BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Ultimatum der Hackergruppe Rhysida im Erpressungsfall nach dem Cyberangriff auf das Berliner Landesnetz ist abgelaufen. Die Täter stellten auf ihrer Leak-Seite einen Countdown ein und erklärten nach Fristende den Abschluss der „Auktion“ im Darknet. Laut Berliner Angaben hatte der Senat zuvor angekündigt, grundsätzlich keine Lösegeldzahlungen zu leisten. Unklar bleibt, ob und in welchem Umfang das zuvor angekündigte Datenpaket bereits verfügbar ist.

Berliner Hacker-Ultimatum abgelaufen: Erpresser fordern kein Lösegeld mehr
Berliner Hacker-Ultimatum abgelaufen: Erpresser fordern kein Lösegeld mehr (Foto: IT BOLTWISE)
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Im Berliner Landesnetz ist nach dem massiven Datendiebstahl eine kritische Phase zu Ende gegangen: Das von der Hackergruppe Rhysida gesetzte Ultimatum ist am Freitag gegen 15.35 Uhr abgelaufen, nachdem auf der Leak-Seite ein Countdown lief. Ob die Angreifer ihre Drohung bereits vollständig umgesetzt und das als sehr groß beworbene Datenpaket von rund 5,8 Terabyte im Darknet veröffentlicht haben, war unmittelbar nach Ablauf der Frist zunächst nicht eindeutig zu verifizieren. Genau in solchen Momenten zeigt sich, wie eng „Kommunikation“ und „Technik“ bei modernen Erpressungsangriffen verzahnt sind: Die Veröffentlichung dient nicht nur der Schadwirkung, sondern auch als Hebel, um in der verbleibenden Zeit politischen und behördlichen Druck aufzubauen.

In der Sache ging es dabei um eine klare Forderung: Die Täter verlangten ein Lösegeld in Höhe von 30 Bitcoin, umgerechnet auf rund zwei Millionen Euro. Der Berliner Senat hatte demgegenüber vorab betont, bei Erpressungsversuchen grundsätzlich nicht einzugehen und keine Zahlungen zu leisten. Dass nach Verstreichen der Frist auf der Webseite der Erpresser im Darknet die „Auktion“ beendet wurde, fügte dem Bild eine weitere Ebene hinzu: Dort hieß es sinngemäß, alle Dateien seien im öffentlich zugänglichen Bereich hochgeladen worden. Gleichzeitig führte ein Link aus diesem Kontext jedoch nicht zu den Daten, sondern zu einer Fehlermeldung – ein Hinweis darauf, dass die Angreifer entweder technisch noch nachsteuern oder dass die Sichtbarkeit je nach Zugriffspfad variieren kann.

Die Entscheidung, auf Erpressung nicht mit Geld zu reagieren, fand in der Fachwelt Rückhalt. Bianca Kastl vom Chaos Computer Club argumentierte in einem Beitrag des RBB Inforadios, die Haltung des Senats sei richtig, weil sich Erpresser sonst weiter finanziell gestärkt sähen; ihr Kernpunkt war das „Austrocknen“ der Geschäftsgrundlage. Auch der IT-Sicherheitsexperte Christof Fischer verwies auf rechtliche Grenzen: Nach seinen Aussagen dürfe der Staat per Gesetz keine Zahlungen bei Erpressungen leisten. Zugleich ordnete er die Lage als technisch und operativ schwierig ein, weil die Daten bereits in den Händen von Kriminellen seien und eine Veröffentlichung in vielen Fällen erheblich schädliche Folgen habe; er betonte außerdem, dass ihm bis dahin kein Fall bekannt geworden sei, in dem gezahlt wurde und trotzdem keine Veröffentlichung erfolgte. In der Praxis ist das Problem damit nicht nur moralisch, sondern auch prozessual: Je schneller sich Betroffene und Behörden koordinieren, desto eher können sie technische Schäden begrenzen und begleitende Aufräum- sowie Schutzmaßnahmen starten.

Technisch lässt sich aus solchen Vorfällen ableiten, dass Zeitverläufe oft nicht sauber „in einem Takt“ funktionieren. Bei vergleichbaren Angriffen vergehen erfahrungsgemäß mehrere Stunden oder Tage, bis gestohlene Datensätze tatsächlich über Archivdateien oder über sogenannte Peer-to-Peer-Netzwerke zum Download bereitgestellt werden. Für die Berliner Ermittlungsbehörden gehört deshalb zum Routinehandwerk, einschlägige Foren und Leak-Seiten fortlaufend zu beobachten und Muster der Veröffentlichung zu dokumentieren. Gleichzeitig fließen solche Beobachtungen in die forensische Analyse ein: Wenn etwa ein Countdown abläuft, lohnt sich meist der Blick, ob es nur um eine psychologische Phase ging oder ob die Täter bereits Datenströme aktiv umleiten. Diese Unterscheidung ist entscheidend, weil sich hiervon sowohl die Sicherheitskommunikation gegenüber Betroffenen als auch die Priorisierung der technischen Gegenmaßnahmen ableiten.

Was die Angreifer im Vorfeld anbrächten, deutet auf einen gravierenden Abfluss hochsensibler Daten hin. Die vorliegenden Auflistungen und Screenshots sprechen davon, dass insgesamt etwa 1,44 Millionen Dateien erbeutet worden seien. Dazu sollen unter anderem mehr als 5.000 Personalakten, Bußgeldvorgänge und Gehaltsabrechnungen gehören, daneben auch vertrauliche Unterlagen aus Bundesratsausschüssen sowie Schwachstellenanalysen zur Berliner Trinkwasserversorgung. Zusätzlich behauptet die Gruppierung, Zugangsdaten und Passwörter im Klartext erhalten zu haben – unter anderem für Datenbanken der Verwaltung und Zahlungsdienstleister. Selbst wenn einzelne Details sich im Verlauf eines Ermittlungsverfahrens als unvollständig oder überzogen herausstellen können, zeigt die Zusammensetzung der genannten Kategorien das Risiko sehr unterschiedlicher Angriffsflächen: Von Identitäts- und Finanzdaten bis zu potenziellen Systemzugängen entsteht ein breites Spektrum, das spätere Folgeschäden begünstigt.

Die Berliner Verwaltung hatte den Cyberangriff am 14. August bestätigt, und die Ermittlungen laufen mit Unterstützung mehrerer Stellen. Neben Ermittlern des Landeskriminalamts (LKA) ist auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in die Analyse und Bewältigung des Vorfalls eingebunden. Sollte das angekündigte Datenpaket tatsächlich vollständig publik werden, drohen den betroffenen Behörden und tausenden Bürgerinnen und Bürgern sowie Beschäftigten erhebliche Datenschutz- und Sicherheitsrisiken. In der Sicherheitsrealität heißt das meist: Bereitschafts- und Monitoring-Mechanismen müssen hochgefahren werden, Identitätsmissbrauch braucht schnelle Präventionskommunikation, und bei möglichen Zugangsdaten im Klartext stehen zudem harte Schritte bei der Härtung und beim Credential-Handling an. Für die IT-Verantwortlichen in Verwaltungen und Unternehmen ist der Vorfall damit auch ein Hinweis auf einen wiederkehrenden Engpass: Auch wenn ein Erpressungsversuch scheitert, bleibt der Schaden durch kompromittierte Daten bestehen und setzt ohne Verzögerung technische und organisatorische Gegenmaßnahmen voraus.


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