LONDON (IT BOLTWISE) – Die „Gold“-These für Bitcoin wird 2026 weniger am Kurs festgemacht als daran, wer die Coins unter Sanktionen tatsächlich hält. Der Derivate-Chef Gordon Grant argumentiert, dass Gold nicht automatisch steigt, sondern nur dann robust bleibt, wenn seine Korrelation in Stressphasen sinkt. Gleichzeitig zeigt sich bei Bitcoin bereits eine nachlassende Kopplung an den S&P-500, während die nächsten „Echttests“ bei Staats- und Akteurssignalen noch anstehen. Der entscheidende Punkt: Für das Label „digitales Gold“ zählt weniger die Crash-Performance als die Entkopplung von Aktienmärkten.

Die Diskussion um Bitcoin als „digitales Gold“ bekommt einen anderen Prüfmodus, und genau darin liegt die Sprengkraft der aktuellen Argumentation: Nicht das Kursdiagramm soll 2026 die letzte Instanz sein, sondern die Frage, wer Bitcoin in Zeiten von Sanktionen als Wertaufbewahrung nutzt. Gordon Grant, PM und Head of Derivatives bei Bitwise, verlagert die Erwartungshaltung weg von einem simplen Hedge-Narrativ. Er beschreibt Bitcoin nicht als Anlage, die „im Crash“ zwingend steigt, sondern als Asset, dessen Korrelation mit anderen großen Marktpositionen abnimmt, sobald Systemstress zunimmt. Das ist eine messbare Vorstellung, weil Korrelation nicht nur über Renditen funktioniert, sondern darüber, ob Risiken in derselben Phase „gleich“ bepreist werden.
Um die Logik hinter Grants Sicht zu verstehen, lohnt ein Blick auf das klassische Missverständnis beim Gold: Gold gilt in vielen Portfolios weiterhin als Inbegriff des Safe Havens, doch Grant ordnet das historisch anders ein. Laut seiner Darstellung fiel Gold während der Finanzkrise 2008, und erst um 2010 habe sich der langfristige Aufwärtstrend herausgebildet. Entscheidend ist für ihn die Definition einer Makro-Absicherung: Eine echte Hedge-Eigenschaft beschreibt er als Asset, dessen Korrelation mit anderen großen Vermögenswerten in Stressphasen sinkt, statt als Aktie-ähnliche Kurswette auf steigende Preise. Damit wird die Bewertung von „Hedgeability“ zu einer Frage der statistischen Kopplung. Für Bitcoin verschiebt sich dadurch das Kriterium: Es braucht nicht zwingend einen Kursrallye-Reflex im Crash, sondern es muss sich in feindlichen Marktphasen von Aktien – konkret vom Verhalten großer Indizes und Tech-naher Risikobäume – lösen.
Diese Entkopplungsidee versucht Grant gleichzeitig nicht nur theoretisch zu verkaufen, sondern über konkrete Beobachtungen zu unterfüttern. Er verweist darauf, dass die Korrekturbewegungen bei einzelnen Tech- und Softwarewerten nicht automatisch Bitcoin „mitziehen“: „Micron sold off 30%. Bitcoin didn’t do anything. MicroStrategy itself sold off a huge amount and Bitcoin is actually higher than it was when MicroStrategy was considerably higher. So, I’m not yet ready to give up on the digital gold like correlative decoupling characteristics of Bitcoin, “ sagte Gordon Grant. In der Praxis bedeutet das: Wenn der Markt einen Teil seines Risikos in einem Sektor abbaut, aber Bitcoin nicht im gleichen Takt mit fällt, entsteht eine andere Portfolio-Mechanik. Interessant ist zudem, dass sich der Bitcoin-Markt aktuell in einem Umfeld bewegt, in dem der „Chartbeweis“ bislang noch nicht als endgültiger Bruch funktioniert, die Daten aber eine Öffnung nahelegen.
Die Zahlen, die im Kontext genannt werden, adressieren genau diese Zwischestufe. Laut den Angaben aus dem Beitrag ist „Strateg y“ bzw. die im Text erwähnte Strategie kürzlich erstmals seit März 2024 unter die Marke von 100 gefallen und habe zudem die erste Bitcoin-Verkaufstransaktion seit Jahren durchgeführt. Währenddessen notiert BTC in dem beschriebenen Zeitfenster nahe 60.347 US-Dollar, mit 1,24 % Tagesveränderung und einer Marktkapitalisierung von 1,21 Billionen US-Dollar. Noch wichtiger als die Momentaufnahme ist jedoch die Korrelation: Die 200-Tage-Korrelation mit dem S&P-500 habe sich 2025 von nahezu Rekordwerten in Richtung Null zurückgezogen. Der Text nennt dabei auch frühere Muster – Rückgänge seien 2015, 2018 und 2021 ähnlich aufgetreten. Genau daraus folgt eine nüchterne Lesart: Der Chart unterstützt die These einer nachlassenden Kopplung, beweist aber noch keinen dauerhaften, linearen Regimewechsel. Für Portfoliomanager heißt das: Es gibt Hinweise auf „conditional decoupling“, aber keine Garantie, dass diese Eigenschaft in jeder Stressvariante identisch ausfällt.
Die zweite Säule von Grants Argumentation verlegt den Fokus schließlich weg von statistischen Kennzahlen hin zu einem geopolitischen Realitätscheck: Wer hält Bitcoin, wenn klassische Zugänge zu Wertaufbewahrung eingeschränkt werden? Der Beitrag stellt dazu auf den Beobachtungspunkt ab, dass sich unter Ländern im Umfeld der BRICS-Struktur „zunehmend“ Akteursgruppen finden, die Bitcoin offenbar als Bestandteil ihrer Reservelogik nutzen könnten. In dem Zusammenhang nennt Grant explizit Iran, Russland und Venezuela sowie weitere Länder, bei denen man seiner Darstellung nach nicht sicher sei, ob und in welchem Umfang sie bereits halten: unter anderem die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, „Länder im Fernen Osten“ sowie China und Kasachstan. Zentral ist dabei nicht die konkrete Rangliste einzelner Staaten, sondern der Gedanke, dass Bitcoin in Sanktionen weniger wegen seines Preises „funktioniert“, sondern weil es als grenzüberschreitendes, zunehmend schwerer zu blockierendes Medium in Frage kommt. Genau diese „Akteursfrage“ sei damit der eigentliche Test für den „digitalen Gold“-Status.
Auch wenn der Beitrag keine fertigen Belege für jedes einzelne Land liefert, zeigt der Prüfrahmen dennoch, warum 2026 als „Startfenster“ für eine echte Bewährungsprobe diskutiert wird. Für Unternehmen und Investorinnen bedeutet das: Die Bewertungsdimension verschiebt sich von „wird der Kurs steigen“ hin zu „wie stabil ist die Funktionsrolle in unterschiedlichen Liquiditäts- und Restriktionsregimen“. Technisch betrachtet hängt das Zusammenspiel aus Börsenliquidität, On-Chain-Dynamik, Investorensentiment und Korrelationsstruktur davon ab, ob Bitcoin in Stressmomenten als separater Risikofaktor gehandelt wird oder weiter als verlängerter Arm von Tech- und Nasdaq-nahem Risiko. Marktseitig kommt dazu, dass in Phasen mit hoher Volatilität auch klassische Makro-Hedges ihre Wirkung verlieren können, wenn sie in der Korrelation ebenfalls „kippen“. Für die strategische Planung heißt das: Korrelationstrends sind hilfreich, aber sie müssen mit der Eigentümer- und Nutzungsseite zusammen gedacht werden.
Unterm Strich verbindet Grants Argumentation zwei Ebenen, die in der Praxis oft getrennt diskutiert werden: die statistische Entkopplung von Aktienmärkten und die reale Akteursnutzung unter Sanktionen. Der Text macht dabei klar, dass der „Beweis“ nicht zwingend sofort im Crash sichtbar wird; entscheidend sei vielmehr, ob sich Bitcoin in künftigen Stressphasen anders verhält als der Aktienblock, den viele Investoren bislang als Hauptreferenz nutzen. Gleichzeitig bleibt die offene Frage, ob die im Beitrag genannten Korrelationstendenzen tatsächlich in ein dauerhaft anderes Regime münden oder nur episodische Phasenreaktionen widerspiegeln. Für Stakeholder, die Bitcoin als strategische Komponente prüfen, ist genau diese Unterscheidung zwischen kurzfristiger Hedge-Fähigkeit und langfristiger Hedgeability der nächste sinnvolle Schritt.
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