und Vielfahrer mit Verbrennern erhöht diese Konstellation zumindest kurzfristig den Kostendruck, denn jeder Fahrkilometer wirkt rechnerisch stärker als zuvor. Mittelfristig kann das den ohnehin laufenden Trend zur Elektrifizierung des Pkw-Bestands weiter beschleunigen – sofern sich die Energiepreise nicht in die entgegengesetzte Richtung drehen.
Der Blick bleibt dabei zwangsläufig breiter als nur auf laufende Energiekosten. Die Auswertung ordnet die Attraktivität von Elektroautos deshalb in eine größere Praxis ein, in der auch Anschaffungskosten, staatliche Förderprogramme, steuerliche Aspekte sowie der Ausbau der Ladeinfrastruktur eine Rolle spielen. Zusätzlich müssen Fragen zur Reichweite, zu Ladezeiten und zur Verfügbarkeit im Alltag berücksichtigt werden. Steigende Spritpreise können zwar höhere Kaufpreise teilweise kompensieren, besonders bei hoher jährlicher Fahrleistung – doch die endgültige Entscheidung entsteht typischerweise als Langfristabwägung. Genau deshalb wird die aktuelle Preisphase für viele Haushalte zu einem wichtigen Stresstest: Sie zeigt, wie stark die nächste Fahrzeuggeneration wirtschaftlich bereits heute im Betrieb sein kann, wenn die Rahmenbedingungen passen.
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