LONDON (IT BOLTWISE) – Der Bitwise-CIO Matt Hougan hält Bitcoin bis 2035 für auf 1,3 Millionen US-Dollar steigbar. Als kurzfristigen Prüfstein nennt er die Rückkehr über 100.000 US-Dollar noch in diesem Jahr. Sein Kernargument setzt nicht auf Kleinanleger-Hype, sondern auf institutionelle Nachfrage und einen praktischen Einsatz im Portfolio. Zusätzlich verknüpft Hougan Bitcoin mit KI-Aktien, um zwei gegensätzliche Makroszenarien abzudecken.

Bitcoin bis 2035: Bitwise-CIO setzt auf institutionelles Kapital und KI-Schutz
Bitcoin bis 2035: Bitwise-CIO setzt auf institutionelles Kapital und KI-Schutz (Foto: IT BOLTWISE)
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Matt Hougan formuliert seine Bitcoin-Prognose bewusst so, dass sie weniger nach Krypto-Fantasie klingt und mehr nach Portfolio-Logik. Der CIO des Vermögensverwalters Bitwise hält laut dem Gespräch über seine langfristige Planung hinaus fest, dass eine Kursmarke von 1,3 Millionen US-Dollar bis 2035 erreichbar sei. Entscheidend ist dabei weniger der Zeithorizont als die Annahme, dass sich die Rolle von Bitcoin als Wertaufbewahrung verschiebt: weg von einem reinen Nischenthema, hin zu einer Anlageklasse, die im Rahmen makroökonomischer Entscheidungen mitgedacht wird.

Was Hougan an der bisherigen Vermögensallokation stört, ist die Abhängigkeit klassischer Portfolios von der Fiat-Währung. Ein 60/40-Ansatz aus Aktien und Anleihen wird in seiner Argumentation im Kern durch die Entwicklung der jeweiligen Staatswährung mitbestimmt. Wer in einem solchen Setup auf Bitcoin verzichtet, geht damit seiner Sicht nach eine systematische Fehlallokation ein, weil das Portfolio keine zusätzliche „Wertaufbewahrungs“-Option enthält, die nicht direkt in dieselbe Geldlogik eingebunden ist. Aus diesem Grund bringt Hougan eine 60/35/5-Struktur ins Spiel: fünf Prozent würden in Bitcoin fließen, während die Anleihequote entsprechend sinkt. Damit soll Bitcoin gerade nicht als reiner Spekulationshebel funktionieren, sondern als Absicherung gegen unterschiedliche makroökonomische Pfade.

Inhaltlich wird Hougans These zusätzlich über die Kombination mit Künstlicher Intelligenz (KI) schärfer. Er beschreibt zwei Portfolio-„Wetten“, die auf gegensätzliche Entwicklungen bei der US-Verschuldung reagieren: Die erste profitiert davon, dass starke wirtschaftliche Dynamik die Schuldenlast besser handhabbar macht. Die zweite schützt, falls die Schulden stattdessen durch Inflation an realem Wert verlieren. Die Idee dahinter ist dabei nicht, dass die Zukunft exakt vorhergesagt werden muss, sondern dass unterschiedliche Vermögensbausteine in unterschiedlichen Szenarien gewinnen können. Praktisch bedeutet das: Bitcoin ist eher das Element für ein Inflations- bzw. „real value“-Szenario, während KI-Aktien von einem Produktivitäts- und Wachstumsschub profitieren sollen, der typischerweise über Ertragskraft und Investitionszyklen wirksam wird.

Damit kommt die Frage nach dem „Wie“ – also warum Bitcoin in einem solchen Modell überhaupt so weit aufschließen sollte. Hougan verankert den langfristigen Rechenweg in der weltweiten Nachfrage nach Wertaufbewahrungsmitteln. Heute dominieren dort vor allem Gold und Staatsanleihen, und genau an dieser Stelle setzt seine Erwartung an: Wenn Bitcoin einen erheblichen Teil dieses Marktes übernimmt, könne die Zielmarke von 1,3 Millionen US-Dollar entstehen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Verhaltensänderung einzelner privater Anleger, sondern vor allem die Umschichtung institutionellen Kapitals. Hougan erwartet, dass in den kommenden zehn Jahren ein spürbarer Zustrom aus dem professionellen Lager kommt – ein Unterschied, der seine Argumentation von einer „Story über Krypto“ weg und hin zu einer „Story über Kapitalflüsse“ rückt.

Für den institutionellen Hebel liefert Hougan auch eine Größenordnung. Pensionsfonds, Versicherungen, Stiftungen und Staatsfonds verwalten nach seiner Darstellung zusammen zwischen 100 und 200 Billionen US-Dollar. Schon eine vergleichsweise kleine Bitcoin-Allokation in diesem Umfeld könnte demnach erhebliche Kapitalströme auslösen, weil die Basis so groß ist. Gleichzeitig setzt Hougan auf einen strukturellen Wandel: Unternehmen, die in großem Maßstab selbst Bitcoin kaufen, könnten als Nachfragequelle an Bedeutung verlieren. An ihre Stelle treten dann eher jene großen institutionellen Investoren, für die sich der Zugang zunehmend leichter gestalten lässt. Spot-Bitcoin-ETFs gelten in diesem Zusammenhang als wichtiger Vermittler, weil sie institutionellen Anlegern ein reguliertes Setup für Bitcoin-Exposure ermöglichen, ohne dass sie den Coin selbst verwalten müssen.

Für viele Anleger ist jedoch weniger die langfristige Zahl ausschlaggebend als der erste Realitätscheck. Hougans „Nächstes Kapitel“ beginnt 2026: Falls Bitcoin im laufenden Jahr tatsächlich wieder über 100.000 US-Dollar steigen sollte, versteht er das als Signal, dass seine langfristige These intakt bleibt. Bis zur 1,3-Millionen-Marke bleibt allerdings ein großer Weg, und genau hier liegt die Spannungsstelle zwischen Prognose und Gewissheit. Sein Szenario setzt voraus, dass Bitcoin tatsächlich einen deutlich größeren Anteil am globalen Markt für Wertaufbewahrung erobert und dass institutionelle Gelder in nennenswertem Umfang umgeschichtet werden. Ausfällt dieser Kapitalstrom, müsste die Rechnung entsprechend neu bewertet werden.

Was Hougans Ansatz für die Praxis so interessant macht, ist die klare Konsequenz für die Bewertungslogik. Nicht „ob“ Bitcoin spektakuläre Kursziele hat, sondern „unter welchen Bedingungen“ sie Realität werden. In seinem Modell würde aus einer heutigen Nische ein Vermögenswert, dessen Bewertung zunehmend von großen Kapitalströmen bestimmt wird. Genau darin liegt für strategische Investoren der eigentliche Stresstest: Die These ist dann besonders plausibel, wenn sich die erwartete Nachfrage nicht nur auf einzelne Risikobudgets beschränkt, sondern tatsächlich in den institutionellen Entscheidungsprozess einzieht. Sollte bereits eine kleine Verschiebung genügen, um neue Nachfrage in Gang zu setzen, könnte aus Hougans Sicht die nächste Bitcoin-Welle nicht primär durch Hype getrieben werden, sondern durch strukturelle Allokationsentscheidungen – und damit durch eine Dynamik, die sich deutlich anders anfühlt als klassische Krypto-Zyklen.


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